iconomix

Schweizerische Nationalbank

Freitag, 29. Januar 2010,
13:57

Weshalb weniger mehr sein kann

Je mehr, desto besser. Dieser Grundsatz ist fester Bestandteil der ökonomischen Theorie der Nutzenmaximierung. Eingeschränkt wird der individuelle Konsum – bzw. der Nutzen – von verschiedenen Limiten, namentlich in zeitlicher oder finanzieller Hinsicht. Weniger Beschränkung bedeutet mehr Konsum und damit auch mehr Nutzen – so die Theorie.

Ein Artikel des Ökonomie-Blogs «The Sports Economist» stellt diesen Ansatz in Frage.[1] Anlass dazu boten die Enthüllungen um das Privatleben von Golf-Superstar Tiger Woods. Woods dient als Fallstudie für das Thema, wie sich ein Mensch verhält, wenn die typischen Beschränkungen des Lebens verschwinden.

Die Erfahrung beschränkter Wahlmöglichkeiten sorgt für einen wichtigen Lernprozess und steigert das Bewusstsein über die Konsequenzen und Zielkonflikte einer Entscheidung. Wenn solche Beschränkungen entfallen – was bei Topverdienern für die finanziellen Limiten auf jeden Fall zutrifft – kann sich dieses Bewusstsein mit der Zeit abstumpfen.

Kommt hinzu, dass die Superstars der heutigen Zeit nicht nur alle finanziellen, sonder auch die sozialen Grenzen sprengen. Insbesondere Tiger Woods, der lange als meistrespektierter Athlet der Welt galt, musste sich kaum je ein kritisches Wort seiner ehrerbietigen Weggefährten anhören. Selbst der normalerweise omnipräsente prüfende Blick der Medien verwandelte sich eher in eine Werbeplattform für den Superstar.

In einer solchen Welt tendieren die Menschen teilweise zu extremem, ja selbst-zerstörerischem (finanziell, physisch, etc.) Verhalten. Ihre Entscheidungen reflektieren einen stark abgestumpften Sinn dafür, wo die Grenzen des moralisch erwünschten Verhaltens liegen und welche Konsequenzen ihre Handlungen haben.

Der «Sports Economist»-Beitrag liefert verschiedene Erklärungsversuche für das Verhalten von Tiger Woods: Entweder ist er schlicht dumm (was er nicht ist), er erfreut sich über grossen Einkommensverlust und öffentlichen Aufruhr (wenig überzeugend), er ist sexsüchtig (vielleicht, aber das ist wohl eher eine Folge, nicht die Ursache) oder aber eine Welt ohne Grenzen und voller Nachsicht animierte ihn zu unüberlegtem Verhalten (die plausibelste Erklärung).

Deshalb das Fazit mit Blick auf die ökonomische Theorie: Es gibt von allem ein optimales Mass – vielleicht sogar von Beschränkungen.

Für das iconomix-Team
Marcel Stadelmann

Vergleiche dazu den letzten Text- und Frageblock in den Politics-Economics vom 31. Januar 2010http://www.iconomix.ch/de/alacarte/detail/a015/journal/politics-economics-31-jan-2010/.

[1] B. Goff, 2010. Constraints a Good Thing?thesportseconomist.com/... The Sports Economist, 13. Januar.

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