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Bank Run in Zypern?
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Bank Run in Zypern?
Donnerstag, 21. März 2013

Mit der Idee einer Zwangsabgabe für alle Bankkunden in Zypern, könnte ein wirkungsvolles Instrument gegen Bank Runs geschwächt sein. Wie ein Bank Run entsteht und wie man ihn verhindern kann.

Bild: Wikipedia

Um eine Staatspleite zu verhindern, hat Zyperns Regierung die anderen EU-Staaten um ein Hilfspacket gebeten. Die ursprüngliche Idee, die Bankkunden in Zypern mit einer Zwangsabgabe daran zu beteiligen, ist aber gefährlich.

Das Parlament in Zypern hat der Zwangsabgabe zwar nicht zugestimmt. Dennoch hat schon alleine die Idee, eine Zwangsabgaben auf den Vermögen der Bankkunden zu fordern, für Aufruhr gesorgt. Die Erkenntnis, dass der Staat nicht davor zurückschreckt, die Bankkonten der Kunden anzutasten, schürt Verunsicherung.

Viele Bankkunden in Zypern – aber auch in anderen EU-Ländern – fragen sich nun, ob ihr Geld auf einer Bank noch sicher ist: Wenn der Staat einfach Geld vom Bankkonto beschlagnahmen kann, ist es dann nicht sicherer, das Geld vom Konto abzuheben und unter der Matratze zu verstecken?

Wenn viele Kunden panikartig ihre Einlagen abziehen wollen, kann das zum Zusammenbruch einer Bank führen. Weil Menschen dann buchstäblich zur Bank rennen um ihr Geld vom Konto abzuheben, spricht man von einem Bank Run.

Weshalb kann eine Bank zusammenbrechen, wenn viele Kunden auf einmal ihr Geld abheben wollen?

Die Antwort liegt in der Kernfunktion von Banken: der Fristentransformation. Bankkunden bringen ihr Geld zur Bank. Die Bank gibt das Geld in Form von Krediten weiter. Die Bankkunden können ihr Geld jederzeit wieder vom Konto abheben. Es ist nur kurzfristig gebunden.

Die Bank ihrerseits verleiht aber langfristige Kredite, wie z.B. Hypotheken oder Firmenkredite. Sie kann das tun, weil sie davon ausgehen kann, dass im Normalfall nicht alle Bankkunden gleichzeitig ihr Geld zurückwollen.

Wenn die Kunden aber aus irgendeinem Grund denken, dass ihr Geld bei der Bank nicht mehr sicher sei, wollen sie es zurück haben. Die Bank hat aber gar nicht genügend flüssiges Geld um alle Bankkunden zu bedienen, weil ja ein grosser Teil des Geldes in den langfristigen Krediten steckt.

Kann die Bank nicht alle Kunden bedienen, wird sie zahlungsunfähig. Schon Gerüchte über die Zahlungsunfähigkeit einer Bank können zu einem Bank Run führen. Und weil ein Bank Run wiederum verursachen kann, dass eine Bank wirklich zahlungsunfähig wird, spricht man auch von einer selbsterfüllenden Prophezeiung

Wird eine Bank zahlungsunfähig, so hat dies auch Auswirkungen auf andere Banken. Banken sind untereinander stark verbunden. Die Insolvenz einer Bank kann die Stabilität des ganzen Finanzsystems gefährden – und dies kann wiederum negative Auswirkungen auf das gesamte Wirtschaftssystem haben.

Um dies zu verhindern – oder zumindest die Wahrscheinlichkeit zu verringern – gibt es Einlagesicherungen. Der Staat oder eine andere Organisation garantieren den Bankkunden ein gewisses Guthaben – auch im Falle des Konkurs einer Bank. In der EU sind Einlagen bis 100‘000 Euro geschützt, in der Schweiz bis 100‘000 Franken.

Das Vermögen der Bankkunden ist so mindestens teilweise geschützt. Die Kunden werden bei Unsicherheit über die Zukunft einer Bank nicht mehr panikartig ihr Geld abheben. Die Gefahr eines Bank Run kann mit einer Einlagesicherung verringert werden.

Zurück zu Zypern: Mit der Idee einer staatlichen Zwangsabgabe auf allen Bankkonten in Zypern – auch für Vermögen im garantierten 100‘000 Euro Bereich – hat die Einlagesicherung an Vertrauen verloren. Dadurch könnte ein wirkungsvolles Instrument gegen die Gefahr eines Bank Run geschwächt sein. Es bleibt abzuwarten, inwiefern dies auch Auswirkungen auf die Stabilität der Eurozone hat.

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Für das iconomix-Team
Patrick Keller

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