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Die Effektivität der Gemeinschaft
Die Schweiz zeichnet sich u.a. dadurch aus, direkt-demokratisch und föderalistisch organisiert zu sein. Die Möglichkeit zur Einflussnahme auf gesellschaftliche Prozesse und Entscheide fördert die politische Meinungsbildung. Dies führt zu – im Vergleich zu anderen Staaten – besser informierten Bürgern.[1]
Bedeutungsvoll sind bürgernahe Institutionen aber auch für die Entwicklungshilfe. Im Gegensatz zu sogenannten «Government-to-Governemnt»-Transfers, wo reiche Nationen den Regierungen von Entwicklungsländern direkt Gelder zur Verfügung stellen, setzt man hier konsequent auf eine Stärkung der gesellschaftlichen Strukturen von unten.
Hinweise zur Wirksamkeit einer solchen Herangehensweise liefert eine aktuelle Studie.[2] Mitarbeiter der Universität Stockholm und der Weltbank hatten sich zusammengetan, mit der Absicht, die Qualität des ugandischen Gesundheitswesen zu verbessern. Versuchshalber wurde ein auf der Zivilgesellschaft basierendes Überwachungssystem geschaffen. Konkret sollte der Meinungsaustausch sowohl innerhalb der Gemeinden wie auch zwischen Gemeinden und lokalen Gesundheitsdiensten gefördert werden. Die Umsetzung vor Ort erfolgte in Zusammenarbeit mit lokalen NGOs.
Ein Jahr nach der Implementierung dieses Systems wurde Bilanz gezogen. Die Zahlen stimmen zuversichtlich. Nicht nur waren Kinder im Durchschnitt besser ernährt, auch die Sterblichkeitsrate konnte gegenüber der Kontrollgruppe um gut 33 Prozent gesenkt werden. Ferner hat die Verfügbarkeit und die Qualität von ärztlichen Dienstleistungen messbar zugenommen.
Diese Effekte sind aber nicht etwa auf finanzielle Mehrausgaben zurückzuführen. Viel mehr scheint der geförderte Dialog zwischen den Parteien zu einem veränderten Verhalten bei den lokalen Gesundheitsdiensten geführt zu haben. Aufgrund der vermehrten Überwachung durch die Zivilgesellschaft wirkten soziale Sanktionen und gesellschaftliche Belohnungseffekte wie bspw. der Gewinn an Ansehen stärker.
Für das iconomix-Team,
Pascal Sulser
Weiterführende Informationen:
- Benz and Stutzer (2004): «Are Voters Better Informed When They Have a Larger Say in Politics? Evidence for the European Union and Switzerland,» Public Choice, 119, 31–59.
- Björkman and Svensson (2009): «Power To The People: Evidence From A Randomized Field Experiment On Community-Based Monitoring in Uganda,» Quarterly Journal of Economics, 124, 2, 735-769.
- 3 Kommentare
Ihnen ganz herzlichen Dank für die umgehende und ausführliche Antwort. Mit freundlichen Grüssen S. Rüegg
Sehr geehrter Herr Rüegg,
Ihrer Bitte komme ich gerne nach. Die grundlegende Überlegung basiert auf der Feststellung, dass die für jedes Gemeindemitglied verfügbaren Informationen privat respektive nicht öffentlich sind. Man macht eigene Erfahrungen mit der ärztlichen Betreuung, tauscht diese aber nur bedingt mit den anderen Gemeindemitgliedern aus.
Druck auf die Gesundheitsdienste kann aber erst dann aufgebaut werden, wenn die relevanten Informationen der ganzen Gemeinde bekannt gemacht werden. Aus diesem Grund wurde als erstes mittels Fragebogen die persönliche Einschätzung der Gemeindemitglieder erfasst. Anschliessend wurden die gesammelten Informationen aufbereitet und bei der ersten
Ratsversammlung präsentiert. Somit waren nun alle Teilnehmer (im Schnitt mehr als 150 Personen) über den aktuellen Zustand des Gesundheitsdienstes informiert. Auf Grundlage dieser Informationen konnte ein Katalog von Verbesserungsvorschlägen formuliert werden.
Ähnlich verlief der Prozess bei den diversen ärztlichen Einrichtungen. Auch hier wurde mittels Fragebogen eine erste Diskussionsgrundlage geschaffen. Diesen Resultaten wurden jene der Befragung der Gemeindemitglieder gegenübergestellt und ausgiebig diskutiert.
In einem letzten Schritt trafen sich Mitglieder der Gemeindeversammlung mit Vertretern der Gesundheitsdienste. Insbesondere wurden Patientenrechte und diverse Verantwortungsbereiche erörtert. Daraus ging ein gemeinsam formulierter Aktionsplan hervor, welcher festhielt, was durch wen und wann zu tun sei.
Freundliche Grüsse,
Pascal Sulser
Ein prägnanter Beitrag zu einem gesellschaftlich sehr spannennden Thema. Könnten sie nicht kurz die Form des Austausch- resp. Anreizsystems in Uganda erläutern, rein der Neugierde der Lesenden wegen?
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