iconomix

Schweizerische Nationalbank

Freitag, 15. Januar 2010,
16:11

Die griechische Tragödie des 21. Jahrhunderts

Ein Artikel in der Financial Times hat kürzlich für Aufsehen gesorgt. Darin wird die aktuelle Situation Griechenlands mit der schweren Währungskrise Argentiniens Ende der 90er Jahre verglichen.[1]

Alles begann mit dem Wunsch Griechenlands, die wirtschaftspolitische Disziplin der Euroländer zu importieren. Nachdem der chronisch verschwenderische Staat die Konvergenzkriterien[2] für eine Mitgliedschaft in der europäischen Währungsunion bei der Einführung des Euro 1999 noch verfehlte, erreichte er sein Ziel 2001 dank kreativer Buchhaltung. Der Euro löste die griechische Drachme ab.

Der zweite Schritt auf dem Weg in den Ruin folgte, als Griechenland nicht fähig war, eine Politik zu betreiben, die mit den Stabilitätskriterien der Währungsunion vereinbar war. Anstatt die wirtschaftspolitische Disziplin der anderen Euroländer zu übernehmen, lag das Staatsdefizit Griechenlands stets über den geforderten 3% – selbst in wirtschaftlich guten Zeiten.

Neben dem stark anwachsenden Haushaltsdefizit verschärften die unangemessen tiefe Zinssätze, die im Rahmen der Währungsunion von der Eurozone importiert werden konnten, das Problem Griechenlands zusätzlich. Auf Grund anhaltend höherer Inflationsraten verringerte sich die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelmeerlandes kontinuierlich, was zu grossen Ungleichgewichten in der Handelsbilanz führte.

Somit steht der griechische Staat nun wie der Protagonist in der griechischen Tragödie vor der grossen «Seins-Frage». Er steckt in einer ausweglosen Lage, in der er durch jedes Handeln nur schuldig werden kann: Eine Reduktion des Budgetdefizits zur Erfüllung der Stabilitätskriterien würde das Land tiefer in die Rezession stürzen. Der Versuch, die griechische Wettbewerbsfähigkeit mit Lohnkürzungen wieder zu steigern, hätte eine lange Phase schmerzhafter Deflation zur Folge.

Für den Autor des FT-Artikels gibt es zur Beendung der Parallelen mit Griechenland nur einen Ausweg: Anstatt noch einige Jahre gegen das Unvermeidbare anzukämpfen, sollte Griechenland die Eurozone verlassen und mit einer massiven Abwertung den Grundstein für eine wirtschaftliche Erholung legen. Doch griechische Tragödien verlaufen bekanntlich anders.

Für das iconomix-Team

Marcel Stadelmann

Vergleiche dazu den letzten Text- und Frageblock in den Politics-Economics vom 17. Januar 2010.

[1] D. Lachmann, 2010. Greece looks set to go the way of Argentina. Financial Times, 12. Januar.

[2] Konvergenzkriterien: Inflation max. 1.5%, Haushaltsdefizit max. 3% des BIP, Staatsverschuldung max. 60% des BIP

  •  
  • 1 Kommentare
Finanznachrichten.info
Mittwoch, 27. Januar 2010,
09:39

Am 15. Februar dieses Jahres steht der Euro-Zone ein wichtiger Tag bevor. Denn: An diesem Tag treten die Finanzminister der Währungsunion zusammen, um eine Entscheidung zu treffen über die Nachfolge des Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank.

...

Write a comment

Note: We are interested in an open discussion. However, we reserve the right to delete offensive comments. More information can be found in the guidelines for user comments user comments.

(wird nicht veröffentlicht)

Information marked with an asterisk * is mandatory.

 

Neuste Artikel

Studienwoche «Finanzplatz Schweiz»

Schweizer Jugend forscht führt dieses Jahr die zweite Studienwoche zum Thema «Finanzplatz...

Finanzmarktreform: eine Zwischenbilanz

Damit sich die Finanzkrise nicht wiederholt, müssen die Finanzmärkte besser reguliert werden....

Eine Handelsromanze, Anno 1817

David Ricardos «Theorie der komparativen Kostenvorteile» wurde 1817 veröffentlicht und gilt...

Südafrika: Road to Equality

Ein sportliches Grossereignis in der Heimat macht einen Menschen glücklicher als die Aussicht...

Chile: der südamerikanische Tabellenführer

Lateinamerikanische Länder waren lange Zeit für ihre politische und wirtschaftliche...

 

Letzte Kommentare

Danke für Hinweis
09.07.2010 08:40
Link funktioniert nicht
30.06.2010 00:53
Das Portrait zum Echo
18.06.2010 12:46
Die Wettanbieter liegen immer richtig, der Markt nicht immer
15.06.2010 00:25
 

Archiv