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Ausgezeichnet
In der zuweilen hitzigen Debatte um Boni und Managerlöhne geht schnell vergessen, dass nebst finanziellen Anreizen ein weiteres Instrument zur Verfügung steht, ausserordentliche Arbeit zu würdigen: Auszeichnungen.
Nach Nobelpreis-Verleihung und Miss Schweiz Wahl mag dieser Befund etwas überraschen, ist doch die Ehrung von besonderen Leistungen weit verbreitet. Interessanterweise ist aber die vertiefte ökonomische Wirkungsweise von Auszeichnungen kaum erforscht.
Die meisten Auszeichnungen sind ihrer Natur nach nicht-materiell. Oft sind sie für den Geber beinahe kostenlos, für den Empfänger aber von hohem symbolischen Wert. Zwar können zusätzlich Geldbeträge gesprochen werden. Diese dienen aber primär dazu, die Bedeutung der Würdigung zu unterstreichen. Bezeichnend ist zudem der öffentliche Charakter der Verleihung. Erst durch eine bereitere Sichtbarmachung der Leistung entfaltet sich der mit dem Preis einhergehende Gewinn an Ansehen.
Und genau dieser Zugewinn an Reputation verpflichtet, wie eine der wenigen zu diesem Thema erschienenen Studien aufzeigt.[1] So scheint eine Auszeichnung dazu zu führen, dass die Geehrten bewusst oder unbewusst danach streben, nachträglich die Belohnung zu rechtfertigen. Dies führt im Falle der hier untersuchten Unternehmung zu einer kurzfristig markant höheren Leistung der betroffenen Arbeitskräfte von durchschnittlich 7,5% gegenüber den nicht berücksichtigten Kollegen.
Natürlich kann auch die Vergabe von Auszeichnungen ganz unterschiedlich ausgestaltet werden. Sie kann an direkt messbare Leistungen, aber auch an besonders hervorzuhebende allgemeine Verhaltensweisen geknüpft werden (z.B. das Teilen von Wissen, Hilfsbereitschaft etc.).
Für Unternehmen, in denen der Beitrag einer einzelnen Arbeitskraft zur gesamten Wertschöpfung nur schwer ermittelbar ist, bietet sich die Würdigung von allgemeinen Verhaltensweisen besonders an. So kann der Einsatz für den Gesamterfolg einer Unternehmung anerkannt werden, ohne auf komplexe finanzielle Anreizsysteme zurückgreifen zu müssen. Zudem können Würdigungen die Bereitschaft der nicht ausgezeichneten Mitarbeiter erhöhen, sich in gleicher Weise für das Unternehmen einzusetzen.
Betrachtet man die heutigen global tätigen Unternehmen, so scheint es nur schwer vorstellbar, dass einen Abkehr von überwiegend finanziellen Anreizsystemen möglich ist. Dabei ist eine ertragssteigernde Wirkung der leistungsorientierten Managerlöhne wissenschaftlich sehr umstritten.[2]
Rückblickend hat sich mehrfach gezeigt, dass das Zustandekommen von Managersalären viel eher mit opportunistischem Gewinnstreben zu tun hat als mit der Entlohnung von konkret vorweisbaren Leistungen. Eine zu starke Weitung der Lohnschere führt zudem nachweislich zu sozialen Spannungen. Nicht nur, aber auch aus diesem Grund sollte den nichtfinanziellen Anreizsystemen vermehrt Beachtung geschenkt werden.
Für das iconomix-Team,
Pascal Sulser
[1] Neckermann, Cueni et al. (2009): «What is an Award Worth?» IEW Working Paper 411, University of Zurich.
[2] Weitere Blogbeiträge zum Thema «Managerlöhne» werden folgen. Als interessanter Einstieg bietet sich folgende Studie an: Hall and Liebman (1998): «Are CEOs Really Paid Like Bureaucrats?» Quarterly Journal of Economics, 113, 653-691.
Weiterführende Informationen:
Bruno S. Frey (21.10.2009): «Auszeichnungen als Anreize», NZZ, Printausgabe, Seite 32.
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