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2018, das beste Jahr – ever!
Freitag, 26. Oktober 2018

Klimawandel, Armut, Ungleichheit. Steht die Welt kurz vor dem Abgrund? Nein, meint Bestsellerautor Steven Pinker in seinem Buch «Enlightenment Now». Uns geht es so gut, wie noch nie zuvor. Was macht ihn da so sicher?

Bild: pexels - rovenimages.com (CC)

Herzliche Gratulation, liebes Jahr 2016! Die User der Internetseite Toptens kürten dich zum zweitschlimmsten Jahr aller Zeiten. Und das – Chapeau! – noch vor dem Jahr 1350, in welchem die Pest gerade eben einen Drittel der europäischen Bevölkerung ausradierte. Nur das Jahr 1939 konnte dich toppen – aber da brach auch gerade der Zweite Weltkrieg aus.

Schlechte Nachrichten weit und breit: Klimawandel, Armut, Krieg in Syrien. So kurz vor dem Weltuntergang kann man niemandem verübeln, wehmütig in Nostalgie zu schwelgen und von den guten alten Zeiten zu schwärmen. Geht die Welt bald in Flammen auf?

Quatsch, sagt Psychologe und Bestsellerautor Steven Pinker in seinem neuen Buch «Enlightenment Now». Der Menschheit geht es blendend: Wir sind so gesund, so reich und leben so lange wie noch nie zuvor.

Wie war das nochmals? Terroranschläge, Flüchtlingskrise und so? Das sind tragische Einzelinformationen, kurzfristige Schwankungen, zeitgeschichtlich ein Klacks, ein Wimpernschlag – sie sind nicht relevant für das grosse Ganze, so Pinker. Die Welt ist zwar noch lange nicht perfekt, aber dank unserem Einfallsreichtum ist die Wahrscheinlichkeit, heute ein gutes Leben zu führen, so hoch wie noch nie.

Menschen müssen herauszoomen, um die langfristigen Trends zu sehen. Doch die kurzsichtige Medienwelt lässt dies kaum zu. Vielleicht auch deshalb, weil wir Menschen so programmiert sind, dass wir zeitnahen, negativen Ereignissen weit mehr Aufmerksamkeit schenken als langfristigen Entwicklungen.

Stellen wir uns vor, dass News nur alle fünf Jahre erscheinen. Welche Schlagzeilen würden dann wohl die Frontseite prägen? Wahrscheinlich solche: «Menschen noch gesünder», «Wieder weniger Kriegstote» oder «Millionen Menschen aus Armut befreit».

Zugegeben, es ist nicht leicht, mal eben eine zeitliche Vogelperspektive einzunehmen. Doch zum Glück gibt es Daten; noch dazu gratis im Internet. Beispielsweise auf Webseiten wie OurWorldinData, HumanProgress oder Gapminder.

Was sagen also diese Daten? Hier sind drei Beispiele:

  • Wir leben länger. Die Lebenserwartung betrug bis ins 19. Jahrhundert ungefähr 30 Jahre (auch weil die hohe Kindersterblichkeit den Schnitt herunterzog). Heute ist sie weltweit bei 71 Jahren. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass Menschen, die heute geboren werden, noch wesentlich älter werden. Denn wir können annehmen, dass die Medizin weitere Fortschritte machen wird.
  • Die Welt ist heute hundertmal wohlhabender als vor 300 Jahren. In fast allen Ländern hat der Reichtum zugenommen. Ausserdem ist der Wohlstand gleichmässiger verteilt über Länder und sozialen Schichten. Zwar nimmt die Ungleichheit in entwickelten Ländern zu, nicht aber die Armut.
  • Wir leben in der friedlichsten Zeit. Das ist harter Tobak, wenn man Bilder aus Syrien oder Yemen vor Augen hat. Doch Krieg war früher der Normalfall, Frieden nur die kurze Verschnaufpause zwischen den Kriegen. Die Konsequenz: Es gibt heute wesentlich weniger Kriegstote.

Doch die Welt wurde nicht grundlos besser. Sie wurde besser, weil Menschen dank dem Geist der Aufklärung die Welt um sich herum zu verbessern wagten. Auch gibt es keine Garantie auf ständige Besserung. Reichtum, Frieden und Gesundheit sind historisch gesehen Ausnahmeerscheinungen. Daher muss der Geist der Aufklärung aktiv gelebt werden. Steven Pinker ist sich sicher, dass mithilfe von Technik, Wissenschaft, Handel und sinnvoll regulierten Märkten auch scheinbar unlösbare Probleme, wie der Klimawandel, zu lösen seien.

Man kann Steven Pinker Über-Optimismus vorwerfen. Man kann es als zynisch empfinden, wenn jemand sagt, dass es dem Durchschnittsmenschen gut geht, wenn gleichzeitig noch so vielen Menschen Leid zuteilwird. Doch wenn die Alternative zu Pinkers Über-Optimismus lautet, fatalistisch zu denken («bringt eh alles nichts») und Weltuntergangsstimmung zu verbreiten, dann doch lieber etwas Über-Optimismus. Uns Menschen mal ein bisschen für unseren Einfallsreichtum zu loben, ist doch Balsam für die arg strapazierte Menschenseele.

Zurück zur Rangliste. Pardon, liebes Jahr 2016. Du wirst auf den dritten Platz rückversetzt, dies aber auf der Rangliste der besten Jahre. Herzliche Gratulation dem Siegerjahr 2018!

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