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Maturand analyisiert die europäische Währungsunion
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Maturand analyisiert die europäische Währungsunion
Sonntag, 28. Mai 2017

Der Gymnasiast Ruben Ernst befasste sich in seiner Maturaarbeit mit optimalen Währungsräumen. Im Interview mit iconomix erzählt er von seiner Motivation, den Herausforderungen und gibt Tipps für Lernende, die die Maturaarbeit noch vor sich haben.

Bild: iconomix

iconomix: Du besuchst die Kantonsschule Zürich Unterland im mathematisch-naturwissenschaftlichen Profil. Was waren deine Gründe für diese Wahl?
Ruben Ernst: Ich fand diese Fächer in der Unterstufe sehr interessant. Damals war Wirtschaft noch kein Unterrichtsfach und deshalb war es für mich kein Thema. Zudem hat das mathematisch-naturwissenschaftliche Profil den Ruf, sehr anspruchsvoll zu sein. Dieser Herausforderung wollte ich mich stellen. Im Gespräch mit Lehrern wurde mir bestätigt, dass Mathematik und Naturwissenschaften auch eine gute Grundlage für andere Studienfächer, wie z.B. die Wirtschaftswissenschaften, sind.

Wie verbringst du die Zeit ausserhalb der Schule?
Ich spiele gerne Tennis oder gehe ins Krafttraining. Ein weiteres Hobby ist die Informatik.

Im Sommer wirst du das Gymnasium abschliessen. Was sind deine Pläne für die Zeit danach?
Im Herbst habe ich vor, ein Praktikum zu absolvieren, am liebsten im Bereich Volkswirtschaft, aber ich bin auch offen gegenüber anderen Bereichen. Im Januar werde ich dann die Rekrutenschule beginnen. Danach möchte ich studieren. Ich habe mich aber noch nicht für ein Studienfach entschieden. Volkswirtschaft wäre eine Option oder etwas im Bereich Informatik.

Weshalb hast du dich dafür entschieden die Maturaarbeit über ein wirtschaftliches Thema zu schreiben?
Dafür gab es verschiedene Gründe. Einerseits interessiere ich mich für Wirtschaft und für Themen, bei denen man die Hintergründe erforschen kann. Andererseits war die Betreuungsperson ein wichtiger Faktor. Ich habe einen guten Draht zum Wirtschaftslehrer und konnte mir daher gut vorstellen, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Warum hast du das Thema «optimale Währungsräume» gewählt?
Die Wahl war ein Prozess, in dem ich verschiedene Themen, wie beispielsweise «Sharing Economy» oder die chinesische Wirtschaftskrise 2016, in Betracht zog. Im Gespräch mit meinem Lehrer und bei der Recherche hat sich dann das Thema Währungsräume durchgesetzt, da es sich gut für eine Maturaarbeit eignet. Bei der Wahl war mir auch ein Aktualitätsbezug wichtig. Ich wollte keine reine Theoriearbeit schreiben.

Welche Erkenntnisse hast du aus deiner Arbeit gewonnen?
Die Komplexität der Thematik wurde mir sehr schnell bewusst. Es gibt fast endlos viele Einflussfaktoren. Dies erschwert es einerseits, ein Modell zu erstellen, das die Realität so gut wie möglich abbildet. Andererseits macht diese Vielfalt an Faktoren das Thema auch besonders interessant.

Du hast für deine Arbeit mehrere Experten interviewt. Wie bist du auf diese Idee gekommen?
Bevor ich die Arbeit angefangen habe, habe ich mich gefragt, was ich damit erreichen möchte und was ich genau untersuchen will. Bei meinem Thema bot sich der theoretische Aspekt, mit Literatur als Hauptfokus, besonders gut an. Ich wollte die Theorie aber noch etwas auflockern mit Einsichten aus der Realität. Dafür fand ich Expertenmeinungen sehr geeignet.

Wie bist du bei der Suche nach Interviewpartnern vorgegangen?
Ich habe zuerst überlegt, wen ich zu diesem Thema überhaupt interviewen könnte. Mein erster Gedanke war es, VWL-Professoren zu befragen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Weil bei der Arbeit der Professoren die Theorie eine grosse Rolle spielt, wollte ich zusätzlich noch Leute befragen, die in der Praxis vom Thema Währungsunion betroffen sind.

Ich habe mehrere Universitäten und Unternehmen per E-Mail angeschrieben, ihnen meine Fragestellung geschildert und um ein Interview gebeten. Ich habe sehr viele Rückmeldungen bekommen, darunter natürlich auch viele Absagen. Jedoch habe ich genügend Leute gefunden, die sich die Zeit genommen haben, meine Fragen zu beantworten. Das hat mich positiv überrascht. Schlussendlich habe ich drei Interviews geführt, eines davon mit Dr. Carlos Lenz, Leiter Volkswirtschaft der Schweizerischen Nationalbank.

Du hast deine Interviewpartner gefragt, wie die Europäische Währungsunion ihrer Meinung nach in zehn Jahren aussehen wird. Was sagten die Experten?
Dazu gab es sehr unterschiedliche Meinungen. Aber der Grundton war, dass die Thematik so komplex ist, dass keine Prognose möglich ist, vor allem nicht für diesen Zeitraum. Schon eine Einschätzung für die nächsten 5 Jahre sei schwierig. Grundsätzlich wurde die politische Seite des Themas betont. Aus Sicht der EU will man gar nicht daran denken, diesen Währungsraum einfach so aufzulösen, das würde viel zu hohe Kosten verursachen.

Im Moment möchte man die EU als politische Union beibehalten und deshalb hält man auch an der monetären Union fest. Es ist aber sehr schwierig vorherzusagen, wie sich diese Einstellung entwickeln wird. Man hat auch keinen Präzedenzfall, an dem man sich orientieren könnte. Generell denken die Experten, dass die Europäische Währungsunion im gleichen Rahmen weitergeführt werden wird, aber vielleicht einzelne Länder den Währungsraum verlassen werden.

Welche Quellen hast du neben den Experteninterviews verwendet?
Die Informationen zum Thema habe ich hauptsächlich der Fachliteratur entnommen. Zu Beginn der Arbeit musste ich mich ins Thema monetäre Makroökonomie einarbeiten, um die grundsätzlichen Zusammenhänge etwas besser zu verstehen. Dafür habe ich vor allem Lehrbücher genutzt. Anschliessend habe ich viele wissenschaftliche Artikel über Währungsräume verwendet. Einerseits waren das Beschriebe der grundlegenden Theorien zu Währungsräumen und andererseits wurden auch ganz konkrete Aspekte des Themas behandelt.

Wie hast du das selbständige Arbeiten erlebt?
Die Betreuungsperson hat mir sehr viel Freiraum gegeben und mich unabhängig arbeiten lassen. Bei Fragen konnte ich mich immer an ihn wenden und er wies mich darauf hin, wenn sich die Arbeit in die falsche Richtung entwickelte. Ich habe diesen Freiraum in der Regel als sehr angenehm empfunden. Es war zwar einerseits manchmal herausfordernd und schwierig, aber andererseits meistens befreiend. Ausserdem war es auch eine gute Erfahrung, sich mit dem Schreibprozess auseinandersetzten zu müssen.

Was war für dich die grösste Herausforderung?
Das Thema herunterzubrechen und zu konkretisieren war für mich schwierig, weil «Währungsräume» ein sehr breites Gebiet ist. Zudem hatte ich nur ein beschränktes Vorwissen im Bereich Wirtschaft. Deshalb musste ich erst herausfinden, was im Rahmen der Maturaarbeit machbar war. Dafür habe ich mir viel Zeit genommen und auch einige Gespräche mit meinem Betreuer gehabt. Die schwierigste Phase war die Zeit, bis ich entschieden hatte, was die genaue Fragestellung sein sollte und wie die Arbeit aufgebaut sein würde.

Hast du Tipps für Lernende, die die Maturaarbeit noch vor sich haben?
Die Themenwahl ist wichtig, da man sich doch über einen ziemlich langen Zeitraum mit der Materie auseinandersetzt. Deshalb rate ich anderen, sich mit etwas zu befassen, das einen interessiert, auch wenn es ein sehr breites Gebiet umfasst. Ist man motiviert, kann man sich auch einem grossen Thema annehmen und versuchen, dort einen bestimmten Aspekt genauer zu behandeln.

Zudem waren für mich die Interviews sehr nützlich. Die Interviewpartner waren alle sehr entgegenkommend. Sie gingen detailliert auf meine Fragen ein und gaben mir Tipps, welche Aspekte für mein Thema auch interessant sein könnten. Das war extrem hilfreich, da man sich gerade zu Beginn der Arbeit mit der Thematik noch nicht so gut auskennt. Manchmal ist man auch so in Details vertieft, dass man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht.

Ist dir iconomix ein Begriff?
Ja, unser Lehrer hat einige der iconomix-Materialien eingesetzt, unter anderem diejenigen zu den Themen «Allmendegüter» und «Opportunitätskosten». Wir haben auch Spiele gespielt, wie zum Beispiel das «Pitgame».

Was kennzeichnet deiner Meinung nach einen guten Wirtschaftsunterricht?
Es ist wichtig einen guten Mix zu haben. Einerseits ist die Theorie wichtig, in der die wirtschaftlichen Zusammenhänge vermittelt werden. Andererseits sollte auch ein Realitätsbezug hergestellt werden. Dieser kann anhand von Beispielen aus dem Wirtschaftsalltag hergestellt werden. Guter Unterricht sollte auch durch Spiele und Experimente aufgelockert werden.

Was ist dabei die Rolle der Lehrperson?
Die Rolle der Lehrperson sehe ich vor allem darin, dass sie einen Bezug zum Thema herstellen kann. Es sollte nicht einfach nur Frontalunterricht gemacht werden, sondern die Schüler sollen in den Unterricht einbezogen werden. Es ist auch gut, wenn eine Lehrperson selbst einen Bezug zur Wirtschaft hat und vor oder neben dem Lehrberuf andere Arbeitserfahrungen gesammelt hat.

Dann kann der Unterricht durch Beispiele aus der Praxis ergänzt werden, was das Ganze viel interessanter macht. Eine Lehrperson sollte die Balance finden zwischen trockenem Frontalunterricht und anderen Elementen zur Auflockerung. Zudem spielt die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Lehrperson und Schülern eine wichtige Rolle.


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Für das iconomix-Team,
Valérie Müller und Florence Mauli

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