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Schweizerische Nationalbank

Freitag, 11. Dezember 2009,
07:54

Sportwetten und der Anreiz zum Betrügen

134,5 Millionen Menschen sassen vor dem Fernseher, als schon nur die Gruppen für die kommende Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika ausgelost wurden. Die riesige Aufmerksamkeit und Medienpräsenz des Fussballs sorgt dafür, dass immer grössere Geldsummen im Spiel sind – was wiederum die Gefahr von Manipulation und Betrug erhöht. Dies hat sich leider im kürzlich aufgedeckten Wettskandal in Europa einmal mehr bestätigt.

Wie funktioniert eigentlich dieser Markt für Sportwetten? Bei der traditionellen Sportwette offeriert der Wettanbieter – der so genannte «Buchmacher» – im Vorhinein eine feste Gewinnquote. Die einfachste Wette im Fussball ist die Ergebniswette: Heimsieg, Unentschieden oder Auswärtssieg. Auf Grund der impliziten Wahrscheinlichkeit der drei Spielausgänge legt der Buchmacher unterschiedliche Auszahlungsverhältnisse fest.

Ein Beispiel: Für das Cup-Spiel FC Luzern – FC St. Gallen vom 10. Dezember offerierte Sporttip Quoten von 1,75 (pro Franken Einsatz werden 1,75 Fr. ausbezahlt) für einen Heimsieg, 2,90 für ein Unentschieden und 3,00 für einen Sieg St. Gallens. Die implizite Wahrscheinlichkeit der Ergebnisse versteckt sich im Kehrwert der Wettquote und entspricht in diesem Fall 57%, 34% und 33%. Es fällt sofort auf, dass sich die drei Zahlen auf mehr als 100% summieren. Dieser Zuschlag (hier: 24%) entspricht der Gewinnspanne des Wettanbieters, denn die tatsächliche Eintrittswahrscheinlichkeit der drei Ergebnisse liegt tiefer, als die Quoten signalisieren.

Zudem versuchen die Buchmacher bei der Festlegung der Quoten bereits das Verhalten der Kunden zu berücksichtigen. Dadurch sichern sie sich einerseits gegen unausgeglichenes Wettverhalten ab, denn wenn die Gewinnsumme die Summe der verlorenen Wetten übersteigt, fährt der Anbieter einen Verlust ein. Andererseits kann durch die Anpassung der Wettquoten das irrationale Wettverhalten der Kunden ausgenutzt werden, denn Studien haben gezeigt, dass z.B. die Siegchancen von Aussenseitern regelmässig über- und der Heimvorteil unterschätzt wird.

Wo liegt nun die Betrugsgefahr bei Sportwetten? Mit der Korruption von Spielern, Schiedsrichtern oder anderen involvierten Personen manipulieren die Betrüger den Ausgang eines Spiels. Dadurch verändern sie die Wahrscheinlichkeit der verschiedenen Spielergebnisse und können dank dem Informationsvorsprung von den (zu) hohen Wettquoten profitieren, die der ahnungslose Buchmacher offeriert.

Korruption im Fussball ist aus ökonomischer Sicht abhängig von der Integrität der involvierten Personen, der Aufdeckungswahrscheinlichkeit, den Sanktionen im Überführungsfall und von den möglichen Wettgewinnen im Vergleich zu den direkten Einnahmen. Vor allem im letzten Punkt steckt Gefahrenpotenzial: Die EU will die Wettmärkte umfassend liberalisieren und so für mehr Wettbewerb sorgen. Dadurch sinkt die Gewinnspanne der Anbieter und der Wettgewinn der Konsumenten (inklusive Betrüger) steigt – und somit auch die Manipulationsgefahr.

Für das iconomix-Team
Marcel Stadelmann

 

Vergleiche dazu den letzten Text- und Frageblock in den Politics-Economics vom 13. Dezember 2009http://www.iconomix.ch/de/alacarte/detail/a015/journal/politics-economics-13-dez-2009/.

Quelle: H. Dietl & E. Franck, 2008. Millisekunden und Milliarden: 30 Analysen zur Ökonomie des Sports. Zürich: Verlag Neue Zürcher Zeitung.

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