Schweizerische Nationalbank
Harte Fakten im SECO-Bericht zur Personenfreizügigkeit
Staat und Gesellschaft
Studie
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Freitag, 11. August 2017

Neben einem Versuch, die Auswirkungen der Personenfreizügigkeit auf den Schweizer Arbeitsmarkt zu eruieren, enthält der neuste SECO-Bericht eine Reihe interessanter, harter Fakten.

Bild: wikimedia – Bin im Garten (CC)

Über die Auswirkungen der Zuwanderung auf den Schweizer Arbeitsmarkt gibt es eine Vielzahl unterschiedliche Meinungen und fast so viele wissenschaftliche Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen. Statt in diesem Dickicht an unterschiedlichen Methoden und Schätzergebnissen eine Auslegeordnung zu machen (dieser Versuch wurde unter anderem hier gemacht), trägt der vorliegende Artikel einige harte Fakten zur Zuwanderung in der Schweiz zusammen.

Der neuste SECO-Bericht über die Auswirkungen des freien Personenverkehrs auf den Arbeitsmarkt enthält neben einem Blick auf die besagten wissenschaftlichen Untersuchungen auch folgende interessante Zuwanderungsstatistiken und arbeitsmarktrelevante Fakten:

  • Im Jahre 2016 sind netto 56’300 Personen in die Schweiz zugewandert. Seit Einführung der Personenfreizügigkeit im Jahr 2002 liegt der durchschnittliche Wanderungssaldo bei etwas höheren 65'600 Personen. Die Rekordmarke von 90‘000 datiert von 2008.
  • Die durchschnittliche Nettozuwanderung in den 11 Jahren vor Einführung der Personenfreizügigkeit war mit 26'400 deutlich geringer. Damals fielen lediglich 2% der Nettozuwanderung auf die EU/EFTA-Staaten. Seit 2002 kommen fast zwei Drittel aus der EU. Die Einführung der Personenfreizügigkeit hat also zu tiefgreifenden Veränderungen im Zuwanderungsmix zugunsten der EU-Staaten geführt.
  • Auch innerhalb der Länder mit Personenfreizügigkeit gab es in den letzten Jahren gewichtige Verschiebungen bei den Herkunftsländern: Im Jahre 2008 entfiel noch 70% des Wanderungssaldos auf Nord- und Westeuropa, also auf Frankreich, Österreich sowie die EU-Staaten im Norden (vor allem Deutschland). 2016 hat sich diese Zahl auf 31% verringert, zugunsten osteuropäischer Länder wie Polen oder Tschechien. Hauptverantwortlich für diese Verschiebung ist der drastische Rückgang der Einwanderung aus Deutschland.
  • Die Zahl der Grenzgänger hat sich seit der Öffnung der Arbeitsmarktes im 2002 von rund 160'000 auf knapp 320'000 fast verdoppelt. Wenig überraschend arbeiten diese vorwiegend in den Grenzkantonen. Spitzenwerte verzeichnen das Tessin und der Kanton Genf, wo 28% bzw. 25% der Beschäftigen Grenzgänger sind. Schweizweit stammt gut die Hälfte aller Grenzgänger aus Frankreich.
  • Die Zuwanderung in die Schweiz leistet einen Beitrag an das Bevölkerungswachstum in Höhe von 0,8 Prozentpunkten. Mit 1,1 Prozentpunkten hat vor allem die Westschweiz ein starkes von der Zuwanderung getriebenes Bevölkerungswachstum.
  • 57% der Zuwanderer seit 2002 aus den EU/EFTA-Staaten haben einen tertiären Bildungsabschluss. In den 10 Jahren zuvor lag dieser Wert noch bei 27%.
  • Besonders hoch ist die Zuwanderung in Berufe am oberen und am unteren Ende des Qualifikations-spektrums. Dementsprechend schwingen die Berufsgruppen «Führungskräfte» und «Hilfsarbeitskräfte» oben auf, wo 15,9% bzw. 15% der Erwerbstätigen Zuwanderer im Rahmen der Personenfreizügigkeit sind.
  • Ausländer haben im Vergleich zu Schweizern im Durchschnitt eine leicht tiefere Erwerbsquote (83% gegenüber 84%) und eine höhere Erwerbslosenquote (gut 8% gegenüber knapp 4%). Bei der Erwerbsquote hat sich der Abstand in den letzten Jahren verkleinert.

Dies und zahlreiche weitere interessante Fakten und Grafiken finden sich im Bericht des SECO.

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