Im Zusammenhang mit den stark gestiegenen Energie- und Nahrungsmittelpreisen der letzten Jahre ist in der Zeitschrift «Die Volkswirtschaft» eine Reihe interessanter Artikel zum Thema Ressourcenknappheit erschienen.
Aymo Brunetti vom Staatssekretariat für Wirtschaft erläutert in seinem Artikel «Ressourcenknappheit und Preisssignale» das Grundkonzept des Marktmodells mit Angebot und Nachfrage auf realitätsnahe und anschauliche Weise. Als einfaches Beispiel dient folgendes Preis-Mengen-Diagramm für den Weltmarkt für Öl aus kurzfristiger Sicht:
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Die Nachfragekurve im Diagramm verläuft steil, weil die Marktteilnehmer in der kurzen Frist (!) aufgrund geringer Substitutionsmöglichkeiten nur schwer auf Öl und Benzin verzichten können. Die Nachfrage ist also unelastisch.
Desgleichen sind die Produktionskapazitäten durch die stark gestiegene Nachfrage momentan stark ausgelastet. Die Angebotskurve verläuft also im Marktgleichgewicht steil, weil die Ölproduzenten das Angebot kurzfristig (!) nur sehr begrenzt ausweiten können. Die Angebotskurve ist im Bereich des Marktgleichgewichts also ebenfalls unelastisch.
Wieso hat sich das Marktgleichgewicht verschoben? Aufgrund des starken Wirtschaftswachstums in vielen Schwellenländern wie China und Indien ist die weltweite Nachfrage nach Energieträgern (v.a. Öl) in den letzten Jahren kräftig angestiegen. Im Marktdiagramm äussert sich dies durch eine Verschiebung der Nachfragekurve nach rechts. Die Auswirkungen der Nachfragesteigerung auf Gleichgewichtspreis und –menge sind im Diagramm erkennbar: Vom alten ins neue Marktgleichgewicht steigt der Ölpreis markant; die gehandelte Menge vergrösserte sich nur geringfügig. Tatsächlich widerspiegelt die Entwicklung auf den Märkten für Energieträger die beschriebenen Effekte im Modell.
Ein wichtiger Punkt den Brunetti in der Analyse besonders hervorhebt: Im Gegensatz zur Finanzkrise handelt es sich bei den Preissteigerungen auf den Rohstoffmärkten nicht etwa um Marktversagen, sondern um das Ergebnis funktionierender Märkte, die die steigende Ressourcenknappheit durch höhere Preisen korrekt anzeigen. Diese Preissignale sind wichtig, weil sie z.B. Anreize schaffen, mit knappen Ressourcen haushälterisch umzugehen.
Der Artikel bietet eine gute Möglichkeit, das nicht immer einfach zu vermittelnde theoretische Grundkonzept des Marktes anhand eines realitätsnahen und intuitiv einleuchtenden Beispiels zu illustrieren. So können Theorie und Aktualität passend verknüpft werden. Zudem eignet sich der Artikel von Brunetti (sowie weitere Artikel dieser Ausgabe) als Ausgangslage für eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema «Ressourcenknappheit» im Unterricht.
Für das iconomix-Team,
Boris Kaiser


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