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Südafrika: Road to Equality
Ein sportliches Grossereignis in der Heimat macht einen Menschen glücklicher als die Aussicht auf bessere Bildung oder gar eine Heirat – dies besagt eine Studie der beiden Ökonomen Georgios Kavetsosa und Stefan Szymanski. Hoffentlich gilt dies trotz des frühen Ausscheidens von «Bafana Bafana» bei der Fussball-WM 2010 auch für Südafrika.[1]
Südafrika bedeutet wirtschaftlich gesehen Industrie, Rohstoffe und Diamanten. Das Land erzeugt einen Viertel der gesamten afrikanischen Wirtschaftsleistung; sein BIP pro Kopf ist eines der höchsten auf dem Kontinent. Addiert man hierzu die landesweite, durch die Fussball-WM ausgelöste Begeisterung, dann müsste der durchschnittliche Südafrikaner ausserordentlich glücklich sein.
Die Realität sieht leider anders aus. In Südafrika herrscht grosse Ungleichheit: 20 Prozent der Haushalte werden zur Oberschicht gezählt, sie beziehen insgesamt 60 Prozent des gesamten südafrikanischen Einkommens. Demgegenüber beträgt das Einkommen der ärmeren 50 Prozent der südafrikanischen Haushalte zusammen nur rund 15 Prozent des Gesamteinkommens.[2]
Um Ungleichheit zu messen, verwenden Ökonomen unterschiedliche Verfahren. Eines der bekanntesten ist der Gini-Koeffizient, dessen Wertebereich zwischen 0 und 100 liegt. Mit ihm wird ermittelt, wie das Einkommen einer Gesellschaft über die einzelnen Bewohner verteilt ist. Ein Wert von 0 bedeutet, dass jeder gleich viel verdient. Je näher der Wert bei 100 liegt, desto grösser ist die Ungleichheit. Bei einem Wert von 100 würde das gesamte Einkommen des Landes auf eine Person entfallen.
Für das Jahr 2008 nimmt der Gini-Koeffizient der Einkommensverteilung für Südafrika einen Wert von 57,8 an. Damit zählt Südafrika weltweit zu den zehn Ländern mit der höchsten Einkommensungleichheit. Am anderen Ende der Rangliste steht Norwegen. Mit 25,8 weist es die ausgeglichenste Einkommensverteilung auf. Die Schweiz liegt mit einem Koeffizienten von 33,7 im vorderen Drittel.[3]
Besonders deutlich ist die Ungleichheit in Südafrika zwischen der schwarzen und der weissen Bevölkerung. Das hat historische Gründe: Südafrika ist noch immer geprägt von der Apartheid, einem System der Rassentrennung, das erst 1994 aufgehoben wurde. Davor waren die Rechte der schwarzen Bevölkerung massiv beschnitten. Schwarze durften beispielsweise nicht wählen und konnten nur «niedere» Tätigkeiten ausüben. Die Auswirkungen dieser Politik sind noch bis heute spürbar, in Form von Benachteiligung bei Bildung, Gesundheit und der Verteilung von Grund und Boden.
Die 2009 gewählte Regierung um Präsident Jacob Zuma will Armut und Arbeitslosigkeit unter der südafrikanischen Bevölkerung bis zum Jahr 2014 halbieren. Das sind ehrgeizige Ziele für eine Regierung, die eben noch gut 2,8 Mrd. Euro in Fussballstadien und öffentliche Infrastruktur für die WM investiert hat.[4] Viel Geld ist es auch gemessen daran, dass das Bildungs- und Gesundheitssystem Südafrikas grosse Schwachstellen aufweist und vielerorts auch heute noch Strom- und Wasserversorgung keine Selbstverständlichkeit sind.
Derzeit aber ist Südafrika in WM-Euphorie, und nach den Berechnungen von Kavetsosa und Szymanski wird diese bis zu einem halben Jahr über den finalen Schlusspfiff hinaus anhalten.
Für das iconomix-Team
Carolin Straus
[1] G. Kavetsosa und S. Szymanski (2010): «
South Africa: not so rich, but happier?freakonomics.blogs.nytimes.com/...»
[2] Kallie Szczepanski: «
Poverty and inequality in South Africawww.helium.com/...»
[3] World Bank (2009): «World Development Indicators»
[4] Zum Vergleich: Das entspricht in etwa einem Prozent des südafrikanischen BIPs. Deutschlands Ausgaben für die WM 2006 machten nur 0,3 Prozent am deutschen BIP aus.
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