iconomix

Schweizerische Nationalbank

Mittwoch, 24. März 2010,
16:04

Staatsverschuldung: Was uns die Geschichte lehrt

Gegenwärtig haben die Budgetdefizite und die Verschuldung einiger Industriestaaten historische Ausmasse angenommen. Und die Prognosen für die nächsten Jahre sehen kaum besser aus. Die Frage liegt nahe: Wie sollen diese Defizite finanziert und wieder reduziert werden?

Ein Blick in die Geschichte zeigt immerhin, wie man es nicht machen sollte. In seinem Buch «Die Herren des Geldes» analysiert Liaquat Ahamed die Wirtschaft der 20er Jahre und die anschliessende grosse Depression.


Der 1. Weltkrieg markierte nicht nur grosse politische, sondern auch wirtschaftliche Umbrüche
. Kriegsfinanzierung war das zentrale ökonomische Thema. Hierzu verliessen praktisch alle Staaten den damaligen Goldstandard, um ihn rund zehn Jahre später wieder einzuführen. Beide Entscheide waren fatal.

Die Loslösung der Währungen von der Bindung zum Gold erlaubte es den Regierungen zwar, die Defizite teilweise über die Notenpresse zu finanzieren. Trotzdem waren nach dem Krieg die meisten europäischen Staaten hoffnungslos im In- und Ausland verschuldet.

Erdrückt von den Reparationsforderungen, wählte Deutschland den Weg über die Hyperinflation. Eine ökonomische (und später auch politische) Katastrophe war die Folge. Frankreich gelang es zwar, ab 1920 die scharfe Inflation zu beenden. Wie man 1925 aber erfuhr, wurden Teile der Staatsausgaben anschliessend über «kreative Buchhaltung» der Zentralbank finanziert.

Dem Vereinigten Königreich, wie auch den meisten anderen Staaten, gelang es schliesslich, durch substantielle Schuldenerlasse der USA finanziell wieder auf die Beine zu kommen.  1925 beschloss die britische Regierung unter Churchill die Rückkehr zum Goldstandard – zum Vorkriegskurs. Was nichts anderes bedeutete, als dass die Inflation der Kriegsjahre mittels restriktiver Geldpolitik rückgängig gemacht werden musste.

Die Konsequenz waren nicht nur unmittelbare wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die mehr oder weniger willkürliche Fixierung vieler Währungen zum Gold führte zu massiven globalen Ungleichgewichten, was als eine der Ursachen für die grosse Depression der 30er Jahre gilt.

Ahameds Analyse der wirtschaftlichen Zusammenhänge und Entwicklungen der 20er Jahre, welche schliesslich zur grossen Depression führten, erscheint fundiert und umfassend. Wenn auch teilweise etwas langatmig erzählt, ist es eine spannende Geschichte, die zum Allgemeinwissen eines jeden Ökonomen gehören sollte.

Für das iconomix-Team
Ronald Indergand

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