iconomix

Schweizerische Nationalbank

Freitag, 28. August 2009,
11:59

«Peak Oil»

Die Schweiz und Libyen haben ihre diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen. Wird nun auch wieder libysches Erdöl zu uns fliessen?

Das schwarze Gold ist seit vielen Jahren nicht aus den Schlagzeilen wegzudenken und stets im Zentrum von Konflikten und hitzigen Debatten. Momentan steigt der Ölpreis in der Hoffnung auf eine rasche konjunkturelle Erholung wieder stark.

Diese Entwicklung nutzt die Internationale Energieagentur, um ihre früheren Warnungen zu verdringlichen: Aufgrund rückläufiger Reserven und ausbleibender Investitionen könnten die Ölförderkapazitäten nicht mehr mit der Nachfrage Schritt halten. Deshalb bestehe bereits in den nächsten fünf Jahren die Gefahr einer massiven Ölknappheit, was den wirtschaftlichen Erholungsprozess stark gefährden könnte.

Zudem prophezeit die Agentur das Erreichen von «Peak Oil», dem globalen Ölfördermaximum, bereits für das Jahr 2020. Die Hypothese versiegender Ölquellen stützt sich auf drei Argumente:

  • Pro vier produzierten Barrel wird nur ein Barrel entdeckt.
  • Die politische Instabilität der ölproduzierenden Länder birgt das Risiko, dass der Ölhahn plötzlich zugedreht wird. (siehe Libyen-Konflikt der Schweiz)
  • Rund die Hälfte der als förderwürdig angesehenen zwei Billionen Barrel Öl sind bereits verbraucht.

Diese Punkte sind für Energieberater Michael Lynch Unsinn, wie er in einem Artikel in der New York Times ausführt.[1] Für ihn ist die Diskussion um «Peak Oil» Energieverschwendung, ein Hirngespinst einer kleinen Gruppe von Wissenschaftlern und Laien, die ihre Schlüsse aus falschen Datenanalysen und der Fehlinterpretation von technischem Material ziehen.

Die Argumente von Lynch lauten:

  • Über die Jahre hinweg werden die meisten Ölreserve-Schätzungen nach oben korrigiert, wegen weiteren Entdeckungen und neuen Fördertechnologien.
  • Das politische Risiko ist kein neues Phänomen. Ein gewisser Josef Stalin z.B. war bereits anfangs des letzten Jahrhunderts Anführer der Ölarbeiter von Baku…
  • Geologen sind sich einig, dass bis zu 10 Billionen Barrel Öl vorhanden sind. Durch technischen Fortschritt können gegen 35% – also weitere 2,5 Billionen Barrel – gefördert werden.

Ich kann dieser Argumentation nur bedingt folgen. Kann man sich auf Dauer darauf verlassen, dass Schätzungen zu tief ausfallen? Zudem: Nur weil das geopolitische Risiko länger schon existiert, wird es nicht kleiner. Zu guter letzt frage ich mich, ob die Menschheit das Verbrennen von noch mehr Billionen Barrel Öl nicht aus anderen Gründen besser lassen sollte.

Für das iconomix-Team

Marcel Stadelmann

Vergleiche dazu die iconomix-Fragen in Politics-Economics vom 30. August 2009.

[1] M. Lynch, 2009. ‚Peak Oil‘ Is a Waste of Energy, The New York Times, 25. August.

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  • 3 Kommentare
Carmen
Montag, 31. August 2009,
19:11

Es gibt viel für das Öl gebraucht wird, und ich bin der Meinung man sollte es besser verwenden als zur Verbrennung. Wärme ist ein Abfall Produkt dass durch Reibung erzeugt wird. Sollen wir wirklich Etwas so wertvolles in ein nebenproduckt verwandeln das auf duzend andere Arten auch erzeugt werden kann?

Daniel Dubach
Dienstag, 01. September 2009,
06:11

Für die Erzeugung von Wärme und Auto's sollte möglichst schnell eine Alternative gefunden werden. Das noch verhandene Öl muss für die Luftfahrt gesparrt werden. Eine andere Antriebsmöglichkeit bei Flugzeugen ist sehr schwierig zu finden.

Peak-Oil.com
Montag, 07. Dezember 2009,
21:43

Folgendes kanadisches Video hinterläßt nicht den Eindruck, als mache es Sinn, Öl für den Luftverkehr zu sparen:

www.canada.com/news/videos/index.html

Vielmehr scheint es so zu sein, als käme die Ära des Flugverkehrs eher an ihr Ende, als gedacht.


Ein kurzer VideoVortrag zu Peak Oil:

www.regionalentwicklung.de/1.11.0.0.1.0.phtml

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