iconomix

Schweizerische Nationalbank

Montag, 02. März 2009,
12:57

Spekulationsblasen

Die gegenwärtige Finanzkrise gründet zu einem grossen Teil in Fehlentwicklungen im US-amerikanischen Häusermarkt. Nach einem starken Anstieg der Häuserpreise in nur wenigen Jahren hat der Trend Mitte 2006 plötzlich gekehrt. Seit zwei Jahren sinken die Preise ziemlich rasch; ein Ende der Talfahrt ist nicht abzusehen.

Häuserpreise in 10 grossen Städten der USA

Bei der Frage nach den Ursachen für diese Entwicklung ist oft von «Spekulationsblase» die Rede. Was steckt hinter diesem Begriff?

In den Augen von Ökonomen sind Immobilien vergleichbar mit anderen Vermögensanlagen wie Obligationen oder Aktien. Der Marktpreis einer solchen Anlage wiederspiegelt die Erwartungen der Investoren über die zukünftigen Vermögensströme (Dividenden, Zinszahlungen, Wertsteigerungen etc.). Verschlechtern sich die realwirtschaftlichen Aussichten, so sinkt in der Regel der Kurs und umgekehrt.

Neben dem Marktpreis kennen Ökonomen das Konzept des Fundamentalwerts. Dieser stellt den «wahren, realistischen Wert» einer Anlage dar, welcher dem Wertpapier aus gegenwärtiger Sicht unterliegt. Im Unterschied zum Marktpreis kann dieser aber nirgends abgelesen, sondern muss von Analysten und Investoren geschätzt werden.

Sind die Erwartungen der Investoren spekulativ und überoptimistisch (oder umgekehrt, übermässig pessimistisch), so können sich der Marktpreis eines Wertpapiers und dessen Fundamentalwert für längere Zeit voneinander entkoppeln. Ökonomen sprechen in diesem Fall von einem «Bubble».

Obwohl diese Abweichung durchaus gross sein kann und oft von psychologischen Faktoren abhängt, kann sich der Marktpreis nicht beliebig weit und beliebig lang vom Fundamentalwert entfernen, sondern muss sich längerfristig wieder an diesen anpassen. Typischerweise erfolgt die Korrektur sehr abrupt.

Denn nachdem sich im Markt die Erkenntnis einmal durchgesetzt hat, dass eine bestimmte Klasse von Vermögensanlagen überbewertet ist, versuchen sehr viele Marktteilnehmer gleichzeitig, die betreffenden Wertpapiere zu verkaufen. Es kommt zum Crash.

Manchmal werden Forderungen laut, die Geldpolitik solle versuchen, solche Szenarien aktiv zu bekämpfen. Was sich theoretisch gut anhört, ist in der Praxis ein schwieriges Unterfangen. Denn von einem Preisanstieg bestimmter Vermögenswerte mit Sicherheit zu sagen, dass es sich um eine spekulative Blase handelt, ist erst möglich, nachdem die Blase geplatzt ist. Grund dafür sind die oben beschriebenen Unsicherheiten bezüglich Fundamentalwert.

Und selbst wenn sich eine Spekulationsblase im Voraus als solche erkennen liesse, ist unklar, wie die Geldpolitik darauf reagieren sollte. Erst eine massive Intervention der Zentralbank (mittels markanter Leitzinserhöhung) dürfte eine Blase zum Platzen bringen. Dies hätte jedoch stark negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft (massiver Konjunktureinbruch). Daher ist die Gefahr gross, dass eine solche Politik mehr Schaden anrichtet als Nutzen stiftet.

Die Geldpolitik kann Spekulationsblasen also kaum bekämpfen. Aber sie kann einen Beitrag dazu leisten, die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems zu erhöhen, damit die Konsequenzen geplatzter Spekulationsblasen milder ausfallen. Mehr dazu in einem der nächsten Blogbeiträge.

Für das iconomix-Team
Ronald Indergand

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