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Entlohnung in der Bankbranche
Medienberichten zufolge will die UBS für das Jahr 2008 Boni in Milliardenhöhe entrichten. Und das obwohl die Grossbank in Schwierigkeiten geraten und seit letzten Herbst auf staatliche Hilfe angewiesen ist. Dies hat in der Öffentlichkeit zu einer hitzigen Debatte über die Entlohnungspolitik der UBS geführt. Kritiker verlangen, dass die geplanten Bonuszahlungen gekürzt oder sogar ganz ausgesetzt werden.
Der Unmut ist nicht zuletzt so gross, weil die Löhne in der Bankbranche oft als ungerecht und zu hoch empfunden werden. Ein Blick in die letzte Lohnstrukturerhebung des Jahres 2006 zeigt, dass Bankangestellte im Vergleich mit allen anderen Branchen in der Tat am meisten verdienen. Der Median des Bruttomonatslohns im Kreditgewerbe ist mit rund 8500 Franken am höchsten. Zum Vergleich: in der gesamten Wirtschaft beträgt er knappe 5900 Franken.
Warum verdienen Arbeitnehmer bei den Banken im Schnitt deutlich mehr als in anderen Branchen?
Eine mögliche Erklärung liegt in der Arbeitsproduktivität. Diese misst die Wertschöpfung, also den Wert der produzierten Güter und Dienstleistungen, pro Arbeitsstunde. In der Bankbranche ist die Arbeitsproduktivität u.a. höher, weil das Bankengeschäft sehr kapitalintensiv sind. Dazu kommt, dass die Arbeitnehmer bei Banken im Schnitt über eine gute Ausbildung (Humankapital) verfügen.
Einen weiteren Grund sieht Hansueli Schöchli, Journalist bei Der Bund, in der hohen Rentabilität des Bankgeschäfts:
Die Löhne sind überdurchschnittlich hoch, weil das Geschäft überdurchschnittlich rentabel ist. Nach Lehrbuch sind hohe Renditen in der Regel durch hohe Risiken und/oder einen Mangel an Wettbewerb zu erklären. Bei den Banken spielt beides eine Rolle, doch im traditionell rentabelsten Geschäft der Vermögensverwaltung profitieren die Banken vor allem vom Mangel an Preiswettbewerb: Die Kunden sind in der Regel keine Schnäppchenjäger (in Boomzeiten ohnehin nicht), die Gebühren sind oft nicht transparent, neue Anbieter haben es mangels Vertrauenskapital eher schwer, und die mentalen sowie administrativen Hürden für einen Bankwechsel sind erheblich. (Der Bund, 31.1.2009)
Desweitern haben Bankangestellte im Schnitt eher weniger Absenzen als Arbeitskräfte in anderen Branchen und leisten gleichzeitig doppelt so viele Überstunden als im gesamtwirtschaftliche Durchschnitt.
Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Gute und fähige Bewerber sind – oder waren zumindest bis vor kurzem – sehr gefragt und die Banken konkurrieren einander bei deren Rekrutierung. Dies steigert tendenziell die Löhne. Besonders im Kampf um die besten Kaderleute bieten sich die Banken mit attraktiven Lohnangeboten gegenseitig hoch.
Die oben genannten Erklärungsansätze werfen Licht auf die Frage, warum z.T. beträchtliche Lohnunterschiede zwischen Branchen bestehen. Die Frage, in welchen Fällen und ab welcher Höhe Boni für Bankangestellte «unangemessen» oder «zu hoch» sind, ist damit nicht beantwortet.
Ausblick: Am 10. Februar 2009 wird die UBS im Rahmen der Quartalsberichterstattung u.a. zu den Bonuszahlungen Stellung nehmen (siehe hier).
Für das iconomix-Team
Boris Kaiser
Vergleiche dazu die iconomix-Fragen in Politics-Economics vom 8. Februar 2009.
Hinweis: Im Frühling 2009 wird iconomix das vollständig überarbeitete Modul «Lohnunterschiede» aufschalten.
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