iconomix

Schweizerische Nationalbank

Freitag, 26. Juni 2009,
11:15

Wenn mehr Feiertage zu Wachstum führen

Der 1. Mai ist Tag der Arbeit und damit einer der höchsten Feiertage in China. Der Grossteil der Bevölkerung geniesst den verdienten freien Tag, die Arbeit wird liegengelassen. «Warum nicht gleich die ganze Woche?» fragte sich die chinesische Regierung und führte im Jahr 2000 tatsächlich eine ganze Woche Ferien ein anlässlich des 1. Mai.

Dies wäre eigentlich nicht weiter bemerkenswert, wäre da nicht die erstaunliche Begründung für die Massnahme. Die chinesische Regierung verfolgt damit das Ziel, das Wirtschaftswachstum zu erhöhen!

Legt jemand seine Arbeit nieder, um ein paar Tage Ferien zu machen, so ergeben sich mehrere Effekte. Zum Einen entsteht ein direkter Ausfall an Arbeitskraft, also eine Verzögerung der Produktion von Gütern und Dienstleistungen. Zum Anderen sind da aber auch die Mehrausgaben während bzw. für die Ferien, welche bestimmt viele von uns kennen.

So genossen in den letzten Jahren Millionen von Chinesen nicht nur den 1. Mai sondern gleich die erste Maiwoche abseits der Arbeit. Sie reisten, sie kauften ein, sie genossen gutes Essen. Mit anderen Worten: Sie erhöhten ihre Ausgaben.

Kommt hinzu dass massvoller Genuss und Erholung nicht nur gut sind für die Gesundheit sondern auch für die Moral. Motivierte Arbeiter sind innovativer und effizienter, die Produktivität wird durch gelegentliche Freitage gesteigert.

Und tatsächlich führte die chinesische Regierung einen Teil der höheren Wirtschaftsleistung im Jahr 2000 auf diese und ähnliche Massnahmen zurück.

Eine solche Strategie hat aber auch ihre Grenzen. «Ein Land kann sich nicht zu höherem Wachstum essen und trinken» gibt der chinesische Ökonom Peng zu bedenken (im «Economist» vom 11. Mai 2000). Denn nur durch eine dauerhaft grössere Produktion kann man langfristig zu höherem Wachstum gelangen.

Dies ist zweifellos eine sehr wichtige Erkenntnis. Allerdings ist jede noch so hohe Produktion nutzlos, werden die produzierten Güter und Dienstleistungen nicht auch nachgefragt, also gekauft und genossen.

Für das iconomix-Team
Ronald Indergand

 

Vergleiche dazu die iconomix-Fragen in Politics-Economicshttp://www.iconomix.ch/de/alacarte/detail/a015/journal/politics-economics-28-juni-2009/ vom 28. Juni 2009.

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