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Umweltökonomie
Freitag, 22. Februar 2019

Die Erde wird durch den Menschen stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Wirtschaftswissenschaften haben ihre eigene Sicht, dieses Problem zu analysieren und zu lösen.

Was kann der Mensch unternehmen, um die Umwelt vor Zerstörung und Übernutzung zu schützen? Bild: Pixabay – Alexas_Fotos (CC)

Seit der Industrialisierung hat die Menschheit eine rasante wirtschaftliche Entwicklung durchlaufen – mit gravierenden Folgen für die Umwelt. Wir verschmutzen unsere Luft, überfischen die Weltmeere und verkleinern den Lebensraum von Tier und Pflanzen. Diese Probleme entstehen, weil die Umwelt eine frei zugängliche Ressource ist, was zu deren Übernutzung führt.

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Die Umweltökonomie erklärt
Die Problematik

Im Falle der Umwelt unterscheidet man zwischen endlichen und erneuerbaren Ressourcen. Während Erstere, wie zum Beispiel Erdöl, nur in begrenzter Menge vorhanden ist, können Letztere sich, wie im Falle von Fischbeständen, wieder erholen.

Fische in öffentlichen Gewässern sind im ökonomischen Sinne ein «Allmendegut». Solche Güter weisen zwei Eigenschaften auf: Einerseits sind sie für alle Personen frei zugänglich und nutzbar. Es wird niemand von deren Konsum ausgeschlossen. Andererseits gibt es bei einem Allmendegut eine Rivalität im Konsum: Je mehr sich eine Person bedient, desto weniger bleibt für die anderen übrig.

Diese Ausgangslage führt zu einem Dilemma: Aus Sicht der Nutzungsgemeinschaft wäre es wünschenswert, dass sich alle nur zurückhaltend am Gut bedienen. Aus individueller Sicht lohnt es sich aber, möglichst viel zu konsumieren – und niemand kann daran gehindert werden. Deshalb werden Allmendegüter aus Sicht der Gemeinschaft oft übernutzt.

Ökonomen sprechen in diesem Zusammenhang von einem «Gefangenendilemma». Sogar wenn alle diese Gefahr erkennen, ist das Problem noch nicht gelöst. Womöglich denkt jeder, dass die anderen weiter konsumieren. Somit kommt es ohnehin zur Übernutzung, und diese Folgen tragen am Ende alle. Aber wer weiter konsumiert, kann wenigstens seinen eigenen Nutzen noch etwas steigern.

Die im Beispiel beschriebene Problematik der Überfischung lässt sich auf alle Arten von Umweltverschmutzung übertragen. Durch die Nutzung der Umwelt entstehen Schäden, deren Kosten nur selten von ihren Verursachern getragen werden. Die sogenannten negativen externen Effekte beschreiben eine Situation, in der ein Teil der verursachten Kosten auf andere überwälzt werden.

Lösungsansätze

Das Problem der externen Effekte kann unter bestimmten Bedingungen durch den Markt gelöst werden. Dazu müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt werden: Die individuellen Eigentumsrechte müssen klar definiert, die Höhe der externen Effekte für alle Verhandlungspartner bekannt sowie die Verhandlungskosten (Transaktionskosten) tief genug sein. Gemäss Coase-Theorem können unter diesen Umständen die Umweltverschmutzung mit einem Preis beziffert und die Verursacher zur Kasse gebeten werden (Internalisierung der Kosten).

Diese Voraussetzungen sind in der Realität selten gegeben. Deshalb sind meist staatliche Massnahmen erforderlich: Neben staatlichen Verboten und Geboten gibt es die Möglichkeit, sogenannt marktwirtschaftliche Instrumente anzuwenden. Dabei wird zwischen einer Preis- und einer Mengensteuerung unterschieden.

Umweltabgaben (wie die CO2-Steuer) sind eine Form der Preissteuerung. Diese Lenkungsabgaben (auch Pigou-Steuer genannt) sind Steuern, die eine Verhaltensänderung bewirken sollen. Umweltschädliche Handlungen werden durch die Steuer verteuert. Dadurch werden über den Preis Anreize geschaffen, solche Handlungen zu reduzieren.

Der Emissionsrechtehandel ist ein Beispiel für eine Mengensteuerung. Dabei wird eine Obergrenze bestimmter Emissionen (z. B. Kohlenstoffdioxid, Schwefeldioxid, Stickoxid) innerhalb eines Gebiets und Zeitraums festgelegt. Anschliessend werden sogenannte Umweltzertifikate ausgegeben, die zur Emission einer bestimmten Menge berechtigen. Diese Zertifikate können unter den Verursachern frei gehandelt werden.

Der Vorteil dieser Methode ist, dass der Preis auf dem Markt gebildet wird, wodurch die problematische Festlegung des Preises entfällt. Jeder Akteur kann dabei selbst entscheiden, ob es sich lohnt seine Emissionen zu reduzieren, oder ob er dafür bezahlen möchte.

Eine globale Perspektive

Die Einführung verschiedener Umweltabgaben oder der Ausbau des Emissionsrechtehandels sind wichtige Bemühungen, das Problem der Umweltverschmutzung nachhaltig zu lösen. Um die gesetzten Klimaziele zu erreichen, ist jedoch entscheidend, ob solche ökonomischen Instrumente weltweit anerkannt und umgesetzt werden. Denn solange sich Einzelne diesen Mechanismen entziehen können, wird die Zerstörung der Umwelt weiter fortschreiten.

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