iconomix

Schweizerische Nationalbank

Freitag, 14. Mai 2010,
11:01

Mit der Bazooka gegen die Ansteckung

Es sind archaische Zeiten angebrochen. Letztes Wochenende schufen EU-Regierungschefs und der Internationale Währungsfonds (IWF) einen mit 750 Mrd. Euro dotierten Mechanismus zum Kauf von Staatsanleihen – Zeitungen schrieben, nun sei die «bazooka» gezückt worden.[1] Gleichzeitig entschloss sich auch die Europäische Zentralbank (EZB), künftig auf dem Sekundärmarkt Staatsanleihen zu kaufen – und damit die sogenannte «nuclear option» anzuwenden.

Hintergrund der Massnahmen ist unter anderem die akute Schwäche des Euro. Noch im November war der Euro bei 1.50 US-Dollar gestanden. Im Zuge der Griechenland-Krise büsste er jedoch massiv an Wert ein und notierte Ende April um 1.32 US-Dollar. Nach der Freigabe des Griechenland-Hilfskredits war er gar innerhalb einer Woche um 5 Cent auf 1.27 US-Dollar eingebrochen:

Wechselkurse werden langfristig durch die Entwicklung von Wirtschaftsleistung und Preisniveau in verschiedenen Ländern beeinflusst. Kurzfristig sind es jedoch die Anlagemöglichkeiten auf dem Finanzmarkt, welche Angebot und Nachfrage nach Devisen und somit die Wechselkurse bestimmen.

Nach der Freigabe der Hilfskredite an Griechenland am 2. April sank am Finanzmarkt die Nachfrage nach Anlagen in Euro, denn die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Schuldenkrise war weiterhin gross. Mit der Rettung von Griechenland hatte Europa gegen die Gesetze verstossen, die es sich selbst bei der Einführung des Euro gegeben hatte. Würde es dies im Fall von Portugal, Spanien, Italien oder Irland noch einmal tun?

Ein nachhaltiger Wirtschaftsaufschwung wäre nötig, um die Finanzlage dieser Länder wieder ins Lot zu bringen. Nun mussten sie sich jedoch weiter verschulden, um Griechenland – dessen Insolvenz durch die Hilfskredite um ein, zwei Jahre aufgeschoben werden dürfte – zu unterstützen.

Damit hing eine Ansteckung des gesamten europäischen Wirtschaftssystems in der Luft. Könnten Spanien und weitere Länder ihre Schulden bald auch nicht mehr begleichen, so würde dies ihren Kreditgebern Verluste einbringen: Banken hätten Abschreiber hinzunehmen und kämen in Zahlungsschwierigkeiten, schlimmstenfalls wäre sogar die Kreditvergabe der Banken untereinander gefährdet – eine Situation, wie sie zuletzt auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 bestand.

Diese Dynamik suchten EU, IWF und EZB mit einer eindrücklichen Aktion übers letzte Wochenende zu durchbrechen. Momentan scheint dies gelungen, die Talfahrt der Kurse konnte fürs erste aufgehalten werden. Neue Probleme wurden aber geschaffen: Zum Beispiel werden – einmal mehr – Banken und übrige Gläubiger auf Kosten der Steuerzahler geschont.

Dazu und zu weiteren Folgeproblemen später mehr.

Für das iconomix-Team
Simon Schmid

Vergleiche dazu den letzten Text- und Frageblock in den Politics-Economics vom 16. Mai 2010http://www.iconomix.ch/de/alacarte/detail/a015/journal/politics-economics-16-mai-2010/.

[1] In Anspielung auf einen Ausspruch des früheren US-Finanzministers Henry Paulson im Krisenjahr 2008.

Kommentare: (2)
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  • 2 Kommentare
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Stefan Stutz
Sonntag, 23. Mai 2010,
21:32
Problem nur vorübergehend gelöst?

Die EU und der IWF haben ein 750 Milliarden-Hilfspaket geschnürt. Griechenland, Portugal aber auch andere europäische Länder müssen ihre Staatsschulden in den Griff bekommen, ansonsten droht in paar Jahren das genau gleiche Ungemach! Um das zu verhindern werden diejenigen Staaten hoffentlich von der EU kontrolliert. Wie das möglicherweise vorgeht, kann ich als Leihe nicht beurteilen. Die EU wird in Zukunft auch nicht unendlich viele solche Hilfspakete bereit stellen können.

Griechenland muss einfach zu viel Geld ausgeben um die Schuldzinsen zu bezahlen.


Der zurzeit schwache Euro ist sicher problematisch, die Exportindustrie muss leiden, sowohl auch viele ausländische Touristen welche in der Schweiz beispielsweise die Sommerferien verbringen wollten. Für einige ist es nun zu teuer. Es hat aber auch seine Vorteile. Im Ausland ist es für uns Schweizer billiger einzukaufen.

Thomas Kaltbrunner
Dienstag, 18. Mai 2010,
19:50
Hoffentlich nützt das was.....

Ich frage mich bei dieser ganzen Geschichte wo das noch hinführt. Ich hoffe mal die 750 Milliarden Euro gehen nicht nur in die Hosentaschen der wettenden Hedgefonds-Manager. Mei-ner Meinung nach dürfte es gar keine Möglichkeit geben auf wie in diesem Fall einen abfal-lenden Eurowert zu wetten. Denn die Folgen dieser ganzen Geschichte kommen ja erst später. Das Geld welches für das Rettungspaket ausgegeben wurde, muss ja irgendwo ein-gespart werden. Was nach meiner Vermutung wiedermal auf Kosten der Ausbildung und dem sozialen Schutz fallen wird. Was sich dann wieder doppelt zurückschlägt. Denn schlechter ausgebildete Leute verdienen weniger. Können also auch weniger ausgeben. Schlussendlich müssen ja alle Schulden wieder über Steuern eingezogen werden.

Für die Schweiz ist die Abschwächung des Euros natürlich auch keine gute Sache. Den so wird ja zum Beispiel Urlaub in der Schweiz für Leute aus dem Ausland teurer. Was den auch heisst das weniger kommen. Weiter werden so ja auch Produkte aus der Schweiz teurer. Ob dieses Rettungspaket nun eine gute Sache war oder nicht kann ich aber nicht beurteilen. Da mir hier schlichtweg das Fachwissen fehlt.

Allgemein bin ich der Meinung dass ein Ziel der Wohlstand für alle sein sollte. Und das solche Mechanismen wie der diese ganze Lawine ausgelöst hat, verboten sein müssten. Denn es kann ja nicht sein, das sich einige Wenige auf Kosten des Restes wie blöd bereichern. Nur leider ist der Mensch ein Egoist, was ja auch dadurch bestätigt wird, das die Schere zwischen arm und reich immer grösser wird.

Abschliessend hoffe ich natürlich dass sich kein Strudel entwickelt, so dass Länder Staats-bankrotte anmelden müssten. Die Welt hätte momentan grössere, reale Probleme zu lösen als in solchen virtuellen Geldspielchen unterzugehen.

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