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Die Welt im WM-Fieber
Sport und Ökonomie
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Die Welt im WM-Fieber
Dienstag, 26. Juni 2018

Passend zur Fussball-WM stellt ein Freakonomics-Podcast Studien von Ökonomen zum Thema Fussball vor.

Schiedsrichter stehen oft in der Kritik. Bild: wikimedia – Arne Müseler (CC)

Vor den Fernsehbildschirmen und Grossleinwänden dieser Welt wird derzeit wieder viel gejubelt, geflucht und gefachsimpelt. Die Diagnose ist eindeutig: Viele von uns hat das WM-Fieber gepackt.

Für alle, die bei der nächsten WM-Grillparty mit Fussballfakten brillieren möchten, ist der Freakonomics-Podcast «How to Catch World Cup Fever» ein Muss. Im Podcast wird die Weltmeisterschaft aus einem ökonomischen Blickwinkel betrachtet. Dabei werden Themen wie Korruption und Vetternwirtschaft unter die Lupe genommen. Und der Fussball wird auch aus verhaltensökonomischer Sicht analysiert.

So erklärt beispielsweise Toby Moskowitz, ein Ökonomieprofessor an der Yale Universität und Co-Autor des Buchs Scorecasting, was es mit dem «Heimvorteil» auf sich hat. Anhand von Daten von verschiedenen Sportarten untersuchte Moskowitz, ob der Heimvorteil eine Tatsache oder ein Mythos ist. Die Analyse zeigt, dass der Heimvorteil in den meisten Sportarten rund um die Welt existiert, dessen Einfluss in den verschiedenen Sportarten aber unterschiedlich gross ist. Im Fussball ist der Vorteil für das Heimteam beispielsweise bedeutend grösser als im Baseball.

Doch warum gewinnen Teams bei Heimspielen öfters als bei Auswärtsspielen? Laut Moskowitz liegt dies weder am unterschiedlichen Klima, noch an der langen Anreise der Gastmannschaft. Seine These untermauert er anhand von Daten von Direktbegegnungen zwischen Mannschaften, die sich ein Stadion teilen – wie z.B. in der Schweiz der FC Zürich und der Grasshopper Club Zürich, die beide das Letzigrund als Heimstadion haben. Obwohl in diesen Spielen beide Mannschaften in ihrem Stadion spielen, zeigt sich ein Heimvorteil für dasjenige Team, das per Spielplan als Heimmannschaft gilt.

Auch die Annahme, dass die Begeisterung der Fans die Leistung der Sportler verbessert, ist gemäss Moskowitz nicht korrekt. Der Autor verweist auf eine Analyse von Daten aus Fussballspielen in Italien, bei denen als Folge von Fan-Ausschreitungen keine Zuschauer im Stadion zugelassen waren. Die Analyse zeigt, dass die Leistung der Spieler nicht davon abhängt, ob Publikum im Stadion ist oder nicht.

Auch wenn das Publikum keinen Einfluss auf die Spieler hat, so ist Moskowitz trotzdem der Ansicht, dass das Publikum zumindest den Heimvorteil vergrössert – und zwar indem es einen Einfluss auf die Schiedsrichter hat: Eine Analyse von Daten aus der Spanischen Liga untersucht die Länge der Nachspielzeit. Die Daten stammen aus den 1990er und frühen 2000er Jahren, als die Schiedsrichter die Länge der Nachspielzeit noch nicht bekannt geben mussten. Die Nachspielzeit war im Durchschnitt mehr als doppelt so lang, wenn das Heimteam ein Tor im Rückstand war, als wenn es mit einem Tor führte.

Moskowitz will damit keineswegs sagen, dass die Schiedsrichter betrügen und dem Heimteam bewusst helfen wollen. Vielmehr sieht er hinter diesen Analyseergebnissen ein ganz normales menschliches Verhaltensmuster: Die Schiedsrichter unterliegen in diesen Situationen einem starken sozialen Druck und können dadurch unbewusst im Vorteil der Heimmannschaft handeln.

Den vollständigen Podcast finden Sie hier:
Freakonomics. How to Catch World Cup Fever. (13.06.2018, 56:39)

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