iconomix

Schweizerische Nationalbank

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Freitag, 27. August 2010,
16:46

Studienwoche «Finanzplatz Schweiz»

Schweizer Jugend forscht führt dieses Jahr die zweite Studienwoche zum Thema «Finanzplatz Schweiz» durch, vom 13. bis 18. September 2010. Schweizer Jugend forscht will damit interessierten Jugendlichen einen Blick hinter die Kulissen des Finanzplatzes ermöglichen. Die Jugendlichen lernen anhand praxisbezogener Fragestellungen, wie man eine wirtschaftswissenschaftliche Projektarbeit aufbaut, durchführt und die Ergebnisse dokumentiert. Namhafte Akteure aus der Finanzbranche – darunter die Schweizerische Nationalbank, vertreten durch iconomix - öffnen während dieser fünf Tage ihre Tore und stellen die fachliche Betreuung der Teilnehmenden sicher.

iconomix bietet im Rahmen der Sonderwoche drei attraktive und brandaktuelle Themen zur Auswahl an:

Thema 1: Geldpolitische Entscheidung in ausserordentlichen Zeiten. Die SNB führt als unabhängige Zentralbank die Geld- und Währungspolitik der Schweiz. Sie muss sich gemäss Verfassung und Gesetz vom Gesamtinteresse des Landes leiten lassen, als vorrangiges Ziel die Preisstabilität gewährleisten und dabei die Konjunktur berücksichtigen. Die Jugendlichen versetzen sich in diesem Projekt in die Rolle der SNB und nehmen an, dass Sie heute einen Zinsentscheid treffen müssen. Sie entscheiden aufgrund der ihnen verfügbaren Informationen zur aktuellen Wirtschaftslage und begründen ihren Entscheid mit ökonomischen Überlegungen. Mit dem Projekt verbunden ist der Besuch bei einem Senior Researcher der SNB.

Thema 2: Umsetzung der Geldpolitik in ausserordentlichen Zeiten. Die SNB setzt ihre Geldpolitik u. a. mittels der Steuerung des Zinsniveaus auf dem Franken-Geldmarkt um. Als Referenzzinssatz dient der Dreimonats-Libor. Diesen beeinflusst die SNB indirekt über gesicherte Geldmarktgeschäfte, sogenannten Repogeschäften. Die Jugendlichen gehen in diesem Projekt folgenden Fragen nach: Wie wird Frankenliquidität geschaffen, wie wird sie wieder abgeschöpft? Was sind gegenwärtig, wo der Franken gegenüber dem Euro unter grossem Aufwertungsdruck steht, besondere Herausforderungen? Mit dem Projekt verbunden ist der Besuch bei einem Geldmarkt- und Devisenspezialisten.

Thema 3: Stabilität des Finanzsystems in der Schweiz. Die SNB hat den Auftrag, zur Stabilität des Finanzsystems beizutragen. Zudem spielt sie eine aktive Rolle bei der Schaffung stabilitätsfördernder regulatorischer Rahmenbedingungen. Dazu arbeitet sie eng mit der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA zusammen. Die Jugendlichen gehen in diesem Projekt folgenden Fragen nach: Was sind die gegenwärtigen Herausforderungen bei der Finanzmarktregulierung? Was ist unter der Too-big-to-fail-Problematik zu verstehen? Was sind diskutierte Ansätze, um die mit der Too-big-to-fail-Problematik verbundenen Risiken zu reduzieren? Mit dem Projekt verbunden ist der Besuch bei einem Spezialisten für Systemstabilität.

Die drei Workshops werden jeweils in den Sprachen Deutsch, Französisch und Englisch angeboten. Die Anforderungen an die Teilnehmenden sind ein Interesse an volkswirtschaftlichen Fragestellungen, Übung im Lesen längerer Texte, die Bereitschaft sich selbständig mit Fragestellungen auseinander zu setzen sowie Neugierde und Offenheit.

Die Struktur der Studienwoche orientiert sich an den traditionsreichen natur- und technikwissenschaftlichen Jugendförderwochen von Schweizer Jugend forscht. Junge Menschen aus der ganzen Schweiz (Sekundarstufe II) beschäftigen sich in kleinen Gruppen eine Woche lang unter fachlicher Anleitung mit einer gegebenen Fragestellung. Die Schlussveranstaltung findet im Beisein von Medien, Lehrpersonen, Familienangehörigen und Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft statt. Ergebnis aus jedem Workshop ist ein Poster, das die Teilnehmenden an der Schlussveranstaltung präsentieren, und ein Schlussbericht, den die Jugendlichen bis 14 Tage nach der Sonderwoche fertigstellen müssen, um eine Urkunde für ihre Teilnahme zu erhalten, und der schliesslich im Internet publiziert wird.

Die Anmeldung erfolgt über die Website von Schweizer Jugend forschtwww.sjf.ch/.... Anmeldeschluss ist der 27. August 2010.

Für das iconomix-Team
Manuel Wält

Siehe auch den Artikel «Schweizer Jugend forscht wieder(478 KB)http://www.iconomix.ch/fileadmin/user_upload/iconomix/blog/icx/10/FuW_Schweizer-jugend-forscht.pdf» (Finanz und Wirtschaft, 12. Juni 2010).

Montag, 28. Juni 2010,
10:13

Nachtrag zu «Geldpolitik und der Transmissionsprozess»

Im Rahmen des «Securities Markets Programme» hat die EZB am 11. Mai begonnen, Staatsanleihen finanziell angeschlagener Länder aufzukaufen (siehe den Beitrag «Geldpolitik und der Transmissionsprozesshttp://www.iconomix.ch/de/service/blog/archive/2010/06/17/geldpolitik-und-der-transmissionsprozess/»). Für die Öffentlichkeit zeichnet sich im Nachhinein ab, dass mit dieser Massnahme faktisch eine weitere Bankenkrise vermieden worden ist.

Im Artikel «Waiting for the big onewww.economist.com/...» zählt der Economistwww.economist.com die Indikatoren auf, die in besagtem Zeitraum nach oben ausschlugen und ein Einschreiten der EZB nahe legten: Der Liborde.wikipedia.org/... (Zinssatz für dreimonatige Geldausleihen unter Banken) kletterte in die Höhe und die Renditen auf Credit Default Swapsde.wikipedia.org/... (Kreditausfallversicherungen) von europäischen Grossbanken erreichten Werte, die zuletzt beim Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers beobachtet worden waren.

«Ein zweites Lehman im Mai(172 KB)http://www.iconomix.ch/fileadmin/user_upload/iconomix/blog/icx/10/Sueddeutsche-Ein_Zweites_Lehman_im_Mai.pdf», titelt deshalb die Süddeutsche Zeitungwww.sueddeutsche.de: Am Zahlungsausfall von mehreren Bankengruppen des Eurogebiets sei man Anfangs Mai nur knapp vorbeigekommen. Auch sechs Wochen später haben Banken das Vertrauen untereinander noch nicht wiedergewonnen – Banken legen ihre überschüssige Liquidität nun zunehmend bei der EZB an, anstatt sie anderen Banken auszuleihen.

Wer sich direkt an der Quelle informieren möchte, ist bei der EZBwww.ecb.int/... und ihrem 220 Seiten starken Monatsberichtwww.ecb.int/... vom 17. Juni 2010 an der richtigen Stelle. Auf Seite 36 werden in der Box 3, «Developments in Financial Markets in Early May», die damaligen Entwicklungen auf dem Kapital-, Geld- und Devisenmarkt beschrieben.

Für das iconomix-Team
Simon Schmid

Donnerstag, 17. Juni 2010,
13:25

Geldpolitik und der Transmissionsprozess

Eine Einführung in die wichtigsten Wirkungszusammenhänge der Geldpolitik bietet das iconomix-Modul «Geldpolitikhttp://www.iconomix.ch/de/module/detail/m04a/». Gute Vertiefungen zum Thema finden sich in volkswirtschaftlichen Lehrbüchern für die Gymnasialstufe; so z. B. in Aymo Brunettis im hep verlag erschienenem Buch «Volkswirtschaftslehre – Eine Einführung für die Schweizwww.hep-verlag.ch/...», oder in Peter Eisenhuts «Aktuelle Volkswirtschaftslehrewww.rueggerverlag.ch/...», erschienen im Rüegger Verlag.

Diese Lehrbücher stellen unter anderem die geldpolitischen Instrumente und Ziele der Schweizerischen Nationalbankwww.snb.ch/... (SNB) vor: Mittels sogenannter Offenmarktoperationen steuert die SNB den Libor, d. h. den Zinssatz, zu dem sich die Banken gegenseitig Geld ausleihen. Dadurch beeinflusst sie die Geldmenge im Banken- und Wirtschaftssystem und nimmt damit einen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung. Ziel der SNB ist es, die Stabilität der Preise zu gewährleisten und dabei die Konjunktur zu berücksichtigen.

Wie aber funktioniert dieser Prozess genau? Kürzlich hat die NZZ einen Artikel von Claudia Aebersold Szalaywww.nzz.ch/... publiziert, der sich vertieft mit der Wirkungsweise der Geldpolitik beschäftigt. Anlässlich der Käufe griechischer Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) – der iconomix-Bloghttp://www.iconomix.ch/de/service/blog/archive/2010/05/14/mit-der-bazooka-gegen-die-ansteckung/ berichtete über diese aufsehenerregende Entscheidung – wirft die Autorin Licht auf den sogenannten «Transmissionsprozess» der Geldpolitik.

Dieser Prozess sorgt dafür, dass die Zinsentscheide der Zentralbanken die erwünschten Reaktionen von Geschäftsbanken im Geld- und Kapitalmarkt hervorrufen. Die Bankgeschäfte beeinflussen ihrerseits die Zinsen auf Spareinlagen und Krediten und wirken sich so auf die Ausgabeentscheidungen von Konsumenten und Produzenten und auf die Preise für Güter und Dienstleistungen aus. So kommt die Politik der Zentralbank – mit einer gewissen Verzögerung – in der Realität an.

Wie in anderen Märkten auch, kann es auf dem Geldmarkt jedoch zu Störungen kommen, welche die Wirkung der Geldpolitik beeinträchtigen; so geschehen während der Finanzkrise des Jahres 2008, sowie jüngst im Zusammenhang mit dem drohenden griechischen Staatsbankrott: Banken stellten einander keine Liquidität mehr zur Verfügung, weil sie das Griechenland-Engagement ihrer Konkurrentinnen nicht einschätzen konnten – worauf die EZB zu den besagten, unkonventionellen Mitteln griff.

Wer nun wissen möchte, wie die Sache wirklich im Detail aussieht, liest Szalays Artikel: «Wenn die Politik der EZB nicht mehr richtig ankommtwww.nzz.ch/...».

Für das iconomix-Team
Simon Schmid

Mittwoch, 24. März 2010,
16:04

Staatsverschuldung: Was uns die Geschichte lehrt

Gegenwärtig haben die Budgetdefizite und die Verschuldung einiger Industriestaaten historische Ausmasse angenommen. Und die Prognosen für die nächsten Jahre sehen kaum besser aus. Die Frage liegt nahe: Wie sollen diese Defizite finanziert und wieder reduziert werden?

Ein Blick in die Geschichte zeigt immerhin, wie man es nicht machen sollte. In seinem Buch «Die Herren des Geldes» analysiert Liaquat Ahamed die Wirtschaft der 20er Jahre und die anschliessende grosse Depression.


Der 1. Weltkrieg markierte nicht nur grosse politische, sondern auch wirtschaftliche Umbrüche
. Kriegsfinanzierung war das zentrale ökonomische Thema. Hierzu verliessen praktisch alle Staaten den damaligen Goldstandard, um ihn rund zehn Jahre später wieder einzuführen. Beide Entscheide waren fatal.

Die Loslösung der Währungen von der Bindung zum Gold erlaubte es den Regierungen zwar, die Defizite teilweise über die Notenpresse zu finanzieren. Trotzdem waren nach dem Krieg die meisten europäischen Staaten hoffnungslos im In- und Ausland verschuldet.

Erdrückt von den Reparationsforderungen, wählte Deutschland den Weg über die Hyperinflation. Eine ökonomische (und später auch politische) Katastrophe war die Folge. Frankreich gelang es zwar, ab 1920 die scharfe Inflation zu beenden. Wie man 1925 aber erfuhr, wurden Teile der Staatsausgaben anschliessend über «kreative Buchhaltung» der Zentralbank finanziert.

Dem Vereinigten Königreich, wie auch den meisten anderen Staaten, gelang es schliesslich, durch substantielle Schuldenerlasse der USA finanziell wieder auf die Beine zu kommen.  1925 beschloss die britische Regierung unter Churchill die Rückkehr zum Goldstandard – zum Vorkriegskurs. Was nichts anderes bedeutete, als dass die Inflation der Kriegsjahre mittels restriktiver Geldpolitik rückgängig gemacht werden musste.

Die Konsequenz waren nicht nur unmittelbare wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die mehr oder weniger willkürliche Fixierung vieler Währungen zum Gold führte zu massiven globalen Ungleichgewichten, was als eine der Ursachen für die grosse Depression der 30er Jahre gilt.

Ahameds Analyse der wirtschaftlichen Zusammenhänge und Entwicklungen der 20er Jahre, welche schliesslich zur grossen Depression führten, erscheint fundiert und umfassend. Wenn auch teilweise etwas langatmig erzählt, ist es eine spannende Geschichte, die zum Allgemeinwissen eines jeden Ökonomen gehören sollte.

Für das iconomix-Team
Ronald Indergand

Freitag, 26. Februar 2010,
09:46

Denkanstösse zum ökonomischen Geschehen…

… bietet der Blog batz.chwww.batz.ch – «das Forum für Schweizer Wirtschaftspolitik» – seit Anfang 2010. Die darin enthaltenen Beiträge sind prägnant, aktuell und dürften sich gut auch im Unterricht verwenden lassen.

Mit Urs Birchler (Professor für Banking am Institut für Schweizerisches Bankwesen an der Universität Zürich), Marius Brülhart (Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Lausanne) und Monika Bütler (Professorin für Volkswirtschaft am Schweizerischen Institut für Empirische Wirtschaftsforschung an der Universität St. Gallen) engagieren sich bei batz.chwww.batz.ch gleich drei bekannte Schweizer Wirtschaftsprofessoren. Ihre Absicht ist es, ökonomische Zusammenhänge mit Bezug zur Schweiz unabhängig und öffentlichkeitsnah zu diskutieren. Einzelne handverlesene Gastautoren tragen zur Diskussion bei.

In einem der Beiträgewww.batz.ch/... untersucht Monika Bütler, wie sich eine Inflationsrate von 4% auf die Kaufkraft von Pensionskassenrenten auswirkt. 4% Inflation liegt deutlich oberhalb des Zielbandes von 0 bis 2%, das moderne Notenbanken heute gemeinhin mit Preisstabilität gleichsetzen.[1] Doch gerade diese 4% wurden kürzlich vom IWF-Chefökonom Olivier Blanchard als neues Inflationsziel zur Diskussion gestellt, was bei Medien und Fachwelt ein gewaltiges Echo hervorrief.[2] [3]

Bütler berechnet die Auswirkungen eines Anstiegs der Durchschnittsinflation auf 4% auf die Pensionskassenrenten in der Schweiz: der inflationsbedingte Kaufkraftverlust der Renten käme einer Reduktion des heutigen BVG-Umwandlungssatzes um 25% von aktuell 6,8% auf 5,1% gleich. Im Vergleich dazu mutet die gegenwärtige Diskussion um die Senkung des Umwandlungssatzes auf 6,4%, über die in Kürze abgestimmt wird, geradezu akademisch an.

Für das iconomix-Team
Simon Schmid 

[1] Vgl. dazu z.B. das iconomix-Modul Geldpolitik – Basis «MOPOS - Basishttp://www.iconomix.ch/de/module/detail/m04a/»

[2] FAZ (24.2.2010): «Mehr Inflation wagenwww.faz.net/...»

[3] FTD (25.02,2010): «Der IWF spielt mit dem Feuerwww.ftd.de/...»

Freitag, 15. Januar 2010,
16:11

Die griechische Tragödie des 21. Jahrhunderts

Ein Artikel in der Financial Times hat kürzlich für Aufsehen gesorgt. Darin wird die aktuelle Situation Griechenlands mit der schweren Währungskrise Argentiniens Ende der 90er Jahre verglichen.[1]

Alles begann mit dem Wunsch Griechenlands, die wirtschaftspolitische Disziplin der Euroländer zu importieren. Nachdem der chronisch verschwenderische Staat die Konvergenzkriterien[2] für eine Mitgliedschaft in der europäischen Währungsunion bei der Einführung des Euro 1999 noch verfehlte, erreichte er sein Ziel 2001 dank kreativer Buchhaltung. Der Euro löste die griechische Drachme ab.

Der zweite Schritt auf dem Weg in den Ruin folgte, als Griechenland nicht fähig war, eine Politik zu betreiben, die mit den Stabilitätskriterien der Währungsunion vereinbar war. Anstatt die wirtschaftspolitische Disziplin der anderen Euroländer zu übernehmen, lag das Staatsdefizit Griechenlands stets über den geforderten 3% – selbst in wirtschaftlich guten Zeiten.

Neben dem stark anwachsenden Haushaltsdefizit verschärften die unangemessen tiefe Zinssätze, die im Rahmen der Währungsunion von der Eurozone importiert werden konnten, das Problem Griechenlands zusätzlich. Auf Grund anhaltend höherer Inflationsraten verringerte sich die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelmeerlandes kontinuierlich, was zu grossen Ungleichgewichten in der Handelsbilanz führte.

Somit steht der griechische Staat nun wie der Protagonist in der griechischen Tragödie vor der grossen «Seins-Frage». Er steckt in einer ausweglosen Lage, in der er durch jedes Handeln nur schuldig werden kann: Eine Reduktion des Budgetdefizits zur Erfüllung der Stabilitätskriterien würde das Land tiefer in die Rezession stürzen. Der Versuch, die griechische Wettbewerbsfähigkeit mit Lohnkürzungen wieder zu steigern, hätte eine lange Phase schmerzhafter Deflation zur Folge.

Für den Autor des FT-Artikels gibt es zur Beendung der Parallelen mit Griechenland nur einen Ausweg: Anstatt noch einige Jahre gegen das Unvermeidbare anzukämpfen, sollte Griechenland die Eurozone verlassen und mit einer massiven Abwertung den Grundstein für eine wirtschaftliche Erholung legen. Doch griechische Tragödien verlaufen bekanntlich anders.

Für das iconomix-Team

Marcel Stadelmann

Vergleiche dazu den letzten Text- und Frageblock in den Politics-Economics vom 17. Januar 2010.

[1] D. Lachmann, 2010. Greece looks set to go the way of Argentina. Financial Times, 12. Januar.

[2] Konvergenzkriterien: Inflation max. 1.5%, Haushaltsdefizit max. 3% des BIP, Staatsverschuldung max. 60% des BIP

Mittwoch, 03. Juni 2009,
15:35

Alternative Instrumente der Geldpolitik

Am 12. März 2009 senkte die Schweizerische Nationalbank (SNB) das Zielband für ihren Leitzins, den Libor für dreimonatige Anlagen in Franken, um 0,25 Prozentpunkte auf 0 bis 0,75%. Da der untere Bereich des Zielbandes im Dezember 2008 Null % erreicht hatte, konnte die SNB das Zielband nicht mehr weiter senken, sondern nur noch verengen. Der Spielraum für eine Senkung des Leitzinses ist damit bald gänzlich ausgeschöpft.

Der Repo-Wochengeldsatz, der Preis, den Banken für einen einwöchigen SNB-Kredit bezahlen müssen, liegt mit rund 0,1% inzwischen annähernd bei Null. Er stösst damit an eine natürliche Grenze, da er nicht unter 0% fallen kann. Sonst müsste die Nationalbank den Banken für ihre Kredite etwas bezahlen! [1]

Auch in einer solchen Situation ist die SNB aber nicht machtlos. Sie kann unkonventionelle Massnahmen ergreifen und durch diese Massnahmen eine weitere Lockerung der Geldpolitik herbeiführen. Drei Massnahmen stehen zur Zeit im Vordergrund:

Die SNB stellt – erstens - den Banken am Geldmarkt längerfristige Liquidität zur Verfügung. Statt Geldmarktkredite wie bis vor kurzem üblich jeweils vorwiegend für eine Woche zu gewähren, erhalten die Banken Repo-Kredite mit einer Laufzeit bis zu einem Jahr. Unter normalen Umständen liegen die Repo-Zinsen für lang langlaufende Geschäfte höher als z.B. für einwöchige Geschäfte. Die 0%-Grenze ist deshalb nicht so schnell erreicht.

In der gegenwärtigen Situation liegen aber auch die Repo-Zinsen für langlaufende Geschäfte nahe Null. Dazu kommt, dass die Banken (zumindest die, die Liquidität benötigen) wenig sogenanntes «repofähiges Collateral» haben. Damit sind Wertschriften gemeint, die die SNB als Sicherheiten für ihre Kredite akzeptiert. Deshalb ist der Effekt dieser ersten Massnahme begrenzt.

Zweitens hat die Nationalbank begonnen, direkt auf die Zinssätze am Kapitalmarkt einzuwirken. Sie kauft zu diesem Zweck Pfandbrief- und Unternehmensanleihen. Die SNB kann hier mittels gezielter Anleihekäufen die langfristigen Zinsen senken und damit die Finanzierungsbedingungen für die Unternehmen verbessern.

Drittens ist die Nationalbank auf dem Devisenmarkt aktiv geworden. Sie kauft gezielt Fremdwährungen, um eine weitere Aufwertung des Frankens zu verhindern. Dies dämpft den Einbruch in den Exporten und wirkt einer drohenden Deflation entgegen.

Das Hauptproblem der unkonventionellen Instrumente ist, dass die Geldhaltung bei einem Zins von Null praktisch ein freies Gut wird. Da man nicht mehr über den Preis der Liquidität arbeiten kann, hofft man, dass eine Ausweitung der Menge noch einen Effekt hat. Die Erfahrung zeigt, dass die Mengenausweitung beträchtlich sein muss, wenn man eine Wirkungen erzielen möchte. [2]

Zudem birgt die starke Liquiditätsausweitung das Problem, dass sie irgendwann rückgängig gemacht werden muss. Im Fall von Repo- und Devisengeschäften ist das unproblematisch. Bei den Anleihen aber kann ein schneller Verkauf später möglicherweise die Märkte belasten.

Für eine verständlich geschriebene, umfassende Darstellung vgl. das Referat «Die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank in stürmischen Zeiten» von Direktoriumsmitglied Thomas Jordan vom 19. März 2009.

Für das iconomix-Team

Ronald Indergand und Manuel Wälti

[1] Es ist aus theoretischer Sicht zwar denkbar, dass die SNB den Banken für ihre Kredite etwas bezahlt. Doch würden dann alle Banken Kredite haben wollen, da man damit Gewinn machen kann, und es müsste ein Rationierungsschema eingeführt werden.

[2] In der Schweiz hat sich die Notenbankgeldmenge mehr als verdoppelt. Die Reserven, die von Banken bei der SNB gehalten werden, sind sogar um 900% gestiegen.

Donnerstag, 19. Februar 2009,
15:38

Sterne am Konjunkturhimmel

Ich gebe zu, eine schlechte Meldung über den Konjunkturverlauf jagt die andere. Ich gebe zu, die Lage und die Konjunkturaussichten sind alles andere als rosig. Mit diesem Beitrag möchte ich aber doch die Aufmerksamkeit auf einige Sterne am Konjunkturhimmel lenken.


Stern 1: Sinkende Preise

Noch vor wenigen Monaten machten wir uns Sorgen um den Anstieg der Inflation. Inzwischen scheinen die Inflationsgefahren gebannt. Für das Jahr 2009 ist mit einer Inflation von etwa 0.5% zu rechnen. Das Schöne daran ist, dass jedes Prozent weniger Preisanstieg die Kaufkraft der Löhne um rund 3 Mrd. Franken erhöht. Aber auch die arg gebeutelte Industrie kann sich seit einiger Zeit über tiefere Einkaufspreise freuen. Gemäss Bundesamt für Statistik sind die Produzenten- und Importpreise im Januar um weitere 0.9 Prozent gesunken.


Preisentwicklung


Stern 2: Steigende Löhne

Im laufenden Jahr ist mit einem realen Lohnanstieg von ca. 1.5% zu rechen. Dadurch erhöht sich die Kaufkraft (ohne Berücksichtigung der Veränderung bei der Arbeitslosigkeit) um rund 5 Mrd. Franken.


Stern 3: Sinkende Zinsen

Die Leitzinsen in den USA sind praktisch auf Null, in der Schweiz auf etwa ein halbes Prozent gefallen (vgl. Blog-Beitrag «erweiterte Instrumente der Geldpolitik»). Positiv bemerkbar machen sich insbesondere die gesunkenen Hypothekarzinsen, die seit Juni 2008 bis heute von rund 4,5 auf 2,5 Prozent (Festhypothek 3 Jahre) gefallen sind. 2 Prozentpunkte tiefere Zinsen ermöglichen Ersparnisse auf den gesamten Hypothekarschulden von ca. 13 Mrd. Franken.


Stern 4: Konjunkturprogramme

In einem bisher nicht für möglich gehaltenen Umfang versuchen verschiedenste Staaten der Welt den Nachfragerückgang durch staatliche Ankurbelungsprogramme wett zu machen: beispielsweise die USA (787 Mrd. Dollar), China (600 Mrd. Dollar), die EU (250 Mrd. Euro), Japan (80 Mrd. Dollar), die Schweiz (1.6 Mrd. Franken). Ob diese Rettung durch Väterchen Staat glückt oder nicht, löst gegenwärtig erstaunlich wenig Kontroversen aus. Es scheint zu gelten: Je grösser, desto besser (vgl. dazu Kapitel 6.2 in meinem Lehrbuch «Aktuelle Volkswirtschaftslehre»).

Freitag, 13. Februar 2009,
07:39

Video: die EZB erklärt die Inflation

In einem kurzen Zeichentrick-Film erklärt die EZB die Inflation und die Rolle der Geldpolitik:

Für das iconomix-Team

Boris Kaiser

Montag, 09. Februar 2009,
15:56

«Der Aufstieg des Geldes»

In der letzten Ausgabe von Das Magazin ist ein interessante Abhandlung erschienen über das Buch «Der Aufstieg des Geldes» (siehe Amazon) vom britischen Historiker Niall Ferguson, welches im März 2009 auf Deutsch erscheinen wird.

Der Aufstieg des Geldes

Hier eine kurze inhaltliche Übersicht:

Einleitend beschreibt Ferguson in seinem Buch die Entstehung und Entwicklung des Bankgeschäfts und wie sich dieses während der Renaissance ausgehend von Italien über Europa ausbreitete. Auf dieser Reise durch die Vergangenheit wird schnell klar, dass der Verlauf der Geschichte oftmals von der Entwicklung der Geldwirtschaft beeinflusst wurde.

So hingen die Herrschaftsverhältnisse in Europa nicht zuletzt von der Fähigkeit ab, Kriege mit Staatsanleihen zu finanzieren. Ferguson beschreibt, wie die Gründung der ersten modernen Aktiengesellschaft im Jahr 1602, der Niederländischen Ostindien-Kompanie, Holland als Kolonialmacht beflügelte. Und umgekehrt, wie eine Aktienblase, ausgelöst durch Spekulation und eine Aufblähung der Geldmenge im frühen 18. Jahrhundert, Frankreichs damaliges Finanzsystem zu Fall brachte. Schliesslich schildert er, wie schottische Geistliche einen Vorsorgefond für Angehörige von verstorbenen Pfarrern gründeten und damit den Grundstein für das moderne Versicherungswesen legten.

Ferguson setzt besonderen Akzent auf die Rolle des Wohneigentums und veranschaulicht, wie die Wurzeln der US-Immobilienkrise weiter in die Vergangenheit zurückreichen als heute oft vermutet wird: Mit der Förderung von Wohneigentum begann bereits Präsident Roosevelt im Rahmen des New Deals während der Grossen Depression der 30er-Jahre.

Mitte der 80er-Jahre brach in den USA die Bausparkassen-Krise aus («Savings and Loans Crisis»), ihrerseits Ausdruck der gefährlichen Mischung aus Deregulierung und staatlichen Einlagengarantien. Mit der Unterzeichnung des «American Dream Downpayment Act» zur staatlichen Förderung von Eigenheimerwerb für untere Einkommensschichten im Jahr 2003, trug Präsident Bush massgeblich zur darauffolgenden Fehlentwicklung am Immobilienmarkt bei.

Die Botschaft Fergusons ist klar: Vermögenswertblasen und Finanzkrisen treten immer wieder auf, weil das Gedächtnis der Finanzmärkte (und der Regierungen) kurz ist und diese nicht aus früheren Fehlern lernen. Die irrationale Komponente der menschlichen Natur spielt dabei eine zentrale Rolle.

Ferguson macht deutlich: Wer die Gegenwart verstehen will, muss in die Vergangenheit blicken. «Der Aufstieg des Geldes» bietet dazu reiches Anschauungsmaterial.


Für das iconomix-Team,

Boris Kaiser

 

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