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Die griechische Tragödie des 21. Jahrhunderts
Ein Artikel in der Financial Times hat kürzlich für Aufsehen gesorgt. Darin wird die aktuelle Situation Griechenlands mit der schweren Währungskrise Argentiniens Ende der 90er Jahre verglichen.[1]
Alles begann mit dem Wunsch Griechenlands, die wirtschaftspolitische Disziplin der Euroländer zu importieren. Nachdem der chronisch verschwenderische Staat die Konvergenzkriterien[2] für eine Mitgliedschaft in der europäischen Währungsunion bei der Einführung des Euro 1999 noch verfehlte, erreichte er sein Ziel 2001 dank kreativer Buchhaltung. Der Euro löste die griechische Drachme ab.
Der zweite Schritt auf dem Weg in den Ruin folgte, als Griechenland nicht fähig war, eine Politik zu betreiben, die mit den Stabilitätskriterien der Währungsunion vereinbar war. Anstatt die wirtschaftspolitische Disziplin der anderen Euroländer zu übernehmen, lag das Staatsdefizit Griechenlands stets über den geforderten 3% – selbst in wirtschaftlich guten Zeiten.
Neben dem stark anwachsenden Haushaltsdefizit verschärften die unangemessen tiefe Zinssätze, die im Rahmen der Währungsunion von der Eurozone importiert werden konnten, das Problem Griechenlands zusätzlich. Auf Grund anhaltend höherer Inflationsraten verringerte sich die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelmeerlandes kontinuierlich, was zu grossen Ungleichgewichten in der Handelsbilanz führte.
Somit steht der griechische Staat nun wie der Protagonist in der griechischen Tragödie vor der grossen «Seins-Frage». Er steckt in einer ausweglosen Lage, in der er durch jedes Handeln nur schuldig werden kann: Eine Reduktion des Budgetdefizits zur Erfüllung der Stabilitätskriterien würde das Land tiefer in die Rezession stürzen. Der Versuch, die griechische Wettbewerbsfähigkeit mit Lohnkürzungen wieder zu steigern, hätte eine lange Phase schmerzhafter Deflation zur Folge.
Für den Autor des FT-Artikels gibt es zur Beendung der Parallelen mit Griechenland nur einen Ausweg: Anstatt noch einige Jahre gegen das Unvermeidbare anzukämpfen, sollte Griechenland die Eurozone verlassen und mit einer massiven Abwertung den Grundstein für eine wirtschaftliche Erholung legen. Doch griechische Tragödien verlaufen bekanntlich anders.
Für das iconomix-Team
Marcel Stadelmann
Vergleiche dazu den letzten Text- und Frageblock in den
Politics-Economics vom 17. Januar 2010http://www.iconomix.ch/de/alacarte/detail/a015/journal/politics-economics-17-jan-2010/.
[1] D. Lachmann, 2010. Greece looks set to go the way of Argentina. Financial Times, 12. Januar.
[2] Konvergenzkriterien: Inflation max. 1.5%, Haushaltsdefizit max. 3% des BIP, Staatsverschuldung max. 60% des BIP
- 1 Kommentare
Am 15. Februar dieses Jahres steht der Euro-Zone ein wichtiger Tag bevor. Denn: An diesem Tag treten die Finanzminister der Währungsunion zusammen, um eine Entscheidung zu treffen über die Nachfolge des Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank.
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