iconomix

Schweizerische Nationalbank

Dienstag, 25. August 2009,
06:05

Die Verpackungsfrage

Sie stehen im Foyer Ihres Lieblingskinos. Der Film läuft in wenigen Minuten an. Beim Verpflegungsstand bestellen Sie sich eine grosse Packung Popcorn und ein eisgekühltes Getränk. Dem Verkäufer aber sind die grossen Verpackungstüten ausgegangen. Daraufhin offeriert er Ihnen, die Menge einer grossen Tüte auf drei kleine Tüten aufzuteilen – zum selben Preis. Frage: Werden Sie nun mehr, weniger oder gleichviel Popcorn essen?

Popcorn

Nehmen wir an, Sie wären theoretisch nach dem Konsum von zwei Drittel der gesamten Popcorn-Menge satt. Ob Sie nun drei kleine oder aber eine grosse Popcorn-Tüte vor sich stehen haben, sollte Sie nicht daran hindern, die optimale Menge zu konsumieren.

Interessanterweise ist es aber viel wahrscheinlicher, dass Sie bei einer grossen Tüte den gesamten Inhalt verzehren. Denn der Entscheid, Popcorn zu essen, wird während dem Konsum nur selten hinterfragt. Haben Sie hingegen drei Tüten vor sich liegen, so muss das Öffnen jeder weiteren Packung bewusst entschieden werden. Der Verzehr der dritten Tüte wird daher viel eher aufgeschoben.

Dass dieses Verhalten nicht auf einen höheren Aufwand beim Öffnen der Verpackung zurückzuführen ist, konnte anhand eines Vergleichs des Konsumverhalten von Süssigkeiten nachgewiesen werden. Hier wurden die einzelnen Süssigkeiten einmal ausschliesslich in weisses, ein anderes Mal aber in unterschiedlich farbiges Verpackungsmaterial eingerollt.

Die erste Versuchsgruppe konsumierte die Süssigkeiten dabei schneller als die zweite und beschleunigte den Konsum über die Dauer des Experiments zusehends. Die zweite Gruppe konsumierte die Süssigkeiten relativ gleichmässig über die Dauer des Experimentes. Beide Gruppen aber konsumierten bedeutend langsamer als die Kontrollgruppe, bei welcher die Süssigkeiten unverpackt bereitgestellt wurde.

Fazit: Das absichtliche Aufteilen von Ressourcen auf kleinere Gefässe kann helfen, ein gewisses Selbstkontroll-Problem in den Griff zu bekommen. Wichtig dabei ist, dass die eingebauten Schwellen zu einem echten Hinterfragen der eigenen Handlung führen. Gewöhnen wir uns zu stark an diese Schwellen, so wird der Entscheid abermals instinktiv gefällt. Der Mechanismus verliert dann seine Effektivität.

Dieselbe Idee kann problemlos auf weitere Bereiche angewendet werden. Beispielsweise könnte ein Umstieg auf Drehtabak den Zigarettenkonsum senken. Oder aber es werden separate Bankkonten für verschiedene Ausgabenbereiche geführt. Insbesondere Entwicklungs- und Schwellenländern ohne staatlich gefördertes Vorsorgesparen oder Personen mit unregelmässigem Einkommen könnten von dieser einfachen Feststellung profitieren.

Für das iconomix-Team,
Pascal Sulser

Quelle: Amar Cheema and Dilip Soman, 2008. Journal of Marketing Research, Vol. XLV (December 2008), 665–675.

 

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  • 3 Kommentare
Paolo Cafiero
Sonntag, 30. August 2009,
13:51

Meiner Meinung nach ist das wirklich effektiv. Interessanterweise habe ich es mit eigenen Erfahrungen festgestellt. Hat man beispielsweise viel Bargeld im Geldbeutel, gibt man es schneller aus, als wenn es auf dem Konto ist. Ein weiteres Beispiel habe ich während meiner Lehrzeit erlebt. Im ersten Lehrjahr habe ich nur 400.- Fr. verdient und musste

mein Geld so einteilen, dass ich bis Ende des Monats genug davon hatte. Meistens blieb mir noch etwas übrig. Im vierten Lehrjahr, trotzt 1050.-Fr Lohn, war mir das Geld immer knapp. Das war nur, weil ich das Geld nicht in mehrere kleine Mengen einteilte. Als ich vor zwei Jahren mit dem Rauchen aufgehört habe, habe ich unter anderem diese Technik

angewendet. Nur ich weiss nicht, ob es wirklich sinnvoll ist, wenn alle mit dem Rauchen aufhören würden oder wenn alle diese Technik anwenden würden. Ich denke es ist für unsere Wirtschaft sehr wichtig zu konsumieren, statt unseren Ausgabebereich zu minimieren.

Roman Gisler
Montag, 31. August 2009,
18:47

Den Kommentar meines Vorschreibers, Paolo Cafiero, muss ich vollkommen zustimmen. Ist es nicht so? Hat man weniger kommt man besser mit dem zurecht was man hat und gibt nicht alles auf einmal aus. Weiss man jedoch man hat noch "genügend" zur Verfügung so gibt man automatisch mehr aus, als man oft möchte.

S.Rüegg
Donnerstag, 24. September 2009,
17:02

Müsste man Sugus und M&M in diesem Falle nicht raten, einheitliche Farben zu verwenden? Oder gibt es gerade bei Sugus und ähnlichen Snacks mit Geschmacksvariationen nicht auch die Dynamik: Nach dem Erdbeeraroma, nur noch eins mit Ananasaroma und dann das Zitronenaroma....

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