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Die Ökonomie der Superstars
Sonntag, 28. August 2016

Millionen von Franken verdienen Spitzenfussballer, Weltklassetennisspieler und Musikikonen. Lohntechnisch spielen Topmanager in derselben Liga. Erfahren Sie hier mehr über Spitzenverdiener und die Ökonomie der Superstars.

Hat ausgesorgt: Roger Federer spielt auch lohntechnisch in der obersten Liga. Bild: flickr – Tatiana (CC)

Die Enthüllungsplattform «Football Leaks» veröffentlicht seit November 2015 Dokumente aus dem Profifussball – gemäss SPIEGEL ist es das «grösste Datenleck in der Geschichte des Sports». Bekannt wurden so die Löhne, Transfersummen und Werbeverträge verschiedener Fussballstars. So soll beispielsweise der brasilianische Spieler Neymar für den Transfer zum FC Barcelona 8,5 Millionen Euro erhalten haben, jährlich 5 Millionen verdienen und bei Erfolg diverse Prämien kassieren, die NZZ berichtete.

Auch nationale Grössen, wie Granit Xhaka, verdienen sich eine goldene Nase. Gemäss Tages-Anzeiger verdient der Schweizer seit seinem Wechsel zu Arsenal 9 Millionen Franken im Jahr. Damit ist er zweieinhalbmal so teuer wie Xerdan Shaqiri oder Gökhan Inler. Noch besser geht es allerdings unserem Nationalhelden, Roger Federer. Gemäss Forbes wird das Einkommen des Tennisasses auf 68 Millionen Dollar pro Jahr geschätzt – wobei «nur» knapp 8 Millionen auf Preisgelder, jedoch ganze 60 Millionen auf Werbeverträge mit Nike und Co. zurückzuführen sind.

Granit Xhaka vs. Tidjane Thiam

Lohntechnisch spielen Spitzenmanager wie CS-Chef Tidjane Thiam und Stars wie Granit Xhaka in derselben Liga: Gemäss NZZ verdienen die CEOs der 30 grössten börsenkotierten Firmen in der Schweiz im Schnitt 6 Millionen Franken. Gemeinsam haben die Saläre der Superstars und jene der Topmanager dabei nicht nur die hohe Anzahl an Nullen und oft eine erfolgsabhängige Komponente, sondern auch ihr starkes Wachstum in den letzten Jahrzenten.

Doch während die steigenden Saläre der Manager kontrovers diskutiert werden, werden die immer höheren Spitzenlöhne von Fussballern und anderen Stars aus der Sport- und Unterhaltungsbranche kaum kritisiert.

So hat die Schweiz 2013 mit Annahme der Abzocker-Initiative ein Zeichen gegen die als unverhältnismässig empfundene Manager-Entlohnung gesetzt. Gleichzeitig fiebern aber jeweils Tausende Schweizerinnen und Schweizer mit dem millionenschweren Roger Federer mit, wenn er gegen einen anderen Spitzenverdiener, wie Murray oder Đoković, den Schläger schwingt. Die Schnittmenge zwischen Federer- und Minder-Anhänger und -Anhängerinnen ist dabei vermutlich beachtlich.

Erklärt werden kann diese Diskrepanz gemäss Sportsoziologen dadurch, dass der Erfolg von Spitzensportlern wie Roger Federer primär deren Talent und Einzelleistung zugeschrieben wird. Das Einkommen von CEOs hingegen wird zu einem grossen Teil von einer Belegschaft erarbeitet, die weitaus weniger verdient als ihr Chef. Ausserdem werden Spitzensportler – anders als Persönlichkeiten aus Finanz und Wirtschaft – häufig als Personen aus einer «anderen Dimension», mit der man sich und seinen Lohn gar nicht erst vergleicht, wahrgenommen.

Die Ökonomie der Superstars

Auch wenn die schwindelerregend hohen Löhne von Spitzenmanagern und jene der nicht in der Unternehmensführung tätigen Prominenz von der Öffentlichkeit unterschiedlich gewertet werden, unterliegen sie demselben Phänomen: so genannten «Winner-takes-all-Märkten». Auf gut Deutsch gesagt: Nur die besten machen richtig Kohle.

Der 2001 verstorbene, amerikanische Arbeitsmarktökonome Sherwin Rosen hat in seinem 1981 erschienenen Papier «The Economics of Superstars» Superstars als jene wenigen Menschen definiert, die in ihrem Tätigkeitsfeld dominieren und dabei übermässig viel Geld verdienen. «In gewissen Tätigkeitsfeldern wird der Output von einigen wenigen Personen erbracht. Entsprechend ungleich verteilt sind dort die Einkommen, wobei den Spitzenverdienern extrem hohe Saläre winken.», so Rosen.

Gemäss Rosen nimmt das Salär von Sportlern, Künstlern, Schriftstellern und Managern proportional mit dem eigenen Marktanteil zu. Zudem besteht dabei die Tendenz, dass die in einem Tätigkeitsfeld Talentiertesten einen überproportional hohen Marktanteil erreichen und infolgedessen übermässig viel verdienen. Entsprechend dieser Tendenz verdienen bereits geringfühgig untalentiertere Personen signifikant weniger.

Globalisierung und medialer Hebeleffekt

Dass die Spitzenlöhne dabei im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte rasant angestiegen sind, ist weitgehend auf die zunehmende Digitalisierung und Globalisierung zurückzuführen.

So ist ein Treiber der immer höheren Entschädigung von Topmanagern die immer stärkere länderübergreifende und durch technologischen Fortschritt begünstigte Vernetzung. Für Topkräfte ist die ganze Welt zu einem einzigen grossen Arbeitsmarkt geworden. Möchte ein Unternehmen den besten Manager anstellen, wird es ein auf dem globalen Arbeitsmarkt konkurrenzfähiges Gehalt bezahlen.

Bei den Profisportlern und sonstigen Superstars hat die Entwicklung moderner Medien dazu geführt, dass Spitzenleistungen mit geringen Zusatzkosten einem riesigen, länderübergreifenden Publikum gezeigt werden können. Konkret: Ob beispielsweise ein Wimbledon-Finale einer Million Menschen oder hundert Millionen gezeigt wird, ändert wenig am Aufwand für die TV-Produktion. Dank diesem «medialen Hebeleffekt» ist die Produktivität von talentierten Persönlichkeiten um ein Vielfaches höher als noch vor wenigen Jahrzehnten.


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Für das iconomix-Team,
Laura Felber

Dieser Beitrag enthält Passagen von «Warum Federer 64 Millionen im Jahr verdient» aus der iconomix-Zeitung «Lohnunterschiede».

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Kommentare

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Leandra Kellerhals - Roger Federer's Gehalt limitiert?

Als kleines Gedankenspiel kann man sich vorstellen, dass das Gehalt von Roger Federer, wie das bei Topmanagern bei Annahme der 1:12-Initiative gewesen wäre, ebenfalls limitiert wird. Dies wohl darum, weil die anderen Tennisspieler es unfair finden, dass er so viel verdient. Das klingt irgendwie absurd. Jedoch würden die weniger begabten Sportler, die teilweise gleich viel leisten, sich sicherlich ebenfalls über eine Umlage in ihre Tasche freuen. Gegen die Begrenzung eines Gehalts spricht, dass es schwierig ist zu beurteilen, wie viel die Arbeit eines Topmanagers wert ist. Möglicherweise ist die Verantwortung für unzählige Mitarbeiter, rund um die Uhr verfügbar zu sein sowie die Abnützung durch die strenge Arbeit gleich viel wert wie die Schläge von Roger Federer zum Grand Slam Sieg. Allerdings bleibt es für mich auch absurd, dass sich die Gehälter einzelner Personen sei es durch die Globalisierung oder gegenseitiges überbieten immer weiter hochschaukeln. Das kann für mich nicht das Ideal sein. Deshalb unterstütze ich es, dass die Politik diese Debatte führt und dem freien Markt auch mal Grenzen setzt.

30.08.2016 Antworten