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Steigende Mobilität
Studien zum Verkehrsaufkommen Schweiz offenbaren seit Jahren dieselbe Tatsache: Die räumliche Mobilität der Bevölkerung nimmt zu. Der jüngste
Mikrozensuswww.bfs.admin.ch/... zum Verkehrsverhalten aus dem Jahr 2005 liefert dazu ein Beispiel. Die Studie zeigt auf, dass Personen in der Schweiz täglich 41 Prozent länger unterwegs waren und dabei 30 Prozent mehr Distanzen zurücklegten als zwanzig Jahre zuvor.
Für diese Zunahme gibt es eine Reihe von Gründen. Einer davon sind Veränderungen in der Siedlungsstruktur: langfristige Trends wie die Erhöhung des individuellen Wohnflächenbedarfs, die Wanderung in urbane Agglomerationen oder die zunehmende Entfernung von Wohn- und Arbeitsort bewirken, dass die täglich zurückzulegenden Distanzen grösser werden und der Verkehr gleichzeitig dichter wird.
Bei genauem Hinsehen entpuppt sich jedoch nicht der Pendlerverkehr, sondern der Verkehr in der Freizeit als wichtigste Ursache des Mobilitätsanstiegs. Über 50 Prozent des Anstiegs bei den Distanzen und über 90 Prozent des Anstiegs bei den Wegzeiten werden durch Verwandten- und Bekanntenbesuche, Restaurantbesuche, abendlichen Ausgang, Sport und Verkehr im Zusammenhang mit sonstigen Hobbies verursacht:
Aus ökonomischer Sicht ist diese Entwicklung nicht überraschend. Erklärt werden kann sie zum einen mit dem gestiegenen Wohlstand der Bevölkerung. Mehr Wohlstand bedeutet, dass die Freizeit im Vergleich zur Arbeit einen grösseren Stellenwert erhält – mehr freie Zeit zu haben, ist im Grunde genommen selbst eine Form von Wohlstand. Wer ein höheres Einkommen hat, gibt in der Freizeit zudem mehr Geld aus und kann für seine Freizeitbeschäftigungen grössere Distanzen zurücklegen. Personen mit niedrigen Einkommen verbringen ihre Freizeit hingegen eher zu Hause oder in der nahen Umgebung.
Zum anderen ist die Erhöhung der Mobilität eine Folge des verbesserten Verkehrsangebots. So wurden im öffentlichen Verkehr neue Strecken erschlossen, Taktfrequenzen erhöht und attraktive Nachtfahrgelegenheiten eingeführt. Auch der motorisierte Individualverkehr hat vom Ausbau der Infrastruktur profitiert: zwischen 1984 und 2005 wurde z. B. das Nationalstrassennetz um rund 20% seiner Länge ausgebaut. Diese Verbesserungen erhöhen den Nutzen des «Ausgehens» im Vergleich zum «Daheimbleiben» und schlagen sich in einem erhöhten Freizeitverkehr nieder.
Der Trend zu mehr Mobilität dürfte sich auch in Zukunft fortsetzen. Gemäss
Prognosenwww.are.admin.ch/... des Bundesamtes für Raumentwicklung (ARE) wird das Verkehrsaufkommen weiter zunehmen, allerdings langsamer als bisher: Binnen zwanzig Jahren werden sich die Distanzen um weitere 15 Prozent pro Tag erhöhen, so dass der Durchschnittseinwohner im Jahr 2030 rund 45 km an täglicher Wegstrecke zurücklegt.
Wurde der tägliche Frust in Stau und überfüllten Zugwaggons in diesen Berechnungen berücksichtigt? Gut vorstellbar, dass so Manchem die Lust an der Mobilität bereits vorher vergeht.
Für das iconomix-Team
Simon Schmid
Vergleiche dazu den letzten Text- und Frageblock in den
Politics-Economics vom 29. August 2010http://www.iconomix.ch/de/alacarte/detail/a015/journal/politics-economics-29-aug-2010/.
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