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Die sieben Geburtsfehler von Kryptowährungen
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Die sieben Geburtsfehler von Kryptowährungen
Dienstag, 19. Februar 2019

Ein Beitrag im Blog «Bank Underground» der Bank of England diskutiert sieben Geburtsfehler von Kryptowährungen.

Bild: Max Pixel (CC)

Werden wir in Zukunft alle Einkäufe und Zahlungen mit Bitcoin & Co. bezahlen? Research Manager John Lewis bezweifelt das. Im Beitrag «The seven deadly paradoxes of cryptocurrency» im Blog «Bank Underground» der Bank of England argumentiert er, dass Kryptowährungen verschiedene interne Widersprüche aufweisen. Aufgrund dieser Geburtsfehler, wie er es nennt, werden Kryptowährungen seiner Meinung nach niemals traditionelle Währungen ernsthaft konkurrenzieren.

Insgesamt zählt Lewis sieben Geburtsfehler von Kryptowährungen auf:

  1. Sie können nur begrenzt wachsen
    Gewöhnliche Währungen profitieren von Netzwerkeffekten. Kryptowährungen werden jedoch ineffizienter, je mehr Nutzer sie haben. Deshalb müssen früher oder später die Transaktionskosten steigen, um die Übernachfrage zu dämpfen.
  2. Sie sind teuer zu handeln
    Aufgrund der Blockchain wird bei jedem Nutzer die gesamte Transaktionshistorie gespeichert, wodurch der Speicheraufwand bei jeder Transaktion grösser wird. Steigt die Anzahl Transaktionen um N, so steigt der Speicherbedarf um N mal N.
  3. Sie sind instabil
    Es besteht ein stetiger Konflikt zwischen Nutzern und Schürfern einer Kryptowährung. Da durch das Schürfen der Bestand an Kryptogeld stetig wächst, sind deren Nutzer gezwungen, stetig neues Kryptogeld zu kaufen, um dessen Preis aufrecht zu erhalten.
  4. Sie sind ungleich verteilt
    Der Besitz von Kryptowährungen konzentriert sich meist auf wenige Nutzer. So besitzen 4 Prozent der Nutzer 97 Prozent der Bitcoins. Würde einer dieser 4 Prozent seine Bestände verkaufen, würde dies zu einem Preiszerfall führen.
  5. Sie sind theoretisch wertlos
    Anders als bei anderen Finanzanlagen werfen Kryptowährungen weder einen Zins noch eine Dividende oder Ähnliches ab. Genauso wie bei einer Fiat-Währung ist ihr theoretischer Wert daher gleich null. Während bei einer Fiat-Währung eine Zentralbank beauftragt ist, Preisstabilität zu garantieren, indem sie das Angebot reguliert, wird bei einer Kryptowährung der Preis jedoch lediglich durch Angebot und Nachfrage der privaten Schürfer bzw. Nutzer bestimmt. Der Marktwert wird allein durch die Erwartungen der Marktteilnehmer bestimmt und beruht daher einzig auf selbsterfüllenden Prophezeiungen.
  6. Sie sind unsicher
    Anonymität ist ausserhalb des Bereichs krimineller Zahlungen ein Nachteil, da es ein erhöhtes Risiko von Marktmanipulationen oder Betrug birgt, die insbesondere bei zeitlich versetzten Geschäften problematisch wird.
  7. Sie sind ersetzbar
    Wenn eine neue, bessere Kryptowährung erfunden wird, die die Probleme der alten löst, dann wird die bisherige verdrängt und wertlos.

«Bank Underground» ist ein Blog für Mitarbeiter der Bank of England, in dem sie Ansichten austauschen können, die die vorherrschenden politischen Orthodoxien herausfordern - oder unterstützen.

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