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Sonntagsverkauf
Was in vielen Industriestaaten längst eine Selbstverständlichkeit ist, bleibt in der Schweiz umstritten: Soll der Sonntag zu einem verkaufsoffenen Werktag werden? Schon heute haben Kantone die Möglichkeit, an vier Sonntagen im Jahr einen freien Verkauf anzubieten. In zwei Kantonen wird im Juni darüber abgestimmt, ob man daraus sechs Sonntagsverkäufe machen könnte.
Befürworter des Sonntagsverkaufs weisen auf den gestiegenen Nutzen der Konsumenten hin. Anstatt abends nach dem Büro- auch noch den Einkaufsstress auf sich zu nehmen, können Kundinnen und Kunden ganz bequem am Sonntag Einkaufen gehen. Der Einkaufsbummel wird wieder zu einem Genuss – und die Kauflaune angekurbelt. Steigende Erlöse und die Schaffung neuer Arbeitsplätze sind die Folge.
Demgegenüber machen Gegner des Sonntagsverkaufs auf die Interessen der Mitarbeitenden aufmerksam. In Luzern wurde die Einführung zweier weiterer Sonntagsverkäufe abgelehnt, da der Ruhetag Sonntag nicht zum Arbeits- und Werktag degradiert werden sollte.[1] Besonders Eltern sind auf Sonn- und Feiertage angewiesen, um mit ihren Familien etwas zu unternehmen. Selbst wenn sie mit einem anderen freien Wochentag für die zusätzliche Arbeit kompensiert werden, leidet darunter das Familienleben, so lautet das Argument.
Ob ein regulierter Sonntagsverkauf im Endeffekt positiv oder negativ ist, kommt auf das Zusammenspiel einzelner Faktoren an. Unter anderem hängt die Antwort davon ab, ob die Konsumentinnen mit dem Sonntagseinkauf ihr Konsumverhalten an anderen Tagen beibehalten. Steigt insgesamt die Nachfrage? Wird dauerhaft mehr eingekauft? Damit sich der Sonntagsverkauf lohnt, müssen die Umsätze hoch genug sein, um die zusätzlichen Betriebs- und Personalkosten zu decken.
Dass vielen Schweizer Bürgerinnen und Bürgern der Sonntag als Ruhetag heilig ist, zeigt die eidgenössische Abstimmung über eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten im November 2005. Damals wurde festgelegt, ob ein regelmässiger Sonntagsverkauf an grossen Bahnhöfen und Flughäfen erlaubt sei. Die Bevölkerung entschied auf Ja - mit gerade einmal 50,75 Prozent der Stimmen.[2]
Für das iconomix-Team
Carolin Straus
Vergleiche dazu den letzten Text- und Frageblock in den
Politics-Economics vom 30. Mai 2010http://www.iconomix.ch/de/alacarte/detail/a015/.
[1] seco (2005): «Volkswirtschaftliche Auswirkungen flexibler Ladenöffnungszeiten»
[2] NZZ Online, 27.11.2005: «
Ganz knapp Ja zu Sonntagsverkaufwww.nzz.ch/...»
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