Schweizerische Nationalbank
Von Preisanstiegen und Hamsterkäufen
Staat und Gesellschaft
Video
()
75 Aufrufe
Von Preisanstiegen und Hamsterkäufen
Dienstag, 12. Juni 2018

Alkohol-Hamsterkäufe in der Schweiz und Toilettenpapierkrise in Taiwan: Zwei Ereignisse verdeutlichen den Einfluss von Erwartungen und Anreizen auf Märkte mit alltäglichen Produkten.

Leergekaufter Supermarkt wegen nahendem Hurricane. Bild: wikimedia – Daniel Case (CC)

Leergefegte Regale, vollbepackte Einkaufswagen – die Bilder der SRF-Sendung «Antenne» vom 4. Januar 1973 zeigen klassische Szenen eines Hamsterkaufs (Video: siehe unten). Die Schweizer und Schweizerinnen kauften vor Neujahr die Alkoholregale der Geschäfte leer. Grund dafür waren nicht etwa die geplanten Silvesterpartys, sondern die vom Bundesrat auf den 1. Januar 1973 angesetzte Steuererhöhung auf bestimmte alkoholhaltige Getränke.

Video

Der Beitrag aus dem SRF-Archiv zeigt illustrativ: Hamsterkäufe nach einer angekündigten Preiserhöhung sind gerade dann zu erwarten, wenn das betroffene Produkt eine lange Haltbarkeit und eine geringe Preiselastizität aufweist. Denn je länger haltbar ein Gut ist und je weniger die Konsumentinnen und Konsumenten auch nach einem Preisanstieg auf das Gut verzichten wollen, desto mehr lohnt es sich für die Kundschaft, Käufe vorzuziehen - weil sie heute weniger bezahlt als morgen.

Das gleiche Phänomen war Ende Februar 2018 zu beobachten, als es in Taiwan zu Hamsterkäufen von Toilettenpapier kam. Der Grund war auch in diesem Fall eine erwartete Preiserhöhung. Die Hersteller informierten, dass mit einem Anstieg der Preise zwischen 10 und 30 Prozent zu rechnen sei. In Erwartung der Preissteigerung kam es zu einem regelrechten Run auf das Gut des alltäglichen Bedarfs.

Der sprunghafte Anstieg der Nachfrage verleitete wiederum einige Anbieter dazu, die Preise vorzeitig hochzuschrauben. Der Staat verbot den Händlern diese Massnahme, worauf diese das günstige Toilettenpapier zurückhielten, um es nach der Preiserhöhung teurer verkaufen zu können, was die Verknappung noch verstärkte.

Die Ereignisse in der Schweiz und in Taiwan sind Lehrbeispiele für zwei ökonomische Grundsätze: Erwartungen spielen nicht nur auf Finanzmärkten oder in wirtschaftswissenschaftlichen Modellen eine grosse Rolle. Und – wie das Verhalten von Konsumenten, Produzenten und dem Staat in der taiwanesischen Toilettenpapierkrise lebhaft zeigt – Menschen reagieren auf Anreize.

Zum Thema
× Vielen Dank für Ihren Kommentar. Er wurde erfolgreich zur Überprüfung übermittelt.

Kommentare

Anzahl verbleibender Zeichen: 800
captcha

Diese Seite wurde noch nicht kommentiert.

Verfassen Sie den ersten Kommentar.