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Vorsicht Falle: 5 Fehler im Umgang mit Geld
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Finanzielle Grundbildung
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Freitag, 02. März 2018

Der Verhaltensökonom Dan Ariely erklärt in seinem Buch «Dollars and Sense», weshalb wir Meister darin sind, schlechte finanzielle Entscheidungen zu treffen. Welche Denkfehler sind das und was können wir dagegen tun?

Bild: flickr - Kris Krüg (CC)

Obwohl wir tagtäglich über Geld nachdenken, sind wir meisterhaft darin, schlechte finanzielle Entscheidungen zu treffen, schreibt Dan Ariely zusammen mit dem Comedian Jeff Kreisler im Buch «Dollars and Sense». Wir sparen zu wenig für den Ruhestand oder fahren durch die ganze Stadt, um ein paar Rappen günstiger Benzin zu tanken, während uns der Zinssatz unserer Hypothek wenig kümmert.

«Ein achtsamer Umgang mit Geld hat nichts mit einem spartanischen Leben zu tun. Vielmehr geht es darum, Geld so auszugeben, dass es so glücklich wie möglich macht – jetzt und in der Zukunft», erklärt Dan Ariely kürzlich in seinem Vortrag an der Universität Zürich. Ein wenig zu sparen heisst nicht, auf Konsum zu verzichten, sondern vielmehr, den Konsum möglichst schlau über die Zeit zu verteilen.

Wenn Dan Ariely meint, er wolle keine Spassbremse sein, so glaubt man ihm das. Kaum einer ist so unterhaltsam wie der israelische Verhaltensökonom und sein Ruf als Paradiesvogel der Ökonomie kommt nicht von ungefähr. Dennoch ist er überzeugt davon, dass wir gut daran täten, uns gelegentlich zu überlegen, welche Kräfte unsere Entscheidungen beeinflussen. Schliesslich bestimmt das, was im Portemonnaie ist (oder eben nicht ist) auch über unser Lebensglück – ob man es will oder nicht.

Was sind nun typische Fallen im Umgang mit Geld? Hier sind fünf Punkte zusammengefasst:

  • Wir ignorieren Opportunitätskosten.
    Ist mir dieses Handy 1'200 Franken wert? Wie weiss ich das überhaupt? Weil die Information «1'200 Franken» abstrakt ist, kann ein Urteil schwerfallen. Der Kauf führt nicht einfach nur dazu, dass der Kontostand um 1'200 Franken schrumpft. Wir verzichten dadurch automatisch auf etwas anderes – heute oder morgen. Das sind die Opportunitätskosten, also die Kosten des Verzichts.Umrechnen in etwas Greifbares hilft. Überlegen Sie sich, was Sie sich mit dem Geld auch sonst leisten könnten und worauf Sie mit diesem Kauf verzichten, z.B. auf erholsame Wochenendtrips, auf gute Nachtessen oder auf einen trendigen Kopfhörer. Auch der eigene Lohn kann als Wertmassstab zur Hilfe gezogen werden. Bei einem Stundenlohn von 25 Franken kann man sich etwa die Frage stellen, ob man wirklich sechs Tage für dieses Handy arbeiten will.
  • Die «Sale»-Falle oder: Geld ist nicht relativ.
    Wenn Sie im Ausverkauf ein T-Shirt für 60 statt für 100 Franken kaufen, heisst das nicht, dass Sie 40 Franken sparen. Sie bezahlen 60 Franken, egal was die bunten Verkaufsschilder Ihnen weismachen wollen. Wenn Ihnen das T-Shirt 60 Franken wert ist (siehe Opportunitätskosten oben), schlagen Sie zu! Lassen Sie sich aber nicht vom «relativen Gewinn» blenden. Geld ist nicht relativ. Nobelpreisträger Richard Thaler nennt dieses Phänomen Transaktionsnutzen: Wir wollen etwas, einfach nur, weil wir das Gefühl haben, dass wir diese Chance nicht verpassen dürfen. Die Transaktion gibt uns ein gutes Gefühl, nicht das eigentliche Produkt. Gewisse Geschäfte haben sich dieses Phänomen zu Nutze gemacht und versuchen uns mit Dauer-Sale in Kaufekstase zu versetzen.
  • Geld ist Geld ist Geld.
    Egal von wo das Geld kommt - sei es vom Job, als Geschenk von der Grossmutter oder von einem Banküberfall. Zehn Franken sind gleich viel wert, egal von wo sie kommen. Was logisch klingt, ist für unser Hirn gar nicht selbstverständlich. Wir neigen dazu mentale Geldbüchsen zu bilden. Dies kann durchaus sinnvoll sein, indem man sich ein Budget für bestimmte Ausgaben macht. Es birgt aber auch die Gefahr, dass man Geld aus unterschiedlichen Quellen unterschiedlich sinnvoll ausgibt, beispielsweise den Casinogewinn für Dinge, die einfach nur Spass machen und den Lohn für Rechnungen.
  • Fairness und Anstrengung werden überwertet.
    Wem würden Sie mehr bezahlen? Dem Handwerker, der sich drei Stunden Zeit nimmt, um Ihren Backofen zu reparieren oder demjenigen, der dies in 10 Minuten erledigt? Intuitiv finden wir es fair, für anstrengendere Leistungen mehr zu bezahlen. Was aber, wenn der flinke Handwerker einfach fähiger ist oder viel mehr Zeit in die Ausbildung investiert hat? Wahrscheinlich bezahlen Sie in erster Linie für einen funktionierenden Backofen und nicht für eine dreistündige Backofenreparatur-Show. Das Ergebnis zählt und nicht die Anstrengung. Vor allem, weil wir nie wissen, wie viel Zeit jemand investiert hat, um eine Aufgabe effizient erledigen zu können. Ähnliches bezüglich Fairness gilt auch für andere Situationen. Wenn Strassenhändler bei Regen die Preise für Regenschirme verdoppeln, so kann man dies unfair finden. Es lohnt sich jedoch nicht, aus Trotz keinen Schirm zu kaufen. Die richtige Frage lautet auch hier: Sind mir trockene Kleider mehr wert als der Preis des Schirms?
  • Gewohnheiten können das Denken gefährden.
    Nur weil wir etwas schon immer getan haben, heisst es nicht, dass es auch gut so ist. Das Internet-Abo muss nicht 150 Franken pro Monat kosten, nur weil wir diesen Betrag schon seit drei Jahren bezahlen. Gewohnheiten machen bequem und verdrängen kritische Gedanken. Auch hier gilt: Wenn ihnen der tägliche Cappuccino am Bahnhof sieben Franken wert ist, dann gönnen Sie sich diesen. Aber versuchen Sie ab und zu Gewohnheiten auf ihren Wert zu überprüfen.

Natürlich würde es uns total überfordern, wenn wir uns bei jedem Kaffee überlegen würden, wie viele Socken wir damit kaufen könnten. Dan Ariely gibt deshalb einen praktischen Tipp: Er rät dazu, am Montag einen Geldbetrag auf eine Debit-Karte zu laden und damit diejenigen wöchentlichen Ausgaben zu bestreiten, die nicht unbedingt notwendig sind, wie zum Beispiel solche für ausgefallenen Schuhe, eine Tour durch die schönsten Altstadt-Beizen oder für ein Konzert. 

Der Vorteil dieser Methode: Die Opportunitätskosten werden greifbar. Wer am Montag beim T-Shirt nicht widerstehen kann, kriegt noch in derselben Woche mit voller Wucht die Opportunitätskosten zu spüren. Nämlich dann, wenn es am Freitagmorgen nicht mehr für den Cappuccino am Bahnhof reicht.

Mehr Tipps und unterhaltsame Anekdoten gibt es in diesem Buch:

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