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Nobelpreis für Wirtschaft: Ostrom
Die Vergabe des Nobelpreis für Wirtschaft an die Politologin Elinor Ostrom mag dem einen oder anderen politisch motiviert erscheinen. Ihre zahlreichen Feldstudien zur Nutzung von öffentlich zugänglichen Naturressourcen – auch «Allmendegüter» genannt - sind aber zweifelsfrei bedeutend.
Noch heute prognostizieren viele Lehrbücher fast reflexartig eine Übernutzung von frei zugänglichen Ressourcen, wenn diese in beschränktem Umfang verfügbar sind. Die Argumentation ist intuitiv, wie dies anhand der Überfischung treffend illustriert werden kann:
Jeder einzelne Fischer hat einen ökonomischen Anreiz, möglichst viele Fische aus einem gemeinschaftlich genutzten Gewässer zu fangen. Denn die Mehreinnahmen fliessen jedem Fischer direkt zu, die entstehenden Kosten werden aber in Form von abnehmenden Fischbeständen auf alle Fischer gleichmässig verteilt. Bleiben regulierende Eingriffe wie bspw. staatlich verordnete Fangquoten oder gar eine Privatisierung der öffentlichen Ressource aus, so führen diese Anreize zu einer übermässigen Nutzung der Fischgründe und schliesslich zu einem Kollaps der Fischbestände.
Ostroms Leistung liegt darin begründet, aufzuzeigen, dass das Vorhandensein von frei zugänglichen Ressourcen nicht zwangsläufig zu einer Übernutzung führt. Insbesondere ihr viel beachtetes Werk «Governing the Commons» birgt eine Fülle von detailiert recherchierten Fallbeispielen, welche die Diskussion um ein wichtiges Argument erweitert: Die Effektivität der kollektiven Selbstverwaltung von öffentlichen Naturressourcen.
Dabei ist die zugrunde liegende Idee bestechend simpel: Eine Gemeinschaft ist häufig von sich aus an einer dauerhaften Verfügbarkeit der Ressource interessiert, ist diese doch oftmals Grundlage für zukünftiges Einkommen. Es besteht daher ein ausgeprägtes Motiv, eine Übernutzung effektiv zu unterbinden.
Daraus kann jedoch nicht abgeleitet werden, dass in jedem Fall eine funktionierende Regelung erarbeitet und auch durchgesetzt werden kann. Denn je grösser und unterschiedlicher eine Gemeinschaft und ihre Interessen sind, desto schwieriger wird es, eine Einigung zu erzielen. Staatliche Eingriffe können also durchaus angezeigt sein, wobei sich auch Ostrom nicht grundsätzlich gegen diese ausspricht. Nur stellt sie deren uneingeschränkte Nützlichkeit in Frage.
Unabhängig vom gewählten Lösungsansatz – staatlicher Eingriff, Privatisierung oder kollektive Selbstverwaltung - kann aber von einer besseren Akzeptanz der vereinbarten Regeln ausgegangen werden, wo immer die betroffene Bevölkerung in den Entscheidungsprozess mit eingebunden wird. Auch in diesem Bereich setzt Ostrom wichtige Akzente.
Verdienstreich ist Ostroms Forschungsbeitrag schliesslich auch daher, weil sie den Fokus auf die im konkreten Fall herrschenden Anreizstrukturen legt. Jede Form von Eingriff in ein bestehendes System führt zu einer Veränderung der Rahmenbedingungen und schliesslich zu einer Anpassung im Verhalten der verschiedenen Interessengruppen.
Mit Sicherheit lässt sich daher eines festhalten: Wann immer einfache Lösungsansätze im Umgang mit öffentlichen Naturressourcen offeriert werden, ist eine gute Portion Skepsis angebracht.
Für das iconomix-Team,
Pascal Sulser
Weiterführende Informationen:
- iconomix-Modul «Allmendegüter»
- iconomix-Blog (22.09.09): «Die Effektivität der Gemeinschaft»
- 1 Kommentare
Hallo Pascal das ist mal wieder ein sehr Interessantes Thema. Ich wollte nur mal die Meinung uber Obamas Friedens Preis horen? MFG Matthias
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