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Die heimlichen Weltmeister
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Die heimlichen Weltmeister
Montag, 01. Juli 2013

Niemand kennt sie. Doch auf dem Weltmarkt sind sie führend. Über 100 Schweizer Firmen sind «Hidden Champions». Weshalb sind diese Firmen aus der Provinz so erfolgreich?

Selbst in Peking finden sich Kaffeemaschinen aus Weggis. (Bild: Wikipedia)

Thermoplan, schon mal gehört? Wohl kaum. Doch wer in New York oder Shanghai einen Kaffee bei Starbucks schlürft, tut dies nicht ohne Mitwirkung dieser kleinen Firma aus Weggis am Vierwaldstättersee. Thermoplan stellt seit 1999 Kaffeemaschinen für alle Starbucks-Filialen her.

Der Wirtschaftsprofessor und Unternehmensberater Hermann Simon untersucht die Welt der «Hidden Champions». Dies sind mittelständische Unternehmen, die der Öffentlichkeit kaum bekannt sind, aber dennoch äusserst erfolgreich wirtschaften. Man findet sie nicht in der grossen Stadt, sondern irgendwo in der Provinz.

Was zeichnet Hidden Champions aus? Hermann Simon nennt drei Kriterien:

  • Sie sind in der Öffentlichkeit kaum bekannt
  • Sie gehören zu den Top 3 auf dem Weltmarkt oder sind die Nummer 1 auf dem Heimatkontinent
  • Ihr Jahresumsatz liegt i.d.R. unter 3 Milliarden Euro

Weshalb haben diese kleinen, unbekannten Unternehmen teilweise Marktanteile, von denen grosse nicht einmal zu träumen wagen?

Motiviert in der Nische

Hidden Champions sind meist Ein-Produkt-Unternehmen. Sie sind hochspezialisiert und haben dementsprechend hohe Kompetenzen in einem Bereich. Sie stellen Produkte in einer Qualität oder Ausführung her, wie es sonst niemand tut. In einer gewissen Nische sind sie für viele Kunden nahezu unersetzlich.

Die mit der Globalisierung einhergehende Erschliessung fremder Märkte ist für Hidden Champions essentiell. Die Anzahl der Abnehmer von spezifischen Produkten ist naturgemäss klein. Deren Hersteller sind daher gezwungen ihr Absatzgebiet so weit wie möglich zu vergrössern. Hidden Champions vertreiben daher ihre Produkte auf der ganzen Welt, oder zumindest auf einem ganzen Kontinent.

Neben der Nischenstrategie ist die Personalpolitik ein Erfolgsfaktor. Wenige Krankheitstage sowie eine geringe Mitarbeiterfluktuation zeugen von motivierten Mitarbeitenden.

Zwar herrscht in Bezug auf die Qualitätsrichtlinien eine strenge Führung, trotzdem geniessen die Mitarbeitenden insgesamt grössere Freiheiten. Im Gegensatz zu grossen Unternehmen ist bei den Hidden Champions weniger geregelt. Mitarbeiter müssen sich nicht zwingend an starre und (vielleicht) ineffiziente Prozessrichtlinien halten.

Eine flache Hierarchie und der persönliche Kontakt zur Unternehmensleitung ermöglichen es zudem Probleme früher zu erkennen und schneller darauf zu reagieren: Kurskorrekturen auf einem Motorboot sind einfacher, als auf einem grossen Dampfer.

Selbst während der Wirtschaftskrise wurde selten Personal entlassen. Gemäss Simon ist dies ein Grund dafür, dass die Unternehmen nach der Krise vergleichsweise gut dastanden. Durch das «Durchfüttern» der Mitarbeitenden blieb das Know-How im Haus. Ausserdem konnten die Unternehmungen so ein Zeichen der Loyalität gegenüber den Mitarbeitenden setzen.

Erfolgreiche Produkte ziehen Nachahmer mit sich. Doch auch dagegen sind Hidden Champions relativ gut gewappnet. Neben dem Fakt, dass Hidden Champions als «Patent-Profis» gelten, funktioniert auch die Geheimhaltung sehr gut. Dazu trägt die Loyalität und die Übersichtlichkeit des Betriebes bei.

Eine Herausforderung kann es jedoch sein, gutes Personal in abgelegenen Gebieten zu rekrutieren. Doch Talente gibt es überall, ist Hermann Simon überzeugt.

Man spricht Deutsch

In Deutschland, Österreich und der Schweiz hat es auffallend viele Hidden Champions. Woran das liegt? Das deutschsprachige Gebiet war – im Gegensatz zu Frankreich – lange Zeit eine Sammlung von Kleinstaaten. Viele Firmen waren also schon seit je her gezwungen, über die Grenzen hinaus zu denken. Der Drang zur Internationalisierung steckt den deutschsprachigen Unternehmern quasi im Blut.

Ein andere Erklärung mag in der Uhrenindustrie liegen. Diese war vor allem in der Schweiz und dem Schwarzwaldgebiet ansässig. Damit verbunden war ein hohes Qualitätsbewusstsein und feinmechanische Kompetenzen. Dieses Know-How kann heute von hochspezialisierten Unternehmen in der Medizintechnik verwendet werden – und dies sind typischerweise mittelständische Unternehmen.

Ebenso wichtig für den Erfolg der Hidden Champions ist eine gute Fachkraftausbildung. Das duale Bildungssystem, wie es in Deutschland und der Schweiz vorkommt, hilft fähiges Personal für die Umsetzung innovativer Ideen zu finden. Daneben leisten auch andere Faktoren, wie ein unternehmensfreundliches Klima und eine generell hohe Innovationskraft einen Beitrag zur hohen Dichte an Hidden Champions bei uns.

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Für das iconomix-Team
Patrick Keller

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