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Warren Buffett und die Eisenbahn
Warren Buffett ist einer der erfolgreichsten Investoren und laut Forbes.com zweitreichster Mann der Welt. Erst kürzlich hat er angekündigt, mit seiner Holding-Gesellschaft Berkshire Hathaway die US-amerikanische Eisenbahngesellschaft BNSF Railway für $ 44 Mrd. kaufen zu wollen.
BNSF ist hinter Union Pacific die zweitgrösste auf Gütertransport spezialisierte Eisenbahngesellschaft Nordamerikas. Bei der Übernahme handelt es sich um die grösste Investition, die Buffett je getätigt hat. Und in seinen bisherigen 78 Lebensjahren hat er bereits eine Reihe grosser Investitionen getätigt. Wie also lässt sich diese ökonomisch rechtfertigen?
Buffett selbst bezeichnet sein Engagement als eine grosse Wette auf eine konjunkturelle Erholung der US-Wirtschaft. Und tatsächlich hängt der Schienengüterverkehr sehr stark von der Konjunktur ab: Je besser es der Wirtschaft geht, desto mehr Güter werden transportiert.
Aber Buffetts Einstieg bei BNSF ist nicht nur eine Wette auf eine Konjunkturerholung. So wird der Güterverkehr auch vom Grad der Spezialisierung einer Volkswirtschaft bestimmt. Nimmt dieser zu, so wächst die Nachfrage nach Gütertransporten. Denn je stärker sich ein Unternehmen spezialisiert, desto mehr Vorleistungen muss es von anderen Unternehmen einkaufen. Hierdurch ist das Nachfragewachstum nach Transportleistungen langfristig garantiert.
Dabei stellt sich die Frage, welchen Anteil des Nachfragewachstums sich Buffett mit seiner Eisenbahngesellschaft sichern kann. Seine grössten Konkurrenten sind jedoch nicht die anderen Eisenbahngesellschaften. Denn diese besitzen auf ihren Linien ein regionales Monopol, da es ökonomisch wenig Sinn macht, Parallelnetze zu betreiben.
Buffetts grösster Konkurrent ist der LKW-Transport. Gegenüber der Strasse hat die Schiene in den USA aber deutliche Kostenvorteile.[1] Derzeit kostet eine Tonnenmeile auf der Strasse ungefähr viermal soviel wie auf der Schiene. Dabei sind nur die privaten Kosten berücksichtigt. Zählt man die sozialen Kosten hinzu, die durch Staus, Unfälle, CO2-Ausstoss und Luftverschmutzung entstehen, so wird der Kostenvorteil noch grösser. Aufgrund dieser Kostenvorteile sollte der Schienenverkehr gegenüber dem Strassenverehr also überproportional vom Nachfrageanstieg profitieren.
Betrachtet man darüber hinaus die unterschiedlichen Kostenstrukturen von Eisenbahn und LKW, so wird deutlich, welchen Gewinnhebel Buffett hat. Während beim LKW-Transport fast nur variable Kosten anfallen, ist beim Schienentransport der Anteil der Fixkosten sehr hoch. Mit steigender Nachfrage fallen somit beim Schienentransport die Durchschnittskosten pro Tonnenmeile, während sie beim LKW-Transport annähernd konstant bleiben. Ein allfälliges Nachfragewachstum dürfte also zu einem überproportionalen Gewinnwachstum bei den Eisenbahngesellschaften führen.
So gesehen ist die Übernahme von BNSF Railway eine sehr attraktive Investition in die Zukunft, durch die sich Buffett erhofft, den Aktionären seiner Holdinggesellschaft ein überproportionales Gewinnwachstum zu sichern.
[1] McCullough, Gerard J. (2006): «U.S. Railroad Efficiency: An Economic View,» Conference Proceedings XX: Research to Enhance Rail Network Performance. Transportation Research Board of the National Academies, Washington DC.
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