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Kritik am BIP auf den Punkt gebracht
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Kritik am BIP auf den Punkt gebracht
Dienstag, 23. August 2016

Die Kritik am BIP als Wirtschaftsmass ist alles andere als neu. Eine berühmte Rede von Robert Kennedy bringt sie auf den Punkt.

Das Bruttonationalglück als Gegenstück zum Bruttonationalprodukt. Bild: Wikimedia

Das Bruttoinlandprodukt (BIP) misst den Geldwert aller Güter und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres in einem Land hergestellt wurden. Entsprechend dient es als international vergleichbares Mass für die Wirtschafsleistung eines Landes. Doch steht der 1938 ins Leben gerufene Wirtschaftsindikator bereits seit seiner Entstehung in der Kritik.

So erfasst das BIP die Wirtschaftsleistung eines Landes aus rein monetärer Sicht:  Alles, was über den Markt abgewickelt wird – sei es wohlfahrtsfördernd oder wohlfahrtsmindernd – wird im BIP aufsummiert. Transaktionen, die keinen Marktpreis haben, werden indessen aus der Messung ausgeschlossen.

Eine Zunahme des BIP bedeutet also nicht, dass unser Wohlbefinden auch zugenommen hat. Eine berühmte Rede von Robert Kennedy aus dem Jahr 1968, abgedruckt im Artikel der Handelszeitung vom 29.06.2016 «Robert Kennedy, der Froschkönig und das BIP», bringt es auf den Punkt:

«Zum Bruttosozialprodukt gehören auch Luftverschmutzung und Zigarettenwerbung und Rettungsfahrzeuge, die die Opfer von Verkehrsunfällen von unseren Highways abtransportieren, ausserdem Spezialschlösser für unsere Haustüren und Gefängnisse für Leute, die sie aufbrechen. Napalm gehört dazu und Atomsprengköpfe. Was für das Bruttosozialprodukt andererseits keine Rolle spielt, sind die Gesundheit unserer Kinder, die Qualität ihrer Erziehung, die Freude, die sie beim Spielen haben. Die Schönheit unserer Dichtung zählt nicht, es zählen nicht die Stabilität unserer Ehen, die Intelligenz unserer Debatten oder die Integrität unserer öffentlichen Beamten. Es zählen nicht unsere Klugheit und unser Mut, weder unsere Weisheit noch unsere Ausbildung, weder unser Mitgefühl noch die Liebe zu unserem Land, kurz: Es zählt alles ausser dem, was das Leben lebenswert macht. […]»  

Im heutigen Zeitalter der Digitalisierung lässt sich die Rede weiter ergänzen: So wird die Nutzung kostenloser Internetdienste wie Google oder Facebook im BIP ebenso wenig berücksichtigt – dies obwohl der gesteigerte Informationsaustausch übers Netz zu einem höheren Wissensstand führt und somit die Produktivität fördert.


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Für das iconomix-Team,
Josipa Markovic

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