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Steuern in der Schweiz
Freitag, 06. Dezember 2013

Die Schweiz ist punkto Steuerbelastung ein attraktives Land. Warum ist das so? Welche Rolle spielt dabei der Steuerföderalismus? Ein Forschungsprojekt verspricht Antworten.

Die Steuerbelastung ist in der Schweiz sehr unterschiedlich. (Bild: ESTV)

Im Ausland wird die Schweiz oft als Steueroase bezeichnet. Dieser negativ behaftete Begriff meint die Tatsache, dass die Steuerbelastung in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern tief ist.

Doch Schweiz ist nicht gleich Schweiz. Schaut man genauer hin, erkennt man grosse Unterschiede zwischen und innerhalb der Kantone. So liegen Welten zwischen Nidwalden, das als steuergünstig gilt, und dem Kanton Jura.

Grund für diese innerschweizerischen Unterschiede ist der Fiskalföderalismus. Einfach ausgedrückt bedeutet Fiskalföderalismus, dass die Kantone und Gemeinden sehr viele Freiheiten bei den öffentlichen Finanzen haben, also sowohl die Steuersätze wie auch die Verwendung der Steuergelder selbst festlegen können.

«Labor Schweiz»

Welche Folgen hat diese Freiheit? Ein Gruppe von Wisschenschaftlern aus Schweizer Universitäten machte sich vor drei Jahren daran, Daten aus allen 26 Kantonen und 2‘500 Gemeinden aufzubereiten. Das Nationalfondsprojekt hatte zum Ziel, die Grundlagen und Folgen des Fiskalföderalismus in der Schweiz zu untersuchen.

Leben die Leute mit den höchsten Einkommen tatsächlich da, wo die Steuern am tiefsten sind? Wo liegen die Vor- und Nachteile des Steuerwettbewerbs zwischen den Kantonen? Gleichen sich die Steuersätze in der Schweiz eher an oder gehen sie auseinander?

Zugute kommt den Wisschenschaftlern bei ihrer Untersuchung, dass sich die Schweizer Kantone in vielerlei Hinsicht nur geringfügig voneinander unterscheiden. Damit stellen sie ein ideales «Versuchslabor» dar.

Ein Beispiel: Die folgende Grafik zeigt, wie sich die Kantone Freiburg und Neuenburg seit 1996 bezüglich Steuerbelastung auseinanderbewegt haben. Da die beiden Kantone grundsätzlich ähnliche Eigenschaften aufweisen, ist für die Wissenschaftler ein Vergleich interessant. Der Effekt von unterschiedlichen Steuersätzen kann sozusagen isoliert, das heisst unter Kontrolle aller anderen Faktoren, beobachtet werden.

Entwicklung der kantonalen Steuersätze auf die höchsten Einkommen von 1996 bis 2011. (Bild: Fiscal Federalism)

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Um die Daten, die im Rahmen des Projekts bereits aufbereitet wurden, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde vor kurzem die Website www.fiscalfederalism.ch aufgeschaltet.

Herzstück der Seite ist eine interaktive Grafik im Stil von Gapminder. Leider ist die Website zur Zeit nur in Englisch und die interaktive Grafik nur in Deutsch verfügbar. Ausserdem ist die Grafik Flash-basiert, das heisst sie wird nicht auf allen Endgeräten angezeigt. Da das Projekt aber kürzlich um weitere drei Jahre verlängert worden ist, darf man diesbezüglich auf Verbesserungen hoffen.

Mit der Steuerlandschaft der Schweiz beschäftigt sich auch BAK Basel Economics. Der BAK Taxation Index zeigt, welche Standorte im internationalen Steuerwettbewerb über gute Karten verfügen. Diese ebenfalls interaktive Informationsplattform bietet die Möglichkeit, die steuerliche Standortattraktivität von 19 Schweizer Kantonen und über 60 internationalen Standorten zu vergleichen.

Ergänzt wird der BAK Taxation Index mit einer Einschätzung der Nachhaltigkeit der Finanzpolitik der Kantone und Länder. Nachhaltigkeit meint hier die Fähigkeit, seine Schulden langfristig bedienen zu können, ohne dabei auf Steuererhöhungen angewiesen zu sein.

Die Nachhaltigkeit ist deshalb wichtig, weil gerade für Unternehmen nicht nur die aktuellen Steuersätze entscheidend sind, sondern auch die zukünftigen. Die Schweizerische Eidgenossenschaft (das heisst der «Bund») und die meisten Schweizer Kantone haben laut BAK Basel Economics nachhaltige öffentliche Finanzen.

Das macht die Schweiz zwar nicht zur Oase, doch internationale Spitze ist sie allemal.

Lesen Sie auch: Gapminder: Spass an Statistik

Zum Thema:

  • Eidgenössische Steuerverwaltung. «Tax Freedom Days». Bis zu welchem Tag im Jahr müssen Sie arbeiten, um die Steuern zu zahlen? (07.02.2013)
  • iconomix-Baustein: Flat Rate Tax

Für das iconomix-Team
Arno Gartmann

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