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Studienwoche «Finanzplatz Schweiz»
Schweizer Jugend forscht führt dieses Jahr die zweite Studienwoche zum Thema «Finanzplatz Schweiz» durch, vom 13. bis 18. September 2010. Schweizer Jugend forscht will damit interessierten Jugendlichen einen Blick hinter die Kulissen des Finanzplatzes ermöglichen. Die Jugendlichen lernen anhand praxisbezogener Fragestellungen, wie man eine wirtschaftswissenschaftliche Projektarbeit aufbaut, durchführt und die Ergebnisse dokumentiert. Namhafte Akteure aus der Finanzbranche – darunter die Schweizerische Nationalbank, vertreten durch iconomix - öffnen während dieser fünf Tage ihre Tore und stellen die fachliche Betreuung der Teilnehmenden sicher.
iconomix bietet im Rahmen der Sonderwoche drei attraktive und brandaktuelle Themen zur Auswahl an:
Thema 1: Geldpolitische Entscheidung in ausserordentlichen Zeiten. Die SNB führt als unabhängige Zentralbank die Geld- und Währungspolitik der Schweiz. Sie muss sich gemäss Verfassung und Gesetz vom Gesamtinteresse des Landes leiten lassen, als vorrangiges Ziel die Preisstabilität gewährleisten und dabei die Konjunktur berücksichtigen. Die Jugendlichen versetzen sich in diesem Projekt in die Rolle der SNB und nehmen an, dass Sie heute einen Zinsentscheid treffen müssen. Sie entscheiden aufgrund der ihnen verfügbaren Informationen zur aktuellen Wirtschaftslage und begründen ihren Entscheid mit ökonomischen Überlegungen. Mit dem Projekt verbunden ist der Besuch bei einem Senior Researcher der SNB.
Thema 2: Umsetzung der Geldpolitik in ausserordentlichen Zeiten. Die SNB setzt ihre Geldpolitik u. a. mittels der Steuerung des Zinsniveaus auf dem Franken-Geldmarkt um. Als Referenzzinssatz dient der Dreimonats-Libor. Diesen beeinflusst die SNB indirekt über gesicherte Geldmarktgeschäfte, sogenannten Repogeschäften. Die Jugendlichen gehen in diesem Projekt folgenden Fragen nach: Wie wird Frankenliquidität geschaffen, wie wird sie wieder abgeschöpft? Was sind gegenwärtig, wo der Franken gegenüber dem Euro unter grossem Aufwertungsdruck steht, besondere Herausforderungen? Mit dem Projekt verbunden ist der Besuch bei einem Geldmarkt- und Devisenspezialisten.
Thema 3: Stabilität des Finanzsystems in der Schweiz. Die SNB hat den Auftrag, zur Stabilität des Finanzsystems beizutragen. Zudem spielt sie eine aktive Rolle bei der Schaffung stabilitätsfördernder regulatorischer Rahmenbedingungen. Dazu arbeitet sie eng mit der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA zusammen. Die Jugendlichen gehen in diesem Projekt folgenden Fragen nach: Was sind die gegenwärtigen Herausforderungen bei der Finanzmarktregulierung? Was ist unter der Too-big-to-fail-Problematik zu verstehen? Was sind diskutierte Ansätze, um die mit der Too-big-to-fail-Problematik verbundenen Risiken zu reduzieren? Mit dem Projekt verbunden ist der Besuch bei einem Spezialisten für Systemstabilität.
Die drei Workshops werden jeweils in den Sprachen Deutsch, Französisch und Englisch angeboten. Die Anforderungen an die Teilnehmenden sind ein Interesse an volkswirtschaftlichen Fragestellungen, Übung im Lesen längerer Texte, die Bereitschaft sich selbständig mit Fragestellungen auseinander zu setzen sowie Neugierde und Offenheit.
Die Struktur der Studienwoche orientiert sich an den traditionsreichen natur- und technikwissenschaftlichen Jugendförderwochen von Schweizer Jugend forscht. Junge Menschen aus der ganzen Schweiz (Sekundarstufe II) beschäftigen sich in kleinen Gruppen eine Woche lang unter fachlicher Anleitung mit einer gegebenen Fragestellung. Die Schlussveranstaltung findet im Beisein von Medien, Lehrpersonen, Familienangehörigen und Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft statt. Ergebnis aus jedem Workshop ist ein Poster, das die Teilnehmenden an der Schlussveranstaltung präsentieren, und ein Schlussbericht, den die Jugendlichen bis 14 Tage nach der Sonderwoche fertigstellen müssen, um eine Urkunde für ihre Teilnahme zu erhalten, und der schliesslich im Internet publiziert wird.
Die Anmeldung erfolgt über die Website von
Schweizer Jugend forschtwww.sjf.ch/.... Anmeldeschluss ist der 27. August 2010.
Für das iconomix-Team
Manuel Wält
Siehe auch den Artikel «
Schweizer Jugend forscht wieder(478 KB)http://www.iconomix.ch/fileadmin/user_upload/iconomix/blog/icx/10/FuW_Schweizer-jugend-forscht.pdf» (Finanz und Wirtschaft, 12. Juni 2010).
Finanzmarktreform: eine Zwischenbilanz
Damit sich die Finanzkrise nicht wiederholt, müssen die Finanzmärkte besser reguliert werden. Eine globale Finanzmarktreform muss her, darüber sind sich nationale und internationale Gremien einig – doch wie diese konkret aussieht, darüber wird noch immer verhandelt.
In der NZZ-Ausgabe vom 20. Juli 2010 zieht
Hansueli Schöchliwww.nzz.ch/... eine Zwischenbilanz über die bisher gefassten Beschlüsse und zeigt auf, wie weit die einzelnen Arbeiten an der «Baustelle Finanzmarktreform» vorangeschritten sind.
Wer angesichts der diversen Vorschläge zu Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften, geordneten Konkursverfahren und Bankenboni etwas den Überblick verloren hat, ist nach der Lektüre des Artikel wieder auf der Höhe.
Für das iconomix-Team
Simon Schmid
Eine Handelsromanze, Anno 1817
David Ricardos «Theorie der komparativen Kostenvorteile» wurde 1817 veröffentlicht und gilt als Basis der modernen ökonomischen Handelstheorie. Sie besagt, dass Länder sich in ihrer Produktion auf diejenigen Güter spezialisieren sollten, bei deren Herstellung sie – im Vergleich zu den anderen Ländern – relative Kostenvorteile haben.
Joris Morger und Andrin Heusser, Schüler der Kantonsschule Büelrain, haben Ricardo’s Theorie untersucht und ihre Erkenntnisse in einem
Stop-Motion-Filmwww.youtube.com/... festgehalten. Ausgangspunkt ist ein Briefwechsel zwischen der Königin von England und dem König von Portugal: Wein und Tücher sollen ausgetauscht werden, ein lukrativer Handel für beide Länder bahnt sich an… doch gibt es tatsächlich ein Happy End? Wie wird diese Handelsromanze ausgehen?
Wer’s wissen will, schaut sich den Film bis zum Schluss an (Auf’s Bild klicken):
Für das iconomix-Team
Simon Schmid
Südafrika: Road to Equality
Ein sportliches Grossereignis in der Heimat macht einen Menschen glücklicher als die Aussicht auf bessere Bildung oder gar eine Heirat – dies besagt eine Studie der beiden Ökonomen Georgios Kavetsosa und Stefan Szymanski. Hoffentlich gilt dies trotz des frühen Ausscheidens von «Bafana Bafana» bei der Fussball-WM 2010 auch für Südafrika.[1]
Südafrika bedeutet wirtschaftlich gesehen Industrie, Rohstoffe und Diamanten. Das Land erzeugt einen Viertel der gesamten afrikanischen Wirtschaftsleistung; sein BIP pro Kopf ist eines der höchsten auf dem Kontinent. Addiert man hierzu die landesweite, durch die Fussball-WM ausgelöste Begeisterung, dann müsste der durchschnittliche Südafrikaner ausserordentlich glücklich sein.
Die Realität sieht leider anders aus. In Südafrika herrscht grosse Ungleichheit: 20 Prozent der Haushalte werden zur Oberschicht gezählt, sie beziehen insgesamt 60 Prozent des gesamten südafrikanischen Einkommens. Demgegenüber beträgt das Einkommen der ärmeren 50 Prozent der südafrikanischen Haushalte zusammen nur rund 15 Prozent des Gesamteinkommens.[2]
Um Ungleichheit zu messen, verwenden Ökonomen unterschiedliche Verfahren. Eines der bekanntesten ist der Gini-Koeffizient, dessen Wertebereich zwischen 0 und 100 liegt. Mit ihm wird ermittelt, wie das Einkommen einer Gesellschaft über die einzelnen Bewohner verteilt ist. Ein Wert von 0 bedeutet, dass jeder gleich viel verdient. Je näher der Wert bei 100 liegt, desto grösser ist die Ungleichheit. Bei einem Wert von 100 würde das gesamte Einkommen des Landes auf eine Person entfallen.
Für das Jahr 2008 nimmt der Gini-Koeffizient der Einkommensverteilung für Südafrika einen Wert von 57,8 an. Damit zählt Südafrika weltweit zu den zehn Ländern mit der höchsten Einkommensungleichheit. Am anderen Ende der Rangliste steht Norwegen. Mit 25,8 weist es die ausgeglichenste Einkommensverteilung auf. Die Schweiz liegt mit einem Koeffizienten von 33,7 im vorderen Drittel.[3]
Besonders deutlich ist die Ungleichheit in Südafrika zwischen der schwarzen und der weissen Bevölkerung. Das hat historische Gründe: Südafrika ist noch immer geprägt von der Apartheid, einem System der Rassentrennung, das erst 1994 aufgehoben wurde. Davor waren die Rechte der schwarzen Bevölkerung massiv beschnitten. Schwarze durften beispielsweise nicht wählen und konnten nur «niedere» Tätigkeiten ausüben. Die Auswirkungen dieser Politik sind noch bis heute spürbar, in Form von Benachteiligung bei Bildung, Gesundheit und der Verteilung von Grund und Boden.
Die 2009 gewählte Regierung um Präsident Jacob Zuma will Armut und Arbeitslosigkeit unter der südafrikanischen Bevölkerung bis zum Jahr 2014 halbieren. Das sind ehrgeizige Ziele für eine Regierung, die eben noch gut 2,8 Mrd. Euro in Fussballstadien und öffentliche Infrastruktur für die WM investiert hat.[4] Viel Geld ist es auch gemessen daran, dass das Bildungs- und Gesundheitssystem Südafrikas grosse Schwachstellen aufweist und vielerorts auch heute noch Strom- und Wasserversorgung keine Selbstverständlichkeit sind.
Derzeit aber ist Südafrika in WM-Euphorie, und nach den Berechnungen von Kavetsosa und Szymanski wird diese bis zu einem halben Jahr über den finalen Schlusspfiff hinaus anhalten.
Für das iconomix-Team
Carolin Straus
[1] G. Kavetsosa und S. Szymanski (2010): «
South Africa: not so rich, but happier?freakonomics.blogs.nytimes.com/...»
[2] Kallie Szczepanski: «
Poverty and inequality in South Africawww.helium.com/...»
[3] World Bank (2009): «World Development Indicators»
[4] Zum Vergleich: Das entspricht in etwa einem Prozent des südafrikanischen BIPs. Deutschlands Ausgaben für die WM 2006 machten nur 0,3 Prozent am deutschen BIP aus.
Chile: der südamerikanische Tabellenführer
Lateinamerikanische Länder waren lange Zeit für ihre politische und wirtschaftliche Instabilität bekannt. Die jüngere Geschichte von Chile gibt dafür ein gutes Beispiel ab: nach einem sozialistischen Umschwung Ende der 1960er Jahre und einer radikal wirtschaftsliberalen Militärdiktatur in den 1970er und 1980er Jahren fand das Land erst in den 1990er Jahren den Weg zurück zur Demokratie.
Der Übergang zu Ordnung und Rechtsstaatlichkeit scheint dem Land dabei erstaunlich gut gelungen. Welche Indikatoren man auch betrachtet: mit wenigen Ausnahmen erscheint Chile unter den Ländern, welche die besten öffentlichen Institutionen aufweisen.
Zum Beispiel in der Statistik
Governance Mattersinfo.worldbank.org/.... Diese Statistik wird von der Weltbank erstellt, um die Qualität öffentlicher Institutionen wie der Politik, der Verwaltung und des Rechtssystems zu messen. Das Ranking drückt dabei aus, auf welchem Platz das Land in einer Weltrangliste von 100 Ländern zu finden wäre – das schlechteste Land erhält auf dieser Skala den Wert 0, das beste Land den Wert 100:[1]
| Kategorie | Ranking Chile |
|---|---|
| Wirksamkeit des politischen Systems, Leistungsfähigkeit öffentlicher Dienste | 84,8 |
| Kontrolle der Verwaltung, Eindämmung von Korruption | 87,0 |
| Rechtsstaatlichkeit, Schutz von Verträgen und Eigentum, Zugang zum Rechtssystem | 88,0 |
| Qualität und Zweckmässigkeit der wirtschaftlichen Regulierungen | 92,8 |
| Meinungs- und Verbandsfreiheit, politische Partizipation, Rechenschaftspflicht der Regierung | 76,9 |
| Politische Stabilität, friedliche Konfliktlösung, Gewaltfreiheit | 66,0 |
Gute Institutionen sind für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes von grossem Wert. Erstaunlicherweise wurde diese Erkenntnis jedoch lange Zeit vernachlässigt. Erst in den 1980er Jahren realisierte die Entwicklungsökonomie, dass gute Institutionen ein Schlüsselfaktor wirtschaftlicher Entwicklung sind: «governance matters», eben.[2]
Gute Institutionen verringern den Aufwand und die Unsicherheit, die mit einem wirtschaftlichen Unterfangen verbunden sind. Sie erhöhen die Bereitschaft von Privatpersonen oder Unternehmen, Ressourcen zu mobilisieren und ein Wagnis einzugehen. Gute Institutionen vereinfachen deshalb gewinnbringende Investitionen; sie führen dadurch zu effizienter Ressourcennutzung, zu höherem Wachstum und längerfristig zu höherem Wohlstand.
Umgekehrt sind schlechte Institutionen ein Hindernis für wirtschaftliche Tätigkeiten: Wer sich nicht auf das Rechtssystem eines Landes verlassen kann, der zögert, Verträge abzuschliessen und Investitionen zu tätigen. Wer sich im täglichen Geschäft mit ermüdenden Verwaltungsprozeduren und korrupten Beamten herumschlagen muss, verliert schnell seine Zeit, sein Geld und seine Nerven.
In der Forschung wurden diese Zusammenhänge empirisch untersucht. Eine wichtige Frage war dabei die Richtung der Wirkungskette: Führen gute Institutionen zu höheren Pro-Kopf-Einkommen? Oder verbessern sich Institutionen automatisch, wenn sich das Einkommen erhöht? Eine Studie der Weltbank-Ökonomen Daniel Kaufmann und Aart Kraay hat gezeigt, dass die Vermutungen dem ökonometrischen Test standhalten: gute Institutionen sind eine Ursache, und nicht nur eine Folge höheren Pro-Kopf-Einkommens.[3]
Zum Schluss eine Aufgabe: Finden Sie das andere südamerikanische Land, dessen Institutionen in den Statistiken ebenfalls gut abschneiden. Sie können dabei auf «
Governance Mattersinfo.worldbank.org/...», auf die Statistiken von
Transparency Internationalwww.transparency.org/..., auf den «
Ease of doing businesswww.doingbusiness.org/...»-Bericht der Weltbank oder auf den «
Global Competitiveness Reportwww.weforum.org/...» des World Economic Forum zurückgreifen. Ein kleiner Tipp: Das Land hat es an der Fussball-WM – im Gegensatz zu Chile – in die Viertelfinals geschafft!
Für das iconomix-Team
Simon Schmid
[1] World Bank (2009): «
Governance Matters 2009http/...».
[2] Sinngemäss: «Auf gute Regierungsinstitutionen kommt es an».
[3] Daniel Kaufmann und Aart Kraay (2002): «
Growth Without Governanceciteseerx.ist.psu.edu/...».
Staatsschuldenkrise: Ursachen und Auswirkungen
Warum sind die südeuropäischen Staaten in Finanzprobleme geraten? Was hat die Staatengemeinschaft dagegen unternommen? Was sind die Herausforderungen für die betroffenen Staaten und den Euroraum als ganzes?
Diesen Fragen geht die aktuelle Ausgabe von «Konjunkturtendenzen» nach. Passend zur vierteljährlich erscheinenden Publikation des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) bietet der
iconomix-Baustein «Konjunkturtendenzen»http://www.iconomix.ch/de/alacarte/detail/a026/ ein Set von Arbeitsaufträgen mit der dazu gehörigen Musterlösung an.
Das Vertiefungsthema der
Ausgabe Sommer 2010http://www.iconomix.ch/de/alacarte/detail/a026/journal/konjunkturtendenzen-25-juni-2010/ lautet «Staatsschuldenkrise im Euroraum» (siehe Arbeitsauftrag ab S. 6) - es könnte nicht aktueller sein.
Für das iconomix-Team
Simon Schmid
Nachtrag zu «Geldpolitik und der Transmissionsprozess»
Im Rahmen des «Securities Markets Programme» hat die EZB am 11. Mai begonnen, Staatsanleihen finanziell angeschlagener Länder aufzukaufen (siehe den Beitrag «
Geldpolitik und der Transmissionsprozesshttp://www.iconomix.ch/de/service/blog/archive/2010/06/17/geldpolitik-und-der-transmissionsprozess/»). Für die Öffentlichkeit zeichnet sich im Nachhinein ab, dass mit dieser Massnahme faktisch eine weitere Bankenkrise vermieden worden ist.
Im Artikel «
Waiting for the big onewww.economist.com/...» zählt der
Economistwww.economist.com die Indikatoren auf, die in besagtem Zeitraum nach oben ausschlugen und ein Einschreiten der EZB nahe legten: Der
Liborde.wikipedia.org/... (Zinssatz für dreimonatige Geldausleihen unter Banken) kletterte in die Höhe und die Renditen auf
Credit Default Swapsde.wikipedia.org/... (Kreditausfallversicherungen) von europäischen Grossbanken erreichten Werte, die zuletzt beim Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers beobachtet worden waren.
«
Ein zweites Lehman im Mai(172 KB)http://www.iconomix.ch/fileadmin/user_upload/iconomix/blog/icx/10/Sueddeutsche-Ein_Zweites_Lehman_im_Mai.pdf», titelt deshalb die
Süddeutsche Zeitungwww.sueddeutsche.de: Am Zahlungsausfall von mehreren Bankengruppen des Eurogebiets sei man Anfangs Mai nur knapp vorbeigekommen. Auch sechs Wochen später haben Banken das Vertrauen untereinander noch nicht wiedergewonnen – Banken legen ihre überschüssige Liquidität nun zunehmend bei der EZB an, anstatt sie anderen Banken auszuleihen.
Wer sich direkt an der Quelle informieren möchte, ist bei der
EZBwww.ecb.int/... und ihrem 220 Seiten starken
Monatsberichtwww.ecb.int/... vom 17. Juni 2010 an der richtigen Stelle. Auf Seite 36 werden in der Box 3, «Developments in Financial Markets in Early May», die damaligen Entwicklungen auf dem Kapital-, Geld- und Devisenmarkt beschrieben.
Für das iconomix-Team
Simon Schmid
Immobilienpreise
Immobilien kosteten in der Schweiz im Jahr 2008 rund 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Jahr 2009 war nochmals eine Preissteigerung von 5 Prozent zu beobachten. Dies geht aus einer Grafik hervor, welche die jährliche Veränderung der Preise für Einfamilienhäuser über die letzten 40 Jahre zeigt (Klick auf die Grafik, um zu vergrössern):
In einer Phase rasch steigender Preise befand sich der Immobilienmarkt letztmals Ende der 1980er Jahre. Damals verzeichneten Immobilienpreise sogar einen jährlichen Preisanstieg von 10 Prozent und mehr. Im Vergleich dazu ist die heutige Situation weniger dramatisch. Trotzdem ist Vorsicht geboten: wenn sich der gegenwärtige Trend noch weiter verstärkt, könnte sich am Immobilienmarkt eine Blase bilden.[1]
Von einer Immobilienblase spricht man, wenn die Marktpreise von Immobilien stark über ihren «fundamentalen Wert» – den wahren, realistischen Wert einer Anlage – steigen. Immobilienblasen haben ihre eigene Dynamik: In Erwartung steigender Preise werden Immobilien gekauft, denn «heute ist es günstiger als morgen». Dies wiederum treibt den Preis von Immobilien in die Höhe und bestätigt damit die Erwartungen der Käufer: die Preise steigen.
Gleichzeitig dazu steigt das Volumen der Hypothekarkredite an. Diese Kredite werden von Banken vergeben und dienen dem Kauf von Immobilien. Hypothekarkredite sind durch den Verkaufswert der Immobilien gedeckt: Kann ein Immobilienbesitzer seine Zinsen nicht bezahlen, so geht die Immobilie in den Besitz der Bank über.
Beim Anstieg des Kreditvolumens spielt ein tiefes Zinsniveau eine wesentliche Rolle: Kommen die Banken selbst günstig zu Geld, so können sie Kunden, die am Kauf einer Immobilie interessiert sind, günstige Zinskonditionen anbieten. Durch die tiefen Hypothekarzinsen verringern sich die Finanzierungskosten des Kredits – und die Anzahl der Leute, die einen Hypothekarkredit aufnehmen, steigt.
Damit sich in einem Immobilienmarkt eine Blase bildet, braucht es jedoch mehr als tiefe Zinsen. Eine grosse Rolle spielt dabei die Praxis der Kreditvergabe der Banken: Welche Hypothekenmodelle werden angewendet? Welche Standards gelten bei der Prüfung der Kreditwürdigkeit von Kunden? Wie konsequent werden sie eingehalten?
In den USA bildete sich in den Jahren 2000 bis 2006 eine Immobilienblase. In Bezug auf die Vergabepraxis lässt sich aus dieser Zeit einiges lernen. Banken gewährten damals zuhauf sogenannte «Subprime»-Hypotheken. Diese Kredite wurden – im Gegensatz zu den als «Prime» bezeichneten, erstklassigen Hypotheken – an Personen vergeben, die eigentlich gar nicht kreditwürdig sind.
Schuldner im Subprime-Bereich haben unsichere Einkommensaussichten und können keine Eigenmittel zum Immobilienkauf beisteuern. Ihre Hypotheken beinhalten zudem oft keinen Abzahlungsplan – die Tragbarkeit der Hypothek stützt sich einzig auf die Annahme, dass der Kreditnehmer die Immobilie zum selben oder zu einem höheren Preis weiterverkaufen kann.
In der Schweiz kennt man solche Hypothekarprodukte bisher nicht, und Banken sind vergleichsweise vorsichtig bei der Kreditvergabe. Die «goldene Regel» am Schweizer Hypothekenmarkt besagt, dass Liegenschaften höchstens zu 80 Prozent belehnt werden sollten. Innerhalb von rund 20 Jahren sollte die Schuld zudem bis auf 65 Prozent des Objektwertes abbezahlt werden. Eine Hypothek auf 100 Prozent des Objektwertes gibt hierzulande keine Bank.
Ist also alles in Butter am Schweizer Immobilienmarkt? Jein – denn nebst der Tatsache, dass die Zinsen nun schon seit bald zwei Jahren sehr tief sind, mehren sich inzwischen die Anzeichen, dass Banken zunehmend locker mit Kreditvergabestandards umgehen. So hat sich die Summe der Hypothekarkredite, die eigentlich internen Kreditstandards zuwiderlaufen, in den letzten drei Jahren mehr als verdoppelt.[2]
Für das iconomix-Team
Simon Schmid
Vergleiche dazu den letzten Text- und Frageblock in den
Politics-Economics vom 27. Juni 2010http://www.iconomix.ch/de/alacarte/detail/a015/journal/politics-economics-27-juni-2010/.
[1] Siehe Blogbeitrag vom 2. März 2009: «
Spekulationsblasenhttp://www.iconomix.ch/de/service/blog/archive/2009/03/02/spekulationsblasen/»
[2] Schweizerische Nationalbank:
Financial Stability Report 2010www.snb.ch/...
Südkorea: Das Wunder am Han-Fluss
Mit dem Ende des Koreakrieges im Jahr 1953 wurde die koreanische Halbinsel in zwei Staaten aufgeteilt. Nordkoreas Entwicklung wird seither durch eine kommunistische Diktatur bestimmt, die das Land in wirtschaftlicher Autarkie hält. Südkorea dagegen begab sich auf einen wirtschaftlichen Öffnungskurs und liess den Import und Export von Waren und Dienstleistungen zu.
Aus ökonomischer Sicht war dies eine weise Entscheidung. Öffnet ein Land seine Grenzen für den Handel, so nimmt es am Wohlstand der übrigen Welt teil. Mehrere Gründe sind dafür verantwortlich:
(1) Durch den Handel kann ein Land seine «komparativen Vorteile» ausschöpfen und sich auf die Herstellung jener Produkte spezialisieren, für die es – im Verhältnis zu den Bedingungen im Ausland – die besten Voraussetzungen hat. So kann es dem Ausland seine eigenen Produkte vergleichsweise günstig verkaufen und im Gegenzug diejenigen Produkte importieren, die das Ausland günstig herstellen kann.[1]
(2) Haben Unternehmen einen grösseren Absatzmarkt, so können sie grössere Mengen ihrer Produkte gewinnbringend verkaufen bzw. den Preis für ihre Produkte tiefer ansetzen – die Unternehmen profitieren von sogenannten «Skaleneffekten».
(3) Wirtschaftliche Öffnung erzeugt langfristig ein höheres Wirtschaftswachstum: Mit der Teilnahme am Welthandel importiert ein Land automatisch den technologischen Fortschritt anderer Länder. Unternehmen erhalten so laufend Zugang zu den neuesten und günstigsten ausländischen Produkten, und können ihrerseits eine höhere Wirtschaftsleistung erbringen.
(4) Auch der internationale Wettbewerb übt eine dynamisierende Wirkung auf die Wirtschaft aus: Sehen sich Unternehmen ausländischer Konkurrenz gegenübergestellt, so ist dies ein Anreiz, selbst die technologischen Weiterentwicklung voranzutreiben und so effizient wie möglich zu produzieren. In dieser Hinsicht können gerade kleine Volkswirtschaften (wie Südkorea oder auch die Schweiz) besonders profitieren.
Das Rezept, welches die südkoreanische Regierung ihrer Wirtschaft in den 1960er Jahren verschrieb, lautete «exports first». Zur Förderung des Handels erhielten strategisch wichtige Firmen in der verarbeitenden Industrie, in der chemischen Industrie und später in der Elektronik gezielte Unterstützung: je mehr Exporte die Firmen vorweisen konnten, desto eher erhielten sie Zugang zu günstigen Darlehen, Import- und Steuererleichterungen.[2]
Die Strategie stellte sich als erfolgreich heraus: Zwischen 1962 und 1989 erhöhte sich das Exportvolumen im Vergleich zum BIP von 2,3 Prozent auf 27,8 Prozent; Südkoreas BIP pro Kopf wuchs in dieser Zeit jährlich um 7,1 Prozent. Man sprach vom «Wirtschaftswunder am Han-Fluss».
Ende der 1980er Jahre wurde die gezielte Förderung einzelner Branchen ausgeweitet auf eine generelle Handelsliberalisierung. Importzölle wurden systematisch abgebaut und der heimische Markt wurde für ausländische Produkte geöffnet. Den Südkoreanischen Unternehmen hat dies nicht geschadet: Südkorea wurde 2009 als
innovativstes Land der Welten.wikipedia.org/... ausgezeichnet.
Südkoreas Wirtschaft ist heute bekannt für ihre grossen Firmenkonglomerate wie Samsung, LG und Hyundai-Kia. Von Schiffen über Autos bis zu Fernsehern und Handys stellt Südkorea heute jedes erdenkliche Industrieprodukt her – und steht damit in grossem Kontrast zum Nachbarn Nordkorea, das politisch und wirtschaftlich isoliert ist und international höchstens durch Waffenschmuggel und Atomtests Aufsehen erregt.
Die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den beiden Koreas lassen sich sogar vom Weltall aus erkennen: Die Umrisse von Südkorea sind nachts durch die Lichter seiner Städte gut erkennbar – wohingegen Nordkorea auf der Satellitenaufnahme ein dunkler Fleck bleibt.
Für das iconomix-Team
Simon Schmid
[1] Wie komparative Vorteile funktionieren, lässt sich im iconomix-Modul «
Arbeitsteilung und Handelhttp://www.iconomix.ch/de/module/detail/m02/» spielerisch erfahren.
[2] Charles Harvie und Hyun-Hoon Lee (2003): «
Export Led Industrialisation and Growth – Korea’s Economic Miracle 1962-89www.ekh.lu.se/...»
Geldpolitik und der Transmissionsprozess
Eine Einführung in die wichtigsten Wirkungszusammenhänge der Geldpolitik bietet das iconomix-Modul «
Geldpolitikhttp://www.iconomix.ch/de/module/detail/m04a/». Gute Vertiefungen zum Thema finden sich in volkswirtschaftlichen Lehrbüchern für die Gymnasialstufe; so z. B. in Aymo Brunettis im hep verlag erschienenem Buch «
Volkswirtschaftslehre – Eine Einführung für die Schweizwww.hep-verlag.ch/...», oder in Peter Eisenhuts «
Aktuelle Volkswirtschaftslehrewww.rueggerverlag.ch/...», erschienen im Rüegger Verlag.
Diese Lehrbücher stellen unter anderem die geldpolitischen Instrumente und Ziele der
Schweizerischen Nationalbankwww.snb.ch/... (SNB) vor: Mittels sogenannter Offenmarktoperationen steuert die SNB den Libor, d. h. den Zinssatz, zu dem sich die Banken gegenseitig Geld ausleihen. Dadurch beeinflusst sie die Geldmenge im Banken- und Wirtschaftssystem und nimmt damit einen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung. Ziel der SNB ist es, die Stabilität der Preise zu gewährleisten und dabei die Konjunktur zu berücksichtigen.
Wie aber funktioniert dieser Prozess genau? Kürzlich hat die NZZ einen Artikel von
Claudia Aebersold Szalaywww.nzz.ch/... publiziert, der sich vertieft mit der Wirkungsweise der Geldpolitik beschäftigt. Anlässlich der Käufe griechischer Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) – der
iconomix-Bloghttp://www.iconomix.ch/de/service/blog/archive/2010/05/14/mit-der-bazooka-gegen-die-ansteckung/ berichtete über diese aufsehenerregende Entscheidung – wirft die Autorin Licht auf den sogenannten «Transmissionsprozess» der Geldpolitik.
Dieser Prozess sorgt dafür, dass die Zinsentscheide der Zentralbanken die erwünschten Reaktionen von Geschäftsbanken im Geld- und Kapitalmarkt hervorrufen. Die Bankgeschäfte beeinflussen ihrerseits die Zinsen auf Spareinlagen und Krediten und wirken sich so auf die Ausgabeentscheidungen von Konsumenten und Produzenten und auf die Preise für Güter und Dienstleistungen aus. So kommt die Politik der Zentralbank – mit einer gewissen Verzögerung – in der Realität an.
Wie in anderen Märkten auch, kann es auf dem Geldmarkt jedoch zu Störungen kommen, welche die Wirkung der Geldpolitik beeinträchtigen; so geschehen während der Finanzkrise des Jahres 2008, sowie jüngst im Zusammenhang mit dem drohenden griechischen Staatsbankrott: Banken stellten einander keine Liquidität mehr zur Verfügung, weil sie das Griechenland-Engagement ihrer Konkurrentinnen nicht einschätzen konnten – worauf die EZB zu den besagten, unkonventionellen Mitteln griff.
Wer nun wissen möchte, wie die Sache wirklich im Detail aussieht, liest Szalays Artikel: «
Wenn die Politik der EZB nicht mehr richtig ankommtwww.nzz.ch/...».
Für das iconomix-Team
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