iconomix

Schweizerische Nationalbank

Donnerstag, 02. Februar 2012,
11:16

Crashkurs in Sachen Nationalbank auf DRS 3

Am Dienstag 31.1. war im Rahmen der aktuellen Wirtschaftswoche auf DRS 3 die SNB das Thema.

Dewet Moser, Stellvertretendes Mitglied des Direktoriums, und Attilio Zanetti, Leiter der SNB-Einheit Konjunktur, gaben Erklärungen zu den Themen Euro Mindestkurs, Geldschöpfung und Preisstabilität (die Gewährleistung von Letzterer gehört zum Kernauftrag der SNB).

Hier die drei Hörbeitrage von je rund drei Minuten im MP3-Format:

Lesen Sie auch «Crashkurs Wirtschaftwww.iconomix.ch/...».

Für das iconomix-Team

Manuel Wälti

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Dienstag, 31. Januar 2012,
09:21

Crashkurs Wirtschaft

Wirtschaft ist diese Woche (30.1. bis 3.2.) das grosse Thema auf DRS 3www.drs3.ch/.... Die Programmmacher wollen Zusammenhänge aufzeigen, Hintergründe beleuchten und die Zuhörer fit machen für spannende Wirtschaftsdiskussionen.

Den Anfang machte gestern Abend 30.1. ein hörenswertes Interviewwww.drs3.ch/... mit Reiner Eichenberger, ordentlicher Professor für Theorie der Finanz- und Wirtschaftspolitik an der Universität Fribourg (unifr.ch). Eichenberger ist aufgrund seiner Medienpräsenz in der Schweiz einem breiten Publikum bekannt und schreibt u.a. für den Blog Ökonomenstimmewww.oekonomenstimme.org/....

Wir bleiben dran und berichten, falls wir im Verlauf der Woche auf weitere Leckerbissen stossen sollten.

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Manuel Wälti

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Montag, 23. Januar 2012,
19:29

Wachstum ohne Ende?

Dank Erfindungen wie der Dampfmaschine oder dem Benzinmotor hat sich die Wirtschaftsleistung der industrialisierten Welt in den letzten zwei Jahrhunderten kontinuierlich erhöht. Der Fluss von Erfindungen und Entwicklungen, der die Zunahme des Wohlstands für breite Bevölkerungsschichten möglich gemacht hat, ist jedoch kein Zufall. In den Worten des amerikanischen Ökonomen William Baumolw4.stern.nyu.edu/... hängt er zusammen mit der historischen Herausbildung einer neuen Wirtschaftsform: der «marktwirtschaftlichen Innovationsmaschine».[1]

Im Herzen der marktwirtschaftlichen Innovationsmaschine stehen gewinnorientierte Unternehmen, die zueinander im Wettbewerb stehen. Wollen diese Unternehmen im Geschäft bleiben, so sind sie dazu gezwungen, mögliche Produktivitätsverbesserungen beständig auszuschöpfen und das Rad der technologischen Entwicklung fortlaufend weiterzudrehen. Mit ihren Bemühungen um Effizienz und Innovation sorgen die Unternehmen dafür, dass laufend neue Produkte entwickelt und bekannte Produkte zu günstigeren Preisen hergestellt, verkauft und konsumiert werden können.

Die Wirtschaftsleistung der heutigen Industrieländer ist im Durchschnitt über die vergangenen zwei Jahrhunderte um rund zwei Prozent pro Jahr gewachsen. Doch auch der Energiebedarf und der Ressourcenverbrauch der Wirtschaft sind in diesem Zeitraum stetig angestiegen. Diese Entwicklung, die lange Zeit als wünschenswert und problemlos erschien, bereitet ökologisch denkenden Wissenschaftlern zunehmend Kopfzerbrechen: Angesichts der Klimarisiken und Umweltbelastungen, die das Wirtschaftswachstum der letzten zwei Jahrhunderte mit sich gebracht hat, erscheint es ihnen fraglich, wie lange dieses Wachstum noch im selben Tempo vorangetrieben werden kann und soll.

Berechnungen des britischen Umweltökonomen Tim Jacksonwww.ces-surrey.org.uk/... aus dem Jahr 2009 illustrieren diese Zweifel: Jackson zufolge nähme eine Weltwirtschaft, in der Industrieländer weiterhin beständig mit zwei Prozent pro Jahr wachsen und Entwicklungsländer eine stete Annäherung an westliche Lebensstandards erreichen, bald immense Züge an. Gemessen am gesamten BIP aller Länder wäre sie bis zum Ende des 21. Jahrhunderts etwa 40 Mal grösser als heute.[2]

Für optimistische Wissenschaftler ist dies kein unrealistisches Bild: Sie gehen davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum künftig von seiner Beziehung zur Umwelt «entkoppeln» wird, und sich die Wirtschaftsleistung ohne zusätzlichen Ressourcenverbrauch und Schadstoffausstoss weiter steigern lässt. Möglich würde dies dank dem Einsatz von effizienteren, umweltfreundlicheren Technologien und einer generellen Verlagerung der Wertschöpfung – weg von ressourcenintensiven Landwirtschafts- und Industrietätigkeiten, hin zu wissensbasierten Dienstleistungen.

Skeptische Wissenschaftler halten dies für unrealistisch und verweisen auf den «Rebound-Effekt». Dieser besagt, dass Effizienzverbesserungen nicht zwingend zu einer Abnahme der Umweltbelastung führen. Die Erklärung dafür liegt in der wirtschaftlichen Grundlogik der Sache: Effizienzverbesserungen bei der Herstellung von Produkten oder in deren Energieverbrauch führen zu einer Vergünstigung und fördern dadurch den Mehrverbrauch. Beispielsweise ermöglicht ein effizienteres Auto zwar das Einsparen von Benzin; es verleitet jedoch gleichzeitig dazu, mehr Kilometer zurückzulegen – wobei sich der Benzinverbrauch im Endeffekt möglicherweise sogar erhöht.[3]

Rebound-Effekt hin oder her: Die zukünftigen Anforderungen an die die Innovationskraft der Wirtschaft werden enorm. Laut Jackson fällt heute bei jedem US-Dollar an globaler Wirtschaftsleistung ein CO2-Ausstoss von knapp 800 Gramm an. Geht man vom oben geschilderten Wachstumsszenario aus, so müsste sich dieser Wert bis zum Jahr 2050 auf unter 10 Gramm CO2 pro US-Dollar verringern, um die atmosphärische CO2-Konzentration auf dem von der UNO angestrebten Wert zu halten. Dafür müsste die CO2-Intensität der Weltwirtschaft jährlich um rund 11 Prozent sinken.

Angesichts dieser Zahlen stellen sich einige grundsätzliche Fragen: Ist die marktwirtschaftliche Innovationsmaschine leistungsfähig genug, Effizienzverbesserungen in dieser Grössenordnung hervorzubringen? Und sind unsere Gesellschaften auch bereit, die richtigen Einstellungen – sprich: finanzielle Anreize und veränderten Konsumgewohnheiten – an dieser Maschine vorzunehmen? Falls nicht, so müssen wir wohl oder übel unsere Wachstumsvorstellungen in Zukunft etwas herunterschrauben.[4][5]

[1] William J. Baumol (2002): «The Free-Market Innovation Machine»

[2] Tim Jackson (2009): «Prosperity without growth? The transition to a sustainable economy?www.sd-commission.org.uk/...» Bericht der Britischen Kommission für nachhaltige Entwicklung.

[3] Vgl. dazu: UK Energy Research Center (2007): «The Rebound Effectwww.ukerc.ac.uk/...»

[4] Der Publizist Urs P. Gaschede.wikipedia.org/... und der Ökonom Boris Zürcherwww.avenir-suisse.ch/... lieferten sich auf Radio DRS 4 kürzlich ein Rededuell zum Thema «Die Grenzen des Wachstumswww.drs4news.ch/...». Das Gespräch zeigt, wie unterschiedlich die vorherrschenden Ansichten über die Möglichkeiten nachhaltigen Wirtschaftswachtums sind.

[5] Auch das «World Economic Forum» in Davos widmet sich dieses Jahr vertieft dem Thema «Nachhaltiger Konsumwww.weforum.org».

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Donnerstag, 19. Januar 2012,
15:05

Europa droht ein verlorenes Jahrzehnt

In einer Interviewserie mit renommierten Ökonomen leuchtet «Finanz und Wirtschaft» das Thema Eurokrise aus. In der gestrigen Ausgabe vom 18. Januar war Ökonomieprofessor Kenneth Rogoff an der Reihe.

«Kaum ein Ökonom ist besser qualifiziert als Kenneth Rogoff, um über Europas Schuldenkrise zu sprechen. Zusammen mit seiner Kollegin Carmen Reinhart hat der Harvard-Professor das wohl wichtigste Wirtschaftsbuch der vergangenen vier Jahre verfasst: ‹This Time is Different – Eight Centuries of Financial Folly› (2009) untersucht alle namhaften Finanzkrisen der letzten Jahrhunderte und leitet daraus wichtige Folgerungen ab.»

So die Einleitung zum sehr lesenswerten Interview, das wir hier freundlicherweise als PDF verlinken dürfen (Teil 1(552 KB)http://www.iconomix.ch/fileadmin/user_upload/iconomix/blog/icx/11/fw_021_1801.pdf, Teil 2(534 KB)http://www.iconomix.ch/fileadmin/user_upload/iconomix/blog/icx/11/fw_022_1801.pdf).

Rogoffs Fazit ist klar: Griechenland, Portugal, Irland und wahrscheinlich auch Spanien sind insolvent und benötigen einen Schuldenschnitt. Andernfalls droht Europa ein verlorenes Jahrzehnt.

Lesen Sie auch:

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Manuel Wälti

Freitag, 13. Januar 2012,
09:37

Das Elend der wirtschaftlichen Bildung

«Auch wenn ökonomische Themen mittlerweile beinahe alle grossen politischen Debatten bestimmen, wird an Schweizer Schulen noch immer weit mehr Latein gebüffelt, Biologie und Chemie, als dass die Heranwachsenden etwas über die grundlegenden wirtschaftlichen Zusammenhänge und Begriffe erfahren. Abgesehen von den Fachleuten, kann kaum einer ökonomischen Diskussionen folgen, nur wenige verstehen die Wirtschaftsberichterstattung.» So die Quintessenz eines Weltwoche-Artikels von  Markus Diem Meier aus dem Jahr 2004.

Diem Meier ist seit Beginn dieses Jahres stellvertretender Chefredaktor der Finanz und Wirtschaftwww.fuw.ch und schreibt nebenbei für Never Mind the Marketsblog.tagesanzeiger.ch/..., den Ökonomieblog des Tagesanzeigers. In seinem jüngsten Blogartikel «Das Elend der wirtschaftlichen Bildungblog.tagesanzeiger.ch/...» greift er das Thema wieder auf.  Sein Fazit ist dasselbe: Selten waren wirtschaftliche Kenntnisse so gefragt wie heute. In den Lehrplänen kommt das leider zu kurz.

Hier die drei gemäss Diem Meier nicht abschliessenden Punkte, die seiner Ansicht nach beim Wirtschaftsunterricht mehr Beachtung finden müssten (durch uns leicht gekürzt):

«1. Erklärungen konkreter, praktischer Vorgänge müssen Priorität haben vor abstrakten Modellen – ganz besonders dann, wenn für die praktische Relevanz der komplexeren Modelle keine Zeit vorgesehen ist. Es ist frustrierend, wenn man Studierende mit Formeln und Grafiken bombardieren muss, die diese sich für die vorgegebene Prüfung am Ende der Ausbildung einprägen müssen, während zum Beispiel Themen wie die ganz konkrete Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank nicht im Stoffplan enthalten sind. (…)»

«2. Sozialwissenschaften (wozu die Ökonomie zählt) sind keine exakten Wissenschaften. Hier wird versucht, die extrem komplexe Realität gesellschaftlicher Entwicklungen mit Modellen möglichst gut abzubilden. Diese Botschaft sollte meiner Ansicht nach am Anfang des Wirtschaftsunterrichts stehen: Die Studierenden müssen verstehen, dass die zu lernenden Modelle keine Naturgesetze darstellen, sondern historisch gewachsene Versuche sind, die Realität möglichst gut abzubilden und dass diese Modelle im Lauf der Geschichte stets auch weiter ergänzt, modifiziert und einige auch verworfen wurden – und dass diese Geschichte nie zu Ende ist. (…)»

«3. Die Schulen (über ihre Lehrpläne) und die Dozenten müssen die Studierenden dort abholen, wo sie sind: Die Leute lesen täglich über wirtschaftliche Entwicklungen. Unsere Zeit müsste die beste Zeit für den Unterricht dieses Fachs sein. Daher sollte er auf Erklärungen der Vorgänge ausgerichtet sein. Oder genauer – weil endgültige, hieb- und stichfeste Erklärungen nicht existieren: Er sollte auf das Verständnis dessen ausgerichtet sein, was als Erklärungen in den Medien und von Experten herumgeboten wird. Der Wirtschaftsunterricht sollte den Leuten brauchbare Instrumente an die Hand geben. Wenn man die Leute dort abholt, wo sie sind, dann sind sie in aller Regel begeistert vom Fach Volkswirtschaft.»

Dem schliessen wir uns an.

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Manuel Wälti

Donnerstag, 12. Januar 2012,
10:00

Vorboten einer deutlichen Abschwächung

«Was wir sehen, sind die Vorboten einer deutlichen Abschwächung», sagt Aymo Brunetti, Chefökonom des Bundes im Interview mit der Aargauer Zeitung vom 10. Dezember 2011 (Online nicht verfügbar).

Das Seco geht in seiner Winterprognose von einem Wachstum fürs nächste Jahr von noch 0,6 Prozent aus. Im Herbst sagte das Seco noch ein Wachstum von 1,3 Prozent voraus. Weshalb diese Korrektur? Nochmals Aymo Brunetti:

«Das liegt an den Aussichten für die Exporte, die von zwei Faktoren negativ beeinflusst werden: dem starken Franken und der schwachen Nachfrage aus dem Ausland, insbesondere aus dem Euroraum.»

«Lange Zeit haben sich die Exporte als erstaunlich widerstandsfähig erwiesen. Aber es war klar, dass solch eine massive Franken Aufwertung sich irgendwann nicht nur in den Margen niederschlagen würde. Dazu ist jetzt noch die deutliche Verschlechterung der Aussichten in Europa gekommen.»

«Typischerweise steigt in einer solchen Konjunkturphase auch die Zahl der Entlassungen. Das ist für die Betroffenen dramatisch, aber in einer gesamtwirtschaftlichen Beurteilung steht die Schweiz, gerade im internationalen Vergleich, noch immer sehr gut da.»

***

iconomix hat gestern die Winter-Ausgabe des Bausteins «Konjunkturtendenzen»www.iconomix.ch/...  publiziert. Der Arbeitsauftrag orientiert sich an der Gliederung der gleichnamigen Seco-Publikation – Weltwirtschaft, Lage der Schweizer Wirtschaft, Risiken – und bietet zu jedem der drei Rubriken eine Reihe von Verständnis- und Vertiefungsfragen.

Zu jeder Ausgabe wird zudem ein Vertiefungsthema herausgehoben und ebenfalls mit Verständnis- und Vertiefungsfragen didaktisch zugänglich gemacht. In dieser Ausgabe ist es das Thema «Euroraum: Zuspitzung der Schuldenkrise und zunehmende Belastung der Konjunktur».

Eine weitere Besonderheit des Bausteins «Konjunkturtendenzen» ist ein Foliensatz mit ca. 30–40 Folien je Ausgabe. Der Foliensatz ist eine ideale Ergänzung zum Arbeitsauftrag, stellt aber auch unabhängig davon eine wertvolle Ressource dar für den aktualitätsbezogenen Wirtschaftsunterricht.

Mit dieser Ausgabe wurden zudem die «Hinweise für die Lehrpersonwww.iconomix.ch/...» vollständig überarbeitet (Version Januar 2012). Das Dokument zeigt anschaulich die Möglichkeiten zum Einsatz von «Konjunkturtendenzen» im Unterricht.

Für das iconomix-Team
Manuel Wälti

Mittwoch, 28. Dezember 2011,
20:39

Bibel der Verhaltensökonomie

Der Homo oeconomicus hat einen schlechten Ruf. Gemäss der klassischen Wirtschaftstheorie gilt er als rational und emotionslos, trifft seine Entscheidungen aufgrund aller verfügbaren Informationen und ändert nie seine Präferenzen. Ist der Mensch tatsächlich ein solcher Homo oeconomicus? Daniel Kahneman, Nobelpreisträger und Begründer der Verhaltensökonomie, erstellt eine völlig andersartige Analyse, die er in einer Publikation präsentiert, welche durchaus zu einem Standardwerk werden könnte [1]. Es ist das erste Buch des israelisch-amerikanischen Forschers, das sich nicht nur an ein Fachpublikum richtet.

Daniel Kahneman, der im US-Magazin Vanity Fair als «König des menschlichen Irrtums» bezeichnet wird, erklärt, dass das Denksystem des Menschen die Ursache für zahlreiche Irrtümer ist. Ein Beispiel: Zwei Gegenstände kosten zusammen 1.10 Franken, wobei der eine 1.00 Franken weniger kostet als der andere. Wie viel kostet der erste Gegenstand? Die Hälfte der Harvard-Studenten beantworten diese Frage wie folgt: 10 Rappen. Sie stützen sich dabei auf ihre Intuition, doch sie haben unrecht. Wenn sie sich konzentrieren und nachdenken würden, kämen sie auf die richtige Antwort, nämlich: 5 Rappen. In Daniel Kahnemans Buch gibt es zwei Agenten, die «System 1» und «System 2» heissen. Die spontane Antwort, zum Beispiel 10 Rappen aus dem oben genannten Fall, kommt von «System 1».

«System 1» handelt, ohne sich anzustrengen, und hat meistens Recht; «System 1» hilft uns oft, die Alltagsprobleme zu meistern. Doch beeinflusst durch den ersten Eindruck und das Gefühl gerät es immer wieder in Schwierigkeiten. Es braucht dann das Eingreifen von «System 2», welches eine Kontrolle ausübt und mit besonderer Aufmerksamkeit handelt. «System 1» und «System 2» ergänzen sich zum Wohl des Menschen, der eher vernünftig als rational in Erscheinung tritt.

Daniel Kahneman hat nicht die Absicht, die menschliche Intelligenz schlecht zu machen; vielmehr zeigt er im Detail und in strukturierter Vorgehensweise die unzähligen Winkelzüge unserer Intuition, unserer Denkweise und unserer Entscheidungen auf.

In seinem Buch unterscheidet Daniel Kahneman nicht nur zwischen «System 1» und «System 2». Er grenzt auch zwei «Ich-Bilder», nämlich jenes der Erfahrung und jenes der Erinnerung, gegeneinander ab; letzteres vernachlässigt das Konzept der Dauer, es stützt sich primär auf die eindrücklichste Erfahrung und auf das Ereignis jüngsten Datums. Ausserdem zeigt er die Unterschiede zwischen der klassischen Ökonomie und der Verhaltensökonomie (behavioral economics) auf.

Das Buch enthält zahlreiche Spiele sowie Berichte über Experimente, die Daniel Kahneman zusammen mit Amos Tversky, einem Pionier der kognitiven Psychologie, durchgeführt hat. In der Einleitung zu seinem Buch erklärt Daniel Kahneman, sein Ziel sei nur, den Leuten einen erweiterten Wortschatz für das Sprechen über Entscheidungen und Urteile anderer zu vermitteln. Doch das Buch geht weit über dieses Ziel hinaus: Es legt die wesentlichen Punkte der von Daniel Kahneman entwickelten Theorien dar und zeigt detailliert auf, wie der Mensch denkt und wie er seine Entscheidungen trifft.

Daniel Kahneman kritisiert die klassische Wirtschaftstheorie. Auch an der unter dem Namen Chicagoer Schule bekannten Denkrichtung der Wirtschaftswissenschaft hat er einiges auszusetzen; Hauptmerkmal dieser u.a. von Milton Friedman vertretenen Lehre sind die freien Märkte, die als effizientestes Mittel zur Ressourcenallokation und Einkommensverteilung angesehen werden. Im Schlussteil seines Buches tritt Daniel Kahneman bei der Definition der Rolle des Staates für einen paternalistischen Ansatz ein, wodurch die Menschen bei ihren Entscheidungen Unterstützung erfahren würden, etwa indem das Erleiden eines kurzfristigen Verlusts tragbar und so das Erzielen eines langfristigen Gewinns möglich gemacht werden. Ohne Unterstützung des Staates muss jeder Einzelne die Kosten seiner Irrtümer selber tragen, oder aber es muss die Gesellschaft dafür aufkommen. Die jüngste Finanzkrise sowie die Problematik des Moral Hazard scheinen diese These zu stützen.

Hier einige weitere Links zum Thema:

[1] Thinking fast and slowwww.amazon.de/..., Daniel Kahneman, Allen Lane, 498 Seiten, 2011

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Freitag, 16. Dezember 2011,
11:10

Geldschöpfung

Wie wird eigentlich Geld geschaffen? Was auf den ersten Blick etwas Mystisches zu sein scheint, ist in Wahrheit ein ganz und gar weltlicher Prozess.

Zum einen kann die Notenbank neues Geld schaffen. Zum anderen können auch die Geschäftsbanken Geld kreieren, indem sie Kredite gewähren. Ihre Möglichkeiten, Geld zu schaffen, werden durch die gesetzlichen Vorschriften über die Mindestreserven und durch die Bereitschaft der Notenbank, die Geldversorgung zu erhöhen oder zu verknappen, beeinflusst.

Die Notenbank kann über ihre geldpolitischen Instrumente die Zinssätze am Geldmarkt und damit die Geldversorgung eines Landes indirekt über die Nachfrage nach Krediten (hoher Zins gleich kleinere Nachfrage nach Krediten und weniger Geldschöpfung und v.v.) steuern. Im langfristigen Gleichgewicht sollte der Nominalzins dem nominalen Wirtschaftswachstum entsprechen. Das «Geldkleid» muss zur Realwirtschaft passen. Dann sind weder inflationäre noch deflationäre Tendenzen zu erwarten.

Zur Geldschöpfung der Geschäftsbanken ist zu sagen, dass diese nur dann Kredite gewähren, wenn sie von einer hohen Wahrscheinlichkeit einer Rückzahlung (mit Zinsen) ausgehen können. Das ist dann der Fall, wenn der Kreditnehmer eine vernünftige Investition tätigt. Je grösser die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Kreditnehmer nicht fähig sein wird, die Schuld bei Fälligkeit zu begleichen, desto weniger wird die Bank geneigt sein, einen solchen Kredit zu sprechen, oder sie wird für das höhere Risiko höhere Zinsen (bzw. Sicherheiten) einfordern.

Einige Links und Quellen zum Thema:

Für das iconomix-Team

Manuel Wälti

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Dienstag, 13. Dezember 2011,
18:23

Euro-Bonds

Die Krise in der Eurozone spitzt sich zu und zieht die Zone in die Rezession. Die Gefahr besteht, dass die Gemeinschaftswährung Euro auseinanderfällt. Einer der wenigen verbleibenden Rettungsanker sind sogenannte «Euro-Bonds». Gemeint sind Anleihen, für welche alle Staaten der Eurozone gesamtschuldnerisch haften. Die Zins- und Haftungsrisiken würden vergemeinschaftet.

Nachfolgend einige Links zum Thema:

Für das iconomix-Team

Marc Schiesser

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Freitag, 09. Dezember 2011,
10:03

Das "Too big to fail"-Problem

Der Zusammenbruch einer grossen Bank gefährdet die Stabilität des gesamten Finanz- und Wirtschaftssystems. Man sagt deshalb, eine solche Bank ist «systemrelevant». In einer Bankenkrise sind der politische Druck und die drohenden Probleme so gross, dass der Staat grosse Banken in den meisten Fällen rettet, selbst wenn dazu keine gesetzliche Verpflichtung besteht. Solche Banken besitzen eine unausgesprochene Staatsgarantie, denn sie können davon ausgehen, dass der Staat sie nicht fallen lässt. Die Rede ist vom «Too big to fail»-Problem.

Was sind die Folgen? Eine implizite Rettungsgarantie bürdet dem Staat und damit den Steuerzahlern grosse Risiken auf. Mögliche Verluste aus einer Bankenrettung würden grösstenteils von Steuergeldern gedeckt. «Too big to fail» ist aber auch aus wettbewerbspolitischen Gründen problematisch.

Ohne eine implizite Staatsgarantie müssten Grossbanken auf ihren Schulden höhere Zinsen bezahlen, um die Geldgeber für das Ausfallrisiko zu entschädigen. Aber dank der Garantie fühlen sich die Geldgeber der Bank in Sicherheit und sind mit weniger Zinsen zufrieden. Damit erhalten Grossbanken gegenüber kleinen Banken (und auch im Vergleich mit gewöhnlichen Unternehmen) einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil. Ausserdem verleitet eine unausgesprochene Staatsgarantie dazu, besonders hohe Risiken einzugehen. Denn risikoreichere Anlagen erzielen in der Regel eine höhere Rendite, während man die Kosten der Risiken abwälzen kann.

Die Schweiz ist von diesem Problem besonders betroffen, weil sie im Vergleich zu den zwei Grossbanken UBS und CS ein kleines Land ist. Hier eine Liste interessanter Links:

Für das iconomix-Team

Marc Schiesser

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