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«Behavioral Economics»
Der «homo oeconomicus» ist ein völlig rationaler Wirtschaftsteilnehmer. Er handelt also vernünftig, logisch und dem Eigeninteresse folgend.
Dieses Menschenbild vereinfacht die Realität stark, ermöglicht es aber, die Wirtschaft in mathematischen Modellen darzustellen und so zu quantitativen und überprüfbaren Aussagen zu kommen. Die meisten Ökonomen sind zudem der Auffassung, dass diese Verhaltensannahme die Realität wenigstens näherungsweise gut abbildet.
Ein Teil der Ökonomen und Sozialwissenschaftler weist allerdings seit Langem darauf hin, dass es Situationen gibt, in denen irrationales und emotionales Verhalten eine grosse Rolle spielt.
In den letzten Jahrzehnten entstand daher die verhaltensorientierte Wirtschaftsforschung (engl. «Behavioral Economics»), welche oft als «Bindeglied» zwischen Psychologie und Ökonomie gesehen wird. Im Fokus stehen das menschliche Urteilsvermögen und der Prozess der Entscheidungsfindung und damit insbesondere Abweichungen vom rationalen Verhalten.
Eine der wichtigsten Methoden von Verhaltensökonomen ist das Experiment. In «ökonomischen Labors» (meist eine Computerumgebung) werden Situationen erzeugt, welche eine ökonomische Entscheidung erfordern. Mit Hilfe von Versuchspersonen werden so die wirtschaftlichen Verhaltensweisen genau analysiert, anstatt direkt Rationalität zu unterstellen.
Wichtige Ergebnisse dieser Forschungsarbeit sind, dass bei einem ökonomischen Entscheidungsprozess Daumenregeln, anstatt strikt vernünftige Überlegungen, und Emotionen (Stichwort: Fairness) eine grosse Rolle spielen können.
Desweiteren üben sogenannte «Framing-Effekte» einen grossen Einfluss aus. D.h. für die Handlung des Entscheidenden spielt es eine Rolle, wie eine Situation oder ein Problem dargestellt wird. Werden also zwei ansonsten identische Alternativen unterschiedlich formuliert bzw. dargestellt, so kann dies den Entscheid für oder gegen eine der Alternativen beeinflussen.
Die verhaltensorientierten Zweige der Wirtschaftswissenschaften erfreuen sich zunehmend grösserer Aufmerksamkeit. In den kommenden Wochen werden wir deshalb einige interessante Forschungsergebnisse und Erkenntnisse vorstellen und Beispiele aus unserem täglichen Leben und der Finanzwelt aufgreifen.
Für das iconomix-Team
Ronald Indergand
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