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Ohne Markt kein Preis - Teil 1
Stellen Sie sich vor, die Anflugsrouten auf den Flughafen Zürich würden geändert. Neu leiden zuvor verschont gebliebene Wohngebiete unter erhöhter Lärmbelastung. Frage: Wie kann der entstandene Schaden für die betroffenen Bürger in Franken und Rappen berechnet werden?
Eine Möglichkeit ist die Betrachtung der Häuserpreise vor und nach der Änderung der Anflugsroute. Alternativ können die Preise von gleichartigen Wohnobjekten, die vom neuen Anflugsregime nicht betroffen sind, zum Vergleich herangezogen werden. Die Idee dabei: Der entstandene Schaden wird durch sinkende Häuserpreise kompensiert. Der Häusermarkt dient so als Annäherung an den nicht vorhandenen Markt für das Umweltgut «Ruhe».
Dem sogenannten «Marktpreisansatz» sind allerdings Grenzen gesetzt. Der Wohnungs- und Häusermarkt ist nur selten im Gleichgewicht. Unzählige Vorschriften verhindern eine freie Preisbildung. Zudem investieren die Bewohner in ihr soziales Umfeld, z. B. in nachbarschaftliche Beziehungen. Sie sind folglich bis zu einem gewissen Grad lokal gebunden. Legt man sich einzig auf den «Marktpreisansatz» fest, so werden die Schäden der Lärmbelastung unterschätzt.
Einen Ausweg bietet der «Life Satisfaction»-Ansatz. Typischerweise basieren solche Analysen in der Schweiz auf Angaben aus dem «Schweizer Haushalt-Panel». In unserem Fall bedeutet dies, dass die Antwort auf die Frage «Ganz allgemein gefragt - wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Leben?» verwendet wird, um die individuelle Einbusse an Lebensqualität bemessen zu können. Da sowohl das verfügbare Einkommen wie auch die Lärmbelastung das subjektive Wohlbefinden beeinflussen, ist es möglich, den empfundenen Schaden in Geldeinheiten umzurechnen.
Fazit: Umweltgüter wie beispielsweise «Ruhe» werden nicht gehandelt und haben daher keinen direkt messbaren Preis. Der ökonomische Wert von Umweltschäden kann deshalb nur näherungsweise geschätzt werden. Im konkreten Fall der Lärmbelastung durch ein neues Anflugsregime gibt es dafür zwei Möglichkeiten: der «Marktpreisansatz» und der «Life Satisfaction»-Ansatz. Ersterer beziffert den Effekt der erhöhten Lärmbelastung indirekt anhand von Veränderungen bei den Häuserpreisen, Letzterer ermöglicht zusätzlich eine Bewertung der nicht über den Häusermarkt erfassbaren Effekte der Lärmbelastung.
Für das iconomix-Team,
Pascal Sulser
Aktuell:
- Artikel auf 20min.ch
- Artikel auf NZZ.ch
Weiterführende Informationen:
- René L. Frey, Elke Staehelin-Witt und Hansjörg Blöchliger (Hrsg.), 1993. Mit Ökonomie zur Ökologie, Kapitel 10.
- Bruno S. Frey, Simon Luechinger and Alois Stutzer, 2004. Valuing Pubic Goods: The Life Satisfaction Approach, IEW Working Paper No. 184.
- Simon Luechinger, 2009. Valuing Air Quality Using The Life Satisfaction Approach, The Economic Journal, 119, 482-515.
Bildquelle: FreeDigitalPhotos.net
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