Schweizerische Nationalbank

Klimawandel: Marktwirtschaftliche Instrumente

Aufgabenset
    1. 1)
    1. a)

      Lesen Sie zuerst die Teilaufgaben b) und c) und schauen Sie erst dann den ersten Abschnitt des Videos «CO2-Lenkungsabgabe in der Schweiz».

    1. b)

      Gehen Sie davon aus, dass ein Liter Benzin rund 1.80 Franken in der Schweiz kostet (Stand 16.07.2021). Kreuzen Sie Ihre Einschätzung an.

      Finden Sie einen Benzinpreis von CHF 1.80...

    1. c)

      Begründen Sie Ihre Einschätzung mit mindestens drei Sätzen. Wieso finden Sie den Benzinpreis zu tief, zu hoch oder angemessen? Diskutieren Sie Ihre Einschätzung anschliessend mit Ihrer Pultnachbarin.


    1. 2)

      Externe Effekte (Marktversagen)

      Das nachfolgende Angebots- und Nachfragediagramm stellt den Markt für Zement dar, dessen Produktion mit erheblichen CO2-Emissionen verbunden ist. Das Marktgleichgewicht wird durch den Gleichgewichtspreis pm und die entsprechende Menge qm bestimmt. Ohne staatliche Intervention muss das Zementwerk diejenigen Kosten, die aufgrund der CO2-Emissionen für die Gesellschaft entstehen, nicht selber tragen. Deshalb berücksichtigt es bei seinen Produktionsentscheiden diese externen Kosten nicht. Das dargestellte Angebots- und Nachfragediagramm bildet also nur diejenigen Produktionskosten ab, die vom Zementwerk selber getragen werden. In diesem Fall spricht man von Marktversagen, da die gleichgewichtige Menge nicht der gesellschaftlich optimalen Menge entspricht.

    1. a)

      Grafische Analyse

      Nachfolgende Abbildung zeigt, wie die externen Kosten im Angebots- und Nachfragediagramm durch eine Verschiebung der Angebotskurve abgebildet werden können. Erklären Sie, warum sich die Angebotskurve durch die Internalisierung der externen Kosten nach oben verschiebt, und interpretieren Sie die Veränderung des Preises p* und der Menge q*.

    1. b)

      Berechnung von Marktpreis und Marktmenge

      Nehmen Sie an, die Nachfragekurve sei durch folgende Funktion beschrieben:

      P = 10 – M

      Die Angebotskurve sei durch folgende Funktion beschrieben:

      P = 1 + 0,5 M

    1. c)

      Brechnen Sie das Marktgleichgewicht, also den Preis und die Menge.

    1. d)

      Unterstellen Sie, dass pro Mengeneinheit produzierten Zement eine CO2-Abgabe in der Höhe von 3 eingeführt wird. Dies mit dem Ziel, die externen Kosten zu internalisieren. Die Anbieter müssen diese Abgabe für jede produzierte Einheit an den Staat abliefern.

      Berechnen Sie für diese neue Ausgangslage das Marktgleichgewicht, also den Preis und die Menge.

    1. e)

      Interpretieren Sie die Ergebnisse aus den Teilaufgaben c) und d). Stimmen die Höhe der in Teilaufgabe d) eingeführten CO2-Abgabe und die Preiserhöhung zwischen Teilaufgabe c) und d) überein? Warum bzw. warum nicht?

    1. f)

      Ist folgende Aussage korrekt?

      «Es käme in diesem Beispiel auf dasselbe raus, wenn der Staat die Gesamtmenge auf 4 beschränken und auf eine CO2-Abgabe verzichten würde.»

    1. g)

      Nehmen Sie Stellung zu folgenden Aussagen

      1. «CO2-Emissionen erwärmen das Klima, was mit erheblichen externen Effekten und damit gesellschaftlichen Kosten verbunden ist. Deshalb gilt: Je höher die CO2-Abgabe, desto stärker reduzieren sich die CO2-Emissionen und desto effizienter ist das Marktergebnis.»

      2. «Durch die Installation einer Solarthermieanlage auf meinem Dach kann ich meinen Bedarf an Warmwasser zu 50% decken, womit ich weniger Brennstoffe aus nicht erneuerbaren Quellen wie bspw. Heizöl oder Erdgas nachfrage. Eine Solarthermieanlage hat deshalb einen positiven externen Effekt, weshalb der Staat Solarthermieanlagen subventionieren soll.»

    1. h)

      Positive vs. negative externe Effekte

      Wir sprechen im Zusammenhang mit dem Klimawandel meistens von negativen externen Effekten. Fallen Ihnen – losgelöst vom Klimawandel – Beispiele für positive externe Effekte ein? Notieren Sie, wie der Staat in diesem Fall das Marktversagen beheben kann.


    1. 3)

      Marktwirtschaftliche Instrumente

    1. a)

      Schauen Sie das Video «CO2-Lenkungsabgabe in der Schweiz» zu Ende an.

    1. b)
    1. Das oben stehende Schema verdeutlicht den Mechanismus einer CO2-Lenkungsabgabe. Ordnen Sie gemäss den Informationen im Video die Begriffe den passenden Nummern zu.

      A
      CO2-Lenkungsabgabe
      B
      Verbrauch fossiler Brennstoffe
      C
      Rückverteilung
      D
      Klimafonds
       
      1
       
      2
       
      3
       
      4
    1. c)

      Füllen Sie den Lückentext zur Lenkungsabgabe mit folgenden Begriffen aus.

      optimale / Abgabesatzes / Grenzkosten / externen Kosten / gesamten Kosten / mehr / CO2-Abgabe

      Bei der Lenkungsabgabe auf CO2-Emissionen hängt die Wirkung von der Höhe des ab. Je höher der Satz, desto werden die CO2-Emissionen reduziert. Die Wirtschaftsakteure werden so viel CO2-Emissionen einsparen, bis die der Reduktion der CO2-Emissionen gleich hoch sind wie die . Optimalerweise entspricht die Höhe des Abgabesatzes pro Tonne CO2-Äquivalent den , die durch die Emission einer Tonne CO2-Äquivalent entstehen. In diesem Fall müssen die Wirtschaftsakteure die ihrer Entscheide selber tragen. Somit resultiert die gesellschaftlich Menge an CO2-Emissionen. Wenn man eine CO2-Abgabe einführt, dann weiss man im Vornhinein nicht, um wie viel dies die Emissionen reduzieren wird.

    1. d)

      Im Video gibt Energieexperte Felix Nipkow zu bedenken, dass in der Diskussion um die CO2-Lenkungsabgabe der Fokus einseitig auf den Abgaben und nicht auf der Rückverteilung liegt. Weiter wird oft argumentiert, dass ein (höherer) Preis für CO2 vor allem niedrige und mittlere Einkommensschichten überproportional belastet. Ist dem wirklich so? Füllen Sie den Lückentext mit dem Begriffspaar «mehr» oder «weniger» aus.

      Wenn eine CO2-Abgabe eingeführt wird und die gesamten Einnahmen pro Kopf an die Bevölkerung rückverteilt werden, dann haben Personen mit CO2-Emissionen als der Durchschnitt unter dem Strich Geld in der Tasche. Umgekehrt bezahlen Personen mit überdurchschnittlichen CO2-Emissionen an CO2-Abgaben, als sie rückvergütet bekommen. In der Regel verursachen einkommensstarke Personen CO2-Emissionen als einkommensschwache. Hauptgrund dafür ist, dass Personen mit niedrigen Einkommen auch konsumieren können. Wenn die CO2-Abgabe also vollständig pro Kopf rückerstattet wird, dann haben die unteren Einkommensschichten durch das System netto Geld in der Tasche und die oberen Einkommensschichten .

    1. e)

      Schauen Sie das Video «Emissionshandel» des deutschen Umweltbundesamts an.

      Hinweis: Seit Januar 2020 ist das Schweizer mit dem europäischen Emissionshandelssystem gekoppelt. Das heisst, die Zertifikate aus beiden Handelssystemen werden gegenseitig anerkannt.

    1. f)

      Nachdem Sie das Video gesehen haben, füllen Sie den Lückentext zum Emissionshandel mit folgenden Begriffen aus.

      Grenzkosten / gehandelt / tiefe / hohe / Preis / Obergrenze

      Beim Emissionshandelssystem (EHS) wird die Gesamtmenge an Emissionen von CO2-Äquivalenten durch eine (cap) gedeckelt. Die Emissionsrechte können (trade) werden. Die Emittenten kaufen bzw. verkaufen so lange Emissionsrechte, bis die der Reduktion der CO2-Emissionen dem Preis des Emissionsrechts entsprechen. Dadurch werden sie von denjenigen CO2-Emittenten gekauft, die Kosten der Emissionsreduktion haben, und von denjenigen verkauft, die Kosten haben. Wenn man ein EHS einführt, dann weiss man im Vornhinein nicht, welcher sich pro Emissionszertifikat einstellen wird.

    1. g)

      Vervollständigen Sie nachfolgende zwei Sätze, indem Sie Ihre Schlussfolgerungen aus den Teilaufgaben c) und f) ziehen.

      Wenn Sie als politische Entscheidungsträgerin wissen, …

      • … wie hoch die Kosten aus externen Effekten pro Tonne CO2-Emission sind, dann ist das passende Instrument .
      • … um wie viel Sie die Emissionen reduzieren müssen, um ein gegebenes Klimaziel zu erreichen, dann ist das passende Instrument .

    1. 4)

      Vor- und Nachteile von Lenkungsabgabe und Emissionshandel

      In diesem Auftrag geht es nicht um eine statische Betrachtung (Momentaufnahme), sondern um eine dynamische (über die Zeit). Also darum, was mit dem Preis für ein Emissionszertifikat und der Gesamtmenge an CO2-Emissionen passiert, wenn sich die äusseren Umstände ändern.

      Treffen Sie folgende Annahmen:

      • Die Obergrenze (cap) im Emissionshandel ist zu jedem Zeitpunkt bindend (das heisst, ohne Emissionshandel würden mehr CO2-Äquivalente emittiert als mit Emissionshandel).
      • Ausser dem in den Aufgaben beschriebenen Effekt ändert sich nichts (ceteris paribus).
         
    1. a)

      Was ist in einem Emissionshandelssystem (EHS) zu erwarten, wenn eine Technologie entwickelt wird, die emissionsärmere Produktionsprozesse bei gleichen Produktionskosten ermöglicht? Kreuzen Sie an.

    1. b)

      Was ist in einer solchen Situation in einem System mit einer CO2-Lenkungsabgabe zu erwarten? Kreuzen Sie an.

    1. c)

      Was ist in einem EHS zu erwarten, wenn die Obergrenze reduziert wird? Kreuzen Sie an.
       

    1. d)

      Was ist in einem EHS zu erwarten, wenn sich die Einstellung zur Umwelt ändert und die Menschen weniger umweltfreundlich werden, d.h. weniger Wert darauf legen, dass der Konsum, die Gebäude oder die Mobilität ökologisch nachhaltig sind? Kreuzen Sie an.
       

    1. e)

      Was ist in einer solchen Situation in einem System mit CO2-Abgabe zu erwarten?

    1. f)

      Die folgenden Angebots- und Nachfragediagramme stellen den Markt für Emissionszertifikate dar. Es sind also das Angebot an und die Nachfrage nach Emissionszertifikaten abgebildet. Ordnen Sie drei der nachfolgenden vier Angebots- und Nachfragediagramme den in den Teilaufgaben a), c) und d) beschriebenen Situationen zu (ein Diagramm wird nicht benötigt).

    1. Grafik 1

      Grafik 2

    1. Grafik 3

      Grafik 4

    1. A
      Teilaufgabe a)
      B
      Teilaufgabe c)
      C
      Teilaufgabe d)
      D
      übrig
       
      Grafik 1
       
      Grafik 2
       
      Grafik 3
       
      Grafik 4

    1. 5)
    1. Bonusauftrag: Unterschiede EHS vs. CO2-Abgabe

      Theoretisch sind das Emissionshandelssystem (EHS) und die CO2-Lenkungsabgabe gleichwertig. Sie können also die CO2-Abgabe so hoch ansetzen, dass sie die Emissionen gleich stark reduziert wie eine gegebene Obergrenze im Rahmen des EHS. Der Preis für ein Emissionszertifikat im EHS entspricht in diesem Fall der Höhe der CO2-Abgabe.

      In der Praxis gibt es aber Gründe, die für das eine oder andere System sprechen. Nennen Sie praktische oder politische Gründe, die für das EHS bzw. für die CO2-Abgabe sprechen. Denken Sie hierbei an die Durchsetzbarkeit, die Transparenz der Kosten bzw. der Rückverteilung, die Marktgrösse, die politische Machbarkeit und die Zeitdimension (statisch vs. dynamisch).

      Tipp: Der Auftrag 4 liefert Ihnen Hinweise. Recherchieren Sie, falls nötig, unter folgendem Link weiter.


    1. 6)

      Mittelverwendung

      Die Einnahmen aus einer CO2-Abgabe oder den Einnahmen aus der Versteigerung der Emissionszertifikate können im Wesentlichen auf drei Arten verwendet werden.

      1. Finanzierung ökologischer Investitionen (Sanierung von Gebäuden, Forschung an umweltfreundlichen Fahrzeugen oder Produktionsprozessen etc.). Dies kann z. B. über einen Klimafonds geschehen.
      2. Senkung von anderen Steuern (z. B. Einkommens- oder Mehrwertsteuern).
      3. Rückverteilung an die Bevölkerung. Anbieten würde sich eine Rückverteilung pro Kopf.
       

    1. a)

      Was ist Ihrer Meinung nach die beste Art, die Einnahmen zu verwenden? Füllen Sie folgende Tabelle aus, indem Sie eintragen, zu wie viel Prozent Sie die Einnahmen für die drei Verwendungszwecke einsetzen möchten. Selbstverständlich dürfen Sie auch die gesamten Einnahmen nur einem Verwendungszweck zuführen. Begründen Sie Ihre Wahl.

      Verwendungsart Anteil
      1. Klimafonds
      2. Steuersenkung (z. B. MWST)
      3. Rückverteilung pro Kopf

    1. b)

      Wie beurteilen Sie die von Ihnen gewählten Argumente zur Begründung Ihrer Wahl? Sind dies eher theoretisch ökonomische Argumente oder eher politische Argumente?


    1. 7)
    1. Sie haben nun marktwirtschaftliche Instrumente kennengelernt, die darauf abzielen, die externen Kosten von CO2-Emissionen zu internalisieren.

      Was ist nun Ihre Meinung zur Höhe des Benzinpreises? Vergleichen Sie mit Ihrer Antwort zu Auftrag 1. Finden Sie immer noch, der Benzinpreis ist zu tief, zu hoch oder angemessen, oder hat sich Ihre Meinung geändert? Kreuzen Sie an und begründen Sie Ihre Meinung.