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Neue Lehrmaterialien publiziert
Diese Woche hat iconomix vier neue Bausteine publiziert. iconomix-Bausteine sind vielfältig einsetzbare und praxisnahe Fallstudien, Lernspiele, Fachtexte usw., die sich relativ leicht in bereits entwickelte Unterrichtssequenzen einbauen lassen.
Anlagefonds http://www.iconomix.ch/de/alacarte/detail/a043/: «Nicht alle Eier in denselben Korb legen» ist in der Finanztheorie und anderswo ein bewährtes Mittel, mit Risiken umzugehen. Nach diesem Prinzip funktionieren auch Anlagefonds. Die Lernenden erfahren in dem Baustein, was ein Anlagefonds ist, wie er funktioniert und was die Vor- und Nachteile davon sind. Zum Baustein gehört ein Set alltagsnaher Arbeitsaufträge. Niveau: Mittel.
Budgetspiel http://www.iconomix.ch/de/alacarte/detail/a033/: Dieser Baustein beschäftigt sich mit der Erstellung von Haushaltsbudgets. Die Lernenden stellen Recherchen über die Kosten des täglichen Lebens an und entwerfen davon ausgehend ein Monatsbudget für ein spezifisches Haushaltsprofil. Niveau: Mittel. (Deutsche Adaption des französischen Bausteins «Budget – Jeu des enveloppes» von Yvan Péguiron.)
Erdöl http://www.iconomix.ch/de/alacarte/detail/a042/: Der Erdölpreis ist ein Schlüsselfaktor der Weltwirtschaft. Mit einem Anteil von rund 35% am weltweiten Energieverbrauch ist Erdöl der wichtigste Energieträger, vor Kohle und Erdgas. Der Verkehr wird gar zu rund 90% von Erdöl angetrieben. Die Fallstudie (entstanden in Kooperation mit dem Lehrbuchautor Peter Eisenhut) konzentriert sich auf die Frage der Preisbildung in der kurzen und der langen Frist. Niveau: Mittel bis anspruchsvoll.
Wachstum und Entwicklung http://www.iconomix.ch/de/alacarte/detail/a038/: Warum ist die Schweiz ein so reiches Land – und sind viele andere Länder so arm? Was ist Wirtschaftswachstum – und was treibt es an? Wie ist das Wachstumswunder «China» zu erklären? Von solchen und ähnlichen Fragen handelt dieser Baustein. Niveau: Mittel bis anspruchsvoll.
Für das iconomix-Team
Manuel Wälti
Wirtschaftspolitische Bildung im Ökonomieunterricht
Der Ökonomieunterricht beinhaltet nicht nur die Vermittlung von Konzepten wie Wirtschaftskreislauf oder Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (wer mit iconomix unterrichtet, dem kommen an dieser Stelle
noch ganz andere Themen http://www.iconomix.ch/de/service/didaktisches-konzept/oekonomische-grundprinzipien/ in den Sinn), sondern auch um die Erziehung der Lernenden zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern.
Für die direktdemokratische Schweiz, in der die Stimmberechtigten regelmässig zu wirtschaftspolitischen Sachfragen Stellung beziehen, gilt dies in besonders hohem Mass.
Diese wirtschaftspolitischen Sachfragen sind nicht selten recht komplex. Sich sachlich über die Vor- und Nachteile einer Vorlage zu informieren und das Material für den Unterricht zusammen zu stellen, ist zeitraubend.
vimentis.ch http://www.vimentis.ch/ bietet hier Unterstützung. Vimentis ist ein politisch breit abgestützter Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, den Informationsstand der Bevölkerung zu politischen Themen zu verbessern. Vimentis bietet deshalb seit Jahren ausgewogene Informationen zu aktuellen Abstimmungsvorlagen an: einfach verständlich, umfassend und doch kurz gefasst.
Im Hinblick auf die Abstimmungsthemen vom 11. März 2012 hat Vimentis kürzlich Informationen zu folgenden Vorlagen publiziert:
- «Initiative für 6 Wochen Ferien für alle» (Durch einen höheren Mindestanspruch auf bezahlte Ferien soll ein besserer Ausgleich zwischen Arbeitsbelastung und Erholung geschaffen werden.)
- «Buchpreisbindung» (Die Verleger sollen künftig für alle Bücher in der Schweiz die Preise festlegen können.)
- Weitere Informationen gibt es über die «Bauspar-Initiative», die Initiative «Schluss mit uferlosem Bau von Zweitwohnungen» und den Gegenentwurf zur Volksinitiative «Für Geldspiele im Dienste des Gemeinwohls».
Für das iconomix-Team
Manuel Wälti
Crashkurs in Sachen Nationalbank auf DRS 3
Am Dienstag 31.1. war im Rahmen der aktuellen Wirtschaftswoche auf DRS 3 die SNB das Thema.
Dewet Moser, Stellvertretendes Mitglied des Direktoriums, und Attilio Zanetti, Leiter der SNB-Einheit Konjunktur, gaben Erklärungen zu den Themen Euro Mindestkurs, Geldschöpfung und Preisstabilität (die Gewährleistung von Letzterer gehört zum Kernauftrag der SNB).
Hier die drei Hörbeitrage von je rund drei Minuten im MP3-Format:
Euro Mindestkurs (Dewet Moser)
(2.4 MB)http://www.iconomix.ch/fileadmin/user_upload/iconomix/blog/icx/11/drs3_dewet-moser-1.mp3
Geldmenge und Geldschöpfung (Dewet Moser)
(1.8 MB)http://www.iconomix.ch/fileadmin/user_upload/iconomix/blog/icx/11/drs3_dewet-moser-2.mp3
Preisstabilität (Attilio Zanetti)
(2.1 MB)http://www.iconomix.ch/fileadmin/user_upload/iconomix/blog/icx/11/drs3_dewet-moser-3.mp3
Lesen Sie auch «
Crashkurs Wirtschaft http://www.iconomix.ch/de/blog/archive/2012/01/31/crashkurs-wirtschaft/».
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Manuel Wälti
Crashkurs Wirtschaft
Wirtschaft ist diese Woche (30.1. bis 3.2.) das grosse
Thema auf DRS 3 http://www.drs3.ch/www/de/drs3/315116.crashkurs-wirtschaft.html. Die Programmmacher wollen Zusammenhänge aufzeigen, Hintergründe beleuchten und die Zuhörer fit machen für spannende Wirtschaftsdiskussionen.
Den Anfang machte gestern Abend 30.1. ein
hörenswertes Interview http://www.drs3.ch/www/de/drs3/sendungen/top/focus/2655.sh10209682.html mit Reiner Eichenberger, ordentlicher Professor für Theorie der Finanz- und Wirtschaftspolitik an der Universität Fribourg (unifr.ch). Eichenberger ist aufgrund seiner Medienpräsenz in der Schweiz einem breiten Publikum bekannt und schreibt u.a. für den Blog
Ökonomenstimme http://www.oekonomenstimme.org/autoren/reiner-eichenberger/.
Wir bleiben dran und berichten, falls wir im Verlauf der Woche auf weitere Leckerbissen stossen sollten.
Für das iconomix-Team
Manuel Wälti
Wachstum ohne Ende?
Dank Erfindungen wie der Dampfmaschine oder dem Benzinmotor hat sich die Wirtschaftsleistung der industrialisierten Welt in den letzten zwei Jahrhunderten kontinuierlich erhöht. Der Fluss von Erfindungen und Entwicklungen, der die Zunahme des Wohlstands für breite Bevölkerungsschichten möglich gemacht hat, ist jedoch kein Zufall. In den Worten des amerikanischen Ökonomen
William Baumol http://w4.stern.nyu.edu/faculty/facultyindex.cgi?id=372 hängt er zusammen mit der historischen Herausbildung einer neuen Wirtschaftsform: der «marktwirtschaftlichen Innovationsmaschine».[1]
Im Herzen der marktwirtschaftlichen Innovationsmaschine stehen gewinnorientierte Unternehmen, die zueinander im Wettbewerb stehen. Wollen diese Unternehmen im Geschäft bleiben, so sind sie dazu gezwungen, mögliche Produktivitätsverbesserungen beständig auszuschöpfen und das Rad der technologischen Entwicklung fortlaufend weiterzudrehen. Mit ihren Bemühungen um Effizienz und Innovation sorgen die Unternehmen dafür, dass laufend neue Produkte entwickelt und bekannte Produkte zu günstigeren Preisen hergestellt, verkauft und konsumiert werden können.
Die Wirtschaftsleistung der heutigen Industrieländer ist im Durchschnitt über die vergangenen zwei Jahrhunderte um rund zwei Prozent pro Jahr gewachsen. Doch auch der Energiebedarf und der Ressourcenverbrauch der Wirtschaft sind in diesem Zeitraum stetig angestiegen. Diese Entwicklung, die lange Zeit als wünschenswert und problemlos erschien, bereitet ökologisch denkenden Wissenschaftlern zunehmend Kopfzerbrechen: Angesichts der Klimarisiken und Umweltbelastungen, die das Wirtschaftswachstum der letzten zwei Jahrhunderte mit sich gebracht hat, erscheint es ihnen fraglich, wie lange dieses Wachstum noch im selben Tempo vorangetrieben werden kann und soll.
Berechnungen des britischen Umweltökonomen
Tim Jackson http://www.ces-surrey.org.uk/people/staff/tjackson.shtml aus dem Jahr 2009 illustrieren diese Zweifel: Jackson zufolge nähme eine Weltwirtschaft, in der Industrieländer weiterhin beständig mit zwei Prozent pro Jahr wachsen und Entwicklungsländer eine stete Annäherung an westliche Lebensstandards erreichen, bald immense Züge an. Gemessen am gesamten BIP aller Länder wäre sie bis zum Ende des 21. Jahrhunderts etwa 40 Mal grösser als heute.[2]
Für optimistische Wissenschaftler ist dies kein unrealistisches Bild: Sie gehen davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum künftig von seiner Beziehung zur Umwelt «entkoppeln» wird, und sich die Wirtschaftsleistung ohne zusätzlichen Ressourcenverbrauch und Schadstoffausstoss weiter steigern lässt. Möglich würde dies dank dem Einsatz von effizienteren, umweltfreundlicheren Technologien und einer generellen Verlagerung der Wertschöpfung – weg von ressourcenintensiven Landwirtschafts- und Industrietätigkeiten, hin zu wissensbasierten Dienstleistungen.
Skeptische Wissenschaftler halten dies für unrealistisch und verweisen auf den «Rebound-Effekt». Dieser besagt, dass Effizienzverbesserungen nicht zwingend zu einer Abnahme der Umweltbelastung führen. Die Erklärung dafür liegt in der wirtschaftlichen Grundlogik der Sache: Effizienzverbesserungen bei der Herstellung von Produkten oder in deren Energieverbrauch führen zu einer Vergünstigung und fördern dadurch den Mehrverbrauch. Beispielsweise ermöglicht ein effizienteres Auto zwar das Einsparen von Benzin; es verleitet jedoch gleichzeitig dazu, mehr Kilometer zurückzulegen – wobei sich der Benzinverbrauch im Endeffekt möglicherweise sogar erhöht.[3]
Rebound-Effekt hin oder her: Die zukünftigen Anforderungen an die die Innovationskraft der Wirtschaft werden enorm. Laut Jackson fällt heute bei jedem US-Dollar an globaler Wirtschaftsleistung ein CO2-Ausstoss von knapp 800 Gramm an. Geht man vom oben geschilderten Wachstumsszenario aus, so müsste sich dieser Wert bis zum Jahr 2050 auf unter 10 Gramm CO2 pro US-Dollar verringern, um die atmosphärische CO2-Konzentration auf dem von der UNO angestrebten Wert zu halten. Dafür müsste die CO2-Intensität der Weltwirtschaft jährlich um rund 11 Prozent sinken.
Angesichts dieser Zahlen stellen sich einige grundsätzliche Fragen: Ist die marktwirtschaftliche Innovationsmaschine leistungsfähig genug, Effizienzverbesserungen in dieser Grössenordnung hervorzubringen? Und sind unsere Gesellschaften auch bereit, die richtigen Einstellungen – sprich: finanzielle Anreize und veränderten Konsumgewohnheiten – an dieser Maschine vorzunehmen? Falls nicht, so müssen wir wohl oder übel unsere Wachstumsvorstellungen in Zukunft etwas herunterschrauben.[4][5]
[1] William J. Baumol (2002): «The Free-Market Innovation Machine»
[2] Tim Jackson (2009): «
Prosperity without growth? The transition to a sustainable economy? http://www.sd-commission.org.uk/publications.php?id=914» Bericht der Britischen Kommission für nachhaltige Entwicklung.
[3] Vgl. dazu: UK Energy Research Center (2007): «
The Rebound Effect http://www.ukerc.ac.uk/support/tiki-index.php?page=ReboundEffect»
[4] Der Publizist
Urs P. Gasche http://de.wikipedia.org/wiki/Urs_P._Gasche und der Ökonom
Boris Zürcher http://www.avenir-suisse.ch/725/boris-zurcher/ lieferten sich auf Radio DRS 4 kürzlich ein Rededuell zum Thema «
Die Grenzen des Wachstums http://www.drs4news.ch/www/de/drs4/sendungen/drs-4-talk/5733.sh10208955.html». Das Gespräch zeigt, wie unterschiedlich die vorherrschenden Ansichten über die Möglichkeiten nachhaltigen Wirtschaftswachtums sind.
[5] Auch das «World Economic Forum» in Davos widmet sich dieses Jahr vertieft dem Thema «
Nachhaltiger Konsum http://www.weforum.org/».
Europa droht ein verlorenes Jahrzehnt
In einer Interviewserie mit renommierten Ökonomen leuchtet «Finanz und Wirtschaft» das Thema Eurokrise aus. In der gestrigen Ausgabe vom 18. Januar war Ökonomieprofessor Kenneth Rogoff an der Reihe.
«Kaum ein Ökonom ist besser qualifiziert als Kenneth Rogoff, um über Europas Schuldenkrise zu sprechen. Zusammen mit seiner Kollegin Carmen Reinhart hat der Harvard-Professor das wohl wichtigste Wirtschaftsbuch der vergangenen vier Jahre verfasst: ‹This Time is Different – Eight Centuries of Financial Folly› (2009) untersucht alle namhaften Finanzkrisen der letzten Jahrhunderte und leitet daraus wichtige Folgerungen ab.»
So die Einleitung zum sehr lesenswerten Interview, das wir hier freundlicherweise als PDF verlinken dürfen (
Teil 1(552 KB)http://www.iconomix.ch/fileadmin/user_upload/iconomix/blog/icx/11/fw_021_1801.pdf,
Teil 2(534 KB)http://www.iconomix.ch/fileadmin/user_upload/iconomix/blog/icx/11/fw_022_1801.pdf).
Rogoffs Fazit ist klar: Griechenland, Portugal, Irland und wahrscheinlich auch Spanien sind insolvent und benötigen einen Schuldenschnitt. Andernfalls droht Europa ein verlorenes Jahrzehnt.
Lesen Sie auch:
- «
This Time is Different http://www.iconomix.ch/de/blog/archive/2009/11/20/this-time-is-different/», iconomix-Blogartikel vom November 2009; - «
Europäische Währungsunion in der Krise http://www.iconomix.ch/de/blog/archive/2011/09/06/europaeische-waehrungsunion-in-der-krise-1/», Blogartikel zur iconomix-Fachtagung vom September 2011.
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Manuel Wälti
Das Elend der wirtschaftlichen Bildung
«Auch wenn ökonomische Themen mittlerweile beinahe alle grossen politischen Debatten bestimmen, wird an Schweizer Schulen noch immer weit mehr Latein gebüffelt, Biologie und Chemie, als dass die Heranwachsenden etwas über die grundlegenden wirtschaftlichen Zusammenhänge und Begriffe erfahren. Abgesehen von den Fachleuten, kann kaum einer ökonomischen Diskussionen folgen, nur wenige verstehen die Wirtschaftsberichterstattung.» So die Quintessenz eines Weltwoche-Artikels von Markus Diem Meier aus dem Jahr 2004.
Diem Meier ist seit Beginn dieses Jahres stellvertretender Chefredaktor der
Finanz und Wirtschaft http://www.fuw.ch/ und schreibt nebenbei für
Never Mind the Markets http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/, den Ökonomieblog des Tagesanzeigers. In seinem jüngsten Blogartikel «
Das Elend der wirtschaftlichen Bildung http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/6197/das-elend-der-wirtschaftlichen-bildung/» greift er das Thema wieder auf. Sein Fazit ist dasselbe: Selten waren wirtschaftliche Kenntnisse so gefragt wie heute. In den Lehrplänen kommt das leider zu kurz.
Hier die drei gemäss Diem Meier nicht abschliessenden Punkte, die seiner Ansicht nach beim Wirtschaftsunterricht mehr Beachtung finden müssten (durch uns leicht gekürzt):
«1. Erklärungen konkreter, praktischer Vorgänge müssen Priorität haben vor abstrakten Modellen – ganz besonders dann, wenn für die praktische Relevanz der komplexeren Modelle keine Zeit vorgesehen ist. Es ist frustrierend, wenn man Studierende mit Formeln und Grafiken bombardieren muss, die diese sich für die vorgegebene Prüfung am Ende der Ausbildung einprägen müssen, während zum Beispiel Themen wie die ganz konkrete Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank nicht im Stoffplan enthalten sind. (…)»
«2. Sozialwissenschaften (wozu die Ökonomie zählt) sind keine exakten Wissenschaften. Hier wird versucht, die extrem komplexe Realität gesellschaftlicher Entwicklungen mit Modellen möglichst gut abzubilden. Diese Botschaft sollte meiner Ansicht nach am Anfang des Wirtschaftsunterrichts stehen: Die Studierenden müssen verstehen, dass die zu lernenden Modelle keine Naturgesetze darstellen, sondern historisch gewachsene Versuche sind, die Realität möglichst gut abzubilden und dass diese Modelle im Lauf der Geschichte stets auch weiter ergänzt, modifiziert und einige auch verworfen wurden – und dass diese Geschichte nie zu Ende ist. (…)»
«3. Die Schulen (über ihre Lehrpläne) und die Dozenten müssen die Studierenden dort abholen, wo sie sind: Die Leute lesen täglich über wirtschaftliche Entwicklungen. Unsere Zeit müsste die beste Zeit für den Unterricht dieses Fachs sein. Daher sollte er auf Erklärungen der Vorgänge ausgerichtet sein. Oder genauer – weil endgültige, hieb- und stichfeste Erklärungen nicht existieren: Er sollte auf das Verständnis dessen ausgerichtet sein, was als Erklärungen in den Medien und von Experten herumgeboten wird. Der Wirtschaftsunterricht sollte den Leuten brauchbare Instrumente an die Hand geben. Wenn man die Leute dort abholt, wo sie sind, dann sind sie in aller Regel begeistert vom Fach Volkswirtschaft.»
Dem schliessen wir uns an.
Für das iconomix-Team
Manuel Wälti
Vorboten einer deutlichen Abschwächung
«Was wir sehen, sind die Vorboten einer deutlichen Abschwächung», sagt Aymo Brunetti, Chefökonom des Bundes im Interview mit der Aargauer Zeitung vom 10. Dezember 2011 (Online nicht verfügbar).
Das Seco geht in seiner Winterprognose von einem Wachstum fürs nächste Jahr von noch 0,6 Prozent aus. Im Herbst sagte das Seco noch ein Wachstum von 1,3 Prozent voraus. Weshalb diese Korrektur? Nochmals Aymo Brunetti:
«Das liegt an den Aussichten für die Exporte, die von zwei Faktoren negativ beeinflusst werden: dem starken Franken und der schwachen Nachfrage aus dem Ausland, insbesondere aus dem Euroraum.»
«Lange Zeit haben sich die Exporte als erstaunlich widerstandsfähig erwiesen. Aber es war klar, dass solch eine massive Franken Aufwertung sich irgendwann nicht nur in den Margen niederschlagen würde. Dazu ist jetzt noch die deutliche Verschlechterung der Aussichten in Europa gekommen.»
«Typischerweise steigt in einer solchen Konjunkturphase auch die Zahl der Entlassungen. Das ist für die Betroffenen dramatisch, aber in einer gesamtwirtschaftlichen Beurteilung steht die Schweiz, gerade im internationalen Vergleich, noch immer sehr gut da.»
***
iconomix hat gestern die
Winter-Ausgabe des Bausteins «Konjunkturtendenzen» http://www.iconomix.ch/de/alacarte/detail/a026/journal/konjunkturtendenzen-11022012/ publiziert. Der Arbeitsauftrag orientiert sich an der Gliederung der gleichnamigen Seco-Publikation – Weltwirtschaft, Lage der Schweizer Wirtschaft, Risiken – und bietet zu jedem der drei Rubriken eine Reihe von Verständnis- und Vertiefungsfragen.
Zu jeder Ausgabe wird zudem ein Vertiefungsthema herausgehoben und ebenfalls mit Verständnis- und Vertiefungsfragen didaktisch zugänglich gemacht. In dieser Ausgabe ist es das Thema «Euroraum: Zuspitzung der Schuldenkrise und zunehmende Belastung der Konjunktur».
Eine weitere Besonderheit des Bausteins «Konjunkturtendenzen» ist ein Foliensatz mit ca. 30–40 Folien je Ausgabe. Der Foliensatz ist eine ideale Ergänzung zum Arbeitsauftrag, stellt aber auch unabhängig davon eine wertvolle Ressource dar für den aktualitätsbezogenen Wirtschaftsunterricht.
Mit dieser Ausgabe wurden zudem die «
Hinweise für die Lehrperson http://www.iconomix.ch/de/alacarte/detail/?jumpurl=fileadmin%2Fdocs%2Falc%2Fde%2Fa026%2Fa026_konjunkturtendenzen_lehrperson.pdf&juSecure=1&locationData=175%3A&juHash=dd8fc48a2d74f9356460fc6bb47ef59c0799fecb» vollständig überarbeitet (Version Januar 2012). Das Dokument zeigt anschaulich die Möglichkeiten zum Einsatz von «Konjunkturtendenzen» im Unterricht.
Für das iconomix-Team
Manuel Wälti
Bibel der Verhaltensökonomie
Der Homo oeconomicus hat einen schlechten Ruf. Gemäss der klassischen Wirtschaftstheorie gilt er als rational und emotionslos, trifft seine Entscheidungen aufgrund aller verfügbaren Informationen und ändert nie seine Präferenzen. Ist der Mensch tatsächlich ein solcher Homo oeconomicus? Daniel Kahneman, Nobelpreisträger und Begründer der Verhaltensökonomie, erstellt eine völlig andersartige Analyse, die er in einer Publikation präsentiert, welche durchaus zu einem Standardwerk werden könnte [1]. Es ist das erste Buch des israelisch-amerikanischen Forschers, das sich nicht nur an ein Fachpublikum richtet.
Daniel Kahneman, der im US-Magazin Vanity Fair als «König des menschlichen Irrtums» bezeichnet wird, erklärt, dass das Denksystem des Menschen die Ursache für zahlreiche Irrtümer ist. Ein Beispiel: Zwei Gegenstände kosten zusammen 1.10 Franken, wobei der eine 1.00 Franken weniger kostet als der andere. Wie viel kostet der erste Gegenstand? Die Hälfte der Harvard-Studenten beantworten diese Frage wie folgt: 10 Rappen. Sie stützen sich dabei auf ihre Intuition, doch sie haben unrecht. Wenn sie sich konzentrieren und nachdenken würden, kämen sie auf die richtige Antwort, nämlich: 5 Rappen. In Daniel Kahnemans Buch gibt es zwei Agenten, die «System 1» und «System 2» heissen. Die spontane Antwort, zum Beispiel 10 Rappen aus dem oben genannten Fall, kommt von «System 1».
«System 1» handelt, ohne sich anzustrengen, und hat meistens Recht; «System 1» hilft uns oft, die Alltagsprobleme zu meistern. Doch beeinflusst durch den ersten Eindruck und das Gefühl gerät es immer wieder in Schwierigkeiten. Es braucht dann das Eingreifen von «System 2», welches eine Kontrolle ausübt und mit besonderer Aufmerksamkeit handelt. «System 1» und «System 2» ergänzen sich zum Wohl des Menschen, der eher vernünftig als rational in Erscheinung tritt.
Daniel Kahneman hat nicht die Absicht, die menschliche Intelligenz schlecht zu machen; vielmehr zeigt er im Detail und in strukturierter Vorgehensweise die unzähligen Winkelzüge unserer Intuition, unserer Denkweise und unserer Entscheidungen auf.
In seinem Buch unterscheidet Daniel Kahneman nicht nur zwischen «System 1» und «System 2». Er grenzt auch zwei «Ich-Bilder», nämlich jenes der Erfahrung und jenes der Erinnerung, gegeneinander ab; letzteres vernachlässigt das Konzept der Dauer, es stützt sich primär auf die eindrücklichste Erfahrung und auf das Ereignis jüngsten Datums. Ausserdem zeigt er die Unterschiede zwischen der klassischen Ökonomie und der Verhaltensökonomie (behavioral economics) auf.
Das Buch enthält zahlreiche Spiele sowie Berichte über Experimente, die Daniel Kahneman zusammen mit Amos Tversky, einem Pionier der kognitiven Psychologie, durchgeführt hat. In der Einleitung zu seinem Buch erklärt Daniel Kahneman, sein Ziel sei nur, den Leuten einen erweiterten Wortschatz für das Sprechen über Entscheidungen und Urteile anderer zu vermitteln. Doch das Buch geht weit über dieses Ziel hinaus: Es legt die wesentlichen Punkte der von Daniel Kahneman entwickelten Theorien dar und zeigt detailliert auf, wie der Mensch denkt und wie er seine Entscheidungen trifft.
Daniel Kahneman kritisiert die klassische Wirtschaftstheorie. Auch an der unter dem Namen Chicagoer Schule bekannten Denkrichtung der Wirtschaftswissenschaft hat er einiges auszusetzen; Hauptmerkmal dieser u.a. von Milton Friedman vertretenen Lehre sind die freien Märkte, die als effizientestes Mittel zur Ressourcenallokation und Einkommensverteilung angesehen werden. Im Schlussteil seines Buches tritt Daniel Kahneman bei der Definition der Rolle des Staates für einen paternalistischen Ansatz ein, wodurch die Menschen bei ihren Entscheidungen Unterstützung erfahren würden, etwa indem das Erleiden eines kurzfristigen Verlusts tragbar und so das Erzielen eines langfristigen Gewinns möglich gemacht werden. Ohne Unterstützung des Staates muss jeder Einzelne die Kosten seiner Irrtümer selber tragen, oder aber es muss die Gesellschaft dafür aufkommen. Die jüngste Finanzkrise sowie die Problematik des Moral Hazard scheinen diese These zu stützen.
Hier einige weitere Links zum Thema:
- «
Verhaltensökonomie http://www.iconomix.ch/de/blog/category/verhaltensoekonomie/», iconomix-Blogserie
The King of Human Error http://www.vanityfair.com/culture/features/2011/12/michael-lewis-201112 (Artikel in der Dezember 2011 Ausgabe von Vanity Fair)
Ich denke, also irre ich: Wie wir Entscheidungen treffen und was das mit Wirtschaft zu tun hat http://www.amazon.de/Ich-denke-also-irre-Entscheidungen/dp/3886808866/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1325102427&sr=1-1 - deutsche Übersetzung von «Thinking fast and slow», erscheint im Siedler Verlag im Mai 2012
[1]
Thinking fast and slow http://www.amazon.de/Thinking-Fast-Slow-Daniel-Kahneman/dp/0374275637/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1325101920&sr=8-1, Daniel Kahneman, Allen Lane, 498 Seiten, 2011
Geldschöpfung
Wie wird eigentlich Geld geschaffen? Was auf den ersten Blick etwas Mystisches zu sein scheint, ist in Wahrheit ein ganz und gar weltlicher Prozess.
Zum einen kann die Notenbank neues Geld schaffen. Zum anderen können auch die Geschäftsbanken Geld kreieren, indem sie Kredite gewähren. Ihre Möglichkeiten, Geld zu schaffen, werden durch die gesetzlichen Vorschriften über die Mindestreserven und durch die Bereitschaft der Notenbank, die Geldversorgung zu erhöhen oder zu verknappen, beeinflusst.
Die Notenbank kann über ihre geldpolitischen Instrumente die Zinssätze am Geldmarkt und damit die Geldversorgung eines Landes indirekt über die Nachfrage nach Krediten (hoher Zins gleich kleinere Nachfrage nach Krediten und weniger Geldschöpfung und v.v.) steuern. Im langfristigen Gleichgewicht sollte der Nominalzins dem nominalen Wirtschaftswachstum entsprechen. Das «Geldkleid» muss zur Realwirtschaft passen. Dann sind weder inflationäre noch deflationäre Tendenzen zu erwarten.
Zur Geldschöpfung der Geschäftsbanken ist zu sagen, dass diese nur dann Kredite gewähren, wenn sie von einer hohen Wahrscheinlichkeit einer Rückzahlung (mit Zinsen) ausgehen können. Das ist dann der Fall, wenn der Kreditnehmer eine vernünftige Investition tätigt. Je grösser die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Kreditnehmer nicht fähig sein wird, die Schuld bei Fälligkeit zu begleichen, desto weniger wird die Bank geneigt sein, einen solchen Kredit zu sprechen, oder sie wird für das höhere Risiko höhere Zinsen (bzw. Sicherheiten) einfordern.
Einige Links und Quellen zum Thema:
iconomix-Baustein «Was ist eine Bank?» http://www.iconomix.ch/de/alacarte/detail/a034/, Teil 1
Kurzfilm von SF ECO zur Geldschöpfung bei Geschäftsbanken http://www.videoportal.sf.tv/video?id=e16bcfca-7968-471c-bc77-f90a1d4d6bb8&referrer=http://www.sf.tv/var/glossar_liste.php%3fdocid=wirtschaftsgrafiken&sendungid=eco. Aus der Sendung vom 03.01.2011
Schweizerische Nationalbank (2006, S. 18-19). «Die Nationalbank und das liebe Geld» http://www.snb.ch/d/welt/contact/index.html (Broschüre ist kostenlos und kann bestellt werden)
Österreichische Nationalbank: Didaktisches Begleitmaterial zum Handbuch der OeNB http://www.oenb.at/de/ueber_die_oenb/wirtschaft/Begleitmaterial/didaktisches_begleitmaterial_handbuch.jsp, Kapitel 3- Brunetti, A. (2010, S. 165/166). Volkswirtschaftslehre - Lehrmittel für die Sekundarstufe II und die Weiterbildung. Bern: hep. (5.3.2: Der Geldschöpfungsmultiplikator)
- Eisenhut, P. (2010, S. 158). Aktuelle Volkswirtschaftslehre. Zürich: Rüegger. (Zwischentitel Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken)
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Manuel Wälti

