3sat strahlte im Januar 2010 ein sehenswertes Gespräch mit dem Schweizer Glücksforscher Bruno S. Frey aus. Frey gehört zu den unkonventionellsten Schweizer Ökonomen. Von 1977 bis 2012 war er Professor der Universität Zürich, heute ist er an der Universität Warwick und an der Zeppelin-Universität Friedrichshafen tätig.
Frey war einer der ersten Wirtschaftswissenschaftler, die sich mit dem Thema Glück auseinandersetzten. Von Berufskollegen erntete er zu Beginn Unverständnis: Über Glück kann und soll ein ernsthafter Ökonom nicht forschen. Frey drang in ein Gebiet vor, das besetzt war durch Psychologie und Soziologie. Der Erfolg gab ihm aber schliesslich recht: Heute ist die «Glücksökonomie» ein aktives Feld der Wirtschaftswissenschaften.
Frey versucht mit seiner Forschung beispielsweise zu erklären, warum die Schweizer in den letzten Jahrzehnten kaum glücklicher geworden sind, obwohl ihr Wohlstandsniveau kontinuierlich gestiegen ist. Zwei Gründe führt er an: Erstens gewöhnen wir uns rasch an ein höheres Einkommen und an höheren materiellen Wohlstand. Zweitens vergleichen wir unsere eigene Situation gerne mit derjenigen anderer Personen. Wenn ich eine Gehaltserhöhung von 5000 Franken erhalte, mein Kollege aber 7000 Franken mehr erhält, dann ärgere ich mich, anstatt mich über meine eigene Gehaltserhöhung zu freuen.
Und warum sind die Schweizer ein bisschen glücklicher als ihre nördlichen Nachbarn? Frey führt dies auf die unterschiedlichen institutionellen Gegebenheiten der beiden Länder zurück. In der Schweiz kann die Bevölkerung im Rahmen von Abstimmungen regelmässig zu Sachthemen Stellung nehmen. Diese politische Mitbestimmung hat offenbar, zusammen mit der föderalen Struktur des Landes, einen signifikant positiven Einfluss auf die Zufriedenheit der Schweizer.
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Weitere Links zum Thema:
- «Was ist Glück?» Christine Maier diskutiert im CLUB mit Gästen über Glück. SF DRS, 01.11.2011
- «Lebenszufriedenheit ist etwas Langfristiges», Interview mit Bruno S. Frey. NZZ, 03.03.2010
- «Mit steigendem Einkommen wird man nicht glücklicher» Interview mit dem Volkswirtschaftsprofessor Mathias Binswanger. swissinfo.ch, 24.06.2007
Für das iconomix-Team
Christoph Hirter


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