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Glückliches Norwegen?
In Norwegen lebt es sich ausgesprochen gut. Dies bestätigen auch die neusten Zahlen des Human Development Index (HDI), welche im Auftrag der UNO regelmässig erhoben werden.
Das nordeuropäische Land hält die Spitzenposition noch vor Australien und Island. Die Schweiz erreicht in der Liste der am höchsten entwickelten Länder den neunten Rang. Vor ihr liegen Frankreich, Schweden, die Niederlande, Irland und Kanada.
Solche Rankings sind natürlich immer auch willkommenes Futter für die Medien. Wir wollen ja alle gerne wissen, wie wir uns im Vergleich zum Ausland geschlagen haben. So titelte etwa NZZ Online, Norwegen habe die «weltweit beste Lebensqualität», und 20 Minuten Online machte deren Staatsangehörige gleich auch zu «glücklichen» Bürgern.
Beide liegen sie mit ihrer Aussage nicht wirklich falsch. Nur, ist der HDI wirklich geeignet, die Lebensqualität zu messen? Zweifel sind angebracht.
Der HDI setzt sich aus drei Komponenten zusammen: der Lebenserwartung, dem BIP sowie dem Bildungsgrad. Dabei ist sowohl die Fokussierung auf nur drei Aspekte wie auch deren Gewichtung schlicht willkürlich gewählt.
So findet die Einkommensverteilung genauso wenig Eingang in den Index wie individuelle Freiheitsrechte oder soziale Sicherungssysteme. Bestenfalls handelt es sich also um ein grobes Abbild des Entwicklungsstandes einzelner Länder, nicht aber um einen umfassenden Indikator für die Lebensqualität.
Die Lebensqualität lässt sich aber sehr wohl ganzheitlicher erfassen. Vielversprechend ist insbesondere die direkte Befragung einzelner Bürger. Dies hat den Vorteil, dass alle von einer Person als wichtig empfundenen Faktoren in ihrer Einschätzung berücksichtig werden.
Wie also steht es um die Schweiz, wenn anstelle des HDI das subjektive Wohlbefinden herangezogen wird? Die aktuellsten Zahlen aus dem «World Values Survey» fördern erfreuliches zu Tage:
Die Daten zeigen deutlich, dass die Schweiz relativ mehr zufriedene Bürger beheimatet als die im HDI-Ranking vor ihr liegenden Länder.[1] So gibt in Frankreich fast ein Viertel der Befragten an, tendenziell eher unzufrieden zu sein (Wert ≤ 5), wohingegen in der Schweiz gerade mal acht Prozent in denselben Bereich fallen. Einzig Norwegen macht der Schweiz den ersten Platz streitig, wobei aber die Eidgenossen häufiger die Höchstnote vergeben haben.
Soll also eine ganzheitliche Erfassung der Lebensqualität erfolgen, so bietet sich der sogenannte «Life Satisfaction»-Ansatz an. Auch dieser bringt gewissen Tücken mit sich. Insgesamt aber spricht viel für eine stärkere Fokussierung auf die subjektive Lebenszufriedenheit, was auch in weiteren Blog-Beiträgen konkret aufgezeigt werden soll.
Vorerst kann aber festgehalten werden: Es lebt sich ausgesprochen gut im hohen Norden - aber eben auch im Herzen Europas!
Für das iconomix-Team,
Pascal Sulser
[1]Die Beschränkung auf vier Länder dient einzig der Übersichtlichkeit. Die nicht aufgeführten Länder liegen zwischen den Werten der Schweiz/Norwegen und jenen Frankreichs.
Weiterführende Informationen:
- iconomix Blog-Beitrag (25.09.09): «Vom BIP zum Glück»
- iconomix Blog-Beitrag (22.07.09): «Ohne Markt kein Preis – Teil 1»
- NZZ Online (05.10.09): «Weltweit beste Lebensqualität in Norwegen»
- 20 Minuten Online (05.10.09): «Glückliche Norweger»
- Der Bund (05.10.09): «Norwegen bietet am meisten Lebensqualität»
- 1 Kommentare
Ihnen einen grossen Dank für die detaillierte und präzise Betrachtung solcher doch eher schwierigen Bewertungskonstrukte. Eine Herangehensweise, die man leider zu oft in der Darstellung solcher Studien vermisst. Mit freundlichen Grüssen S. Rüegg
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