Schweizerische Nationalbank
Stimmrecht ab Geburt
Finanzielle Grundbildung
()
151 Aufrufe
Stimmrecht ab Geburt
Dienstag, 05. Juli 2016

Spätestens seit dem Brexit-Entscheid werden Diskussionen zur politischen Stärkung der jungen Generation lauter – nicht nur in der UK, sondern auch in der Schweiz. Ein Vorschlag ist das Stimmrecht ab Geburt.

Bild: publicdomainpictures.net

Übermacht der Alten

Wir werden immer älter. Laut einer Studie von Avenir Suisse wird das Alter des statistischen Durchschnittswählers in der Schweiz bis ins Jahr 2035 auf über 60 Jahre ansteigen. Da Bürgerinnen und Bürger wohl primär gemäss den eigenen Interessen abstimmen, kann dies zum Problem werden – insbesondere bei Entscheiden mit langfristiger Wirkung. Von diesen sind junge Erwachsene und noch nicht volljährige Kinder am meisten betroffen – und nicht die Mehrheit der immer älter werdenden Stimmberechtigten.

Die Alterspyramide steht bei den Abstimmenden bald Kopf. Bild: Printscreen Tagesanzeiger.

Rentenreform und Brexit – zwei Beispiele

Insbesondere Diskussionen zur Rentenreform machen das Dilemma deutlich: Die Babyboomer – die im Parlament am besten vertretene Generation – werden nach und nach pensioniert und machen sich entsprechend für eine möglichst hohe Altersrente stark. Die Financiers der Rente – Kinder sowie die noch nicht geborene Generation – haben hingegen kein Mitspracherecht.

Dasselbe beim Brexit: Ganze 73 Prozent der 18- bis 24-Jährigen sprachen sich für den Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU aus. Mit 60 Prozent klar dagegen stimmten hingegen die über 65-Jährigen – die Generation also, die von den langfristigen Folgen des Austritts am wenigsten abbekommen dürfte.

Die Lösung: Stimmrecht ab Geburt?

Zur Lösung des Problems stellt Monika Bütler, Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen, eine radikale Idee vor: Das Stimmrecht ab Geburt. Natürlich könne ein Kind dieses Recht nicht von Geburt an selbst ausüben. Man könne aber stellvertretend den Eltern – die laut einer Analyse von Abstimmungsergebnissen ohnehin bereits die Interessen ihrer Kinder berücksichtigen – mehr Stimmkompetenzen zugestehen.

Der unkonventionelle Vorschlag hat seine Tücken. Obschon der Ansatz in Bezug auf die Problematik der alternden Gesellschaft wirkungsvoll sei, würden damit die Interessen der Familienpolitik überproportional gestärkt werden, so Lukas Rühli von Avenir Suisse in einem Interview mit dem Tages Anzeiger.

Alternativ schlägt Rühli vor, das Stimmrechtsalter zumindest zu reduzieren, auf beispielsweise 16 Jahre – wie dies in Österreich bereits der Fall ist. Die Wirkung dieser Massnahme dürfte laut Rühli aber eher gering sein: Einerseits fehle es den Jugendlichen bei vielen politischen Themen an persönlicher Betroffenheit. Andererseits sei die tiefe Stimmbeteiligung auch auf eine ungenügende politische Bildung zurückzuführen.


Zum Thema:


Für das iconomix-Team,
Josipa Markovic

× Vielen Dank für Ihren Kommentar. Er wurde erfolgreich zur Überprüfung übermittelt.

Kommentare

Anzahl verbleibender Zeichen: 800
captcha

Diese Seite wurde noch nicht kommentiert.

Verfassen Sie den ersten Kommentar.