In den letzten Wochen waren Spar- bzw. Wachstumsprogramme gelegentlich das Thema im iconomix-Blog (z.B. hier und hier).
Der Artikel «Amerikas Blick in den Abgrund» in der NZZ von gestern enthielt eine schöne Zusammenfassung dazu, wie gross aus wissenschaftlicher Sicht die Wirkung des sogenannten «Fiskalmultiplikators» ist:
«Der Multiplikator sagt, um wie viel die Wirtschaftsleistung steigt, wenn der Staat einen Dollar mehr ausgibt. Bei einem Multiplikator von 1 bleibt der Kuchen somit gleich gross, bei weniger als 1 senken zusätzliche Staatsausgaben die Wirtschaftsleistung.
Die Volkswirtschafterin Valerie Ramey von der University of California in San Diego kommt nach einer Sichtung der Literatur zum Schluss, dass eine temporäre Erhöhung der Staatsausgaben einen Multiplikator von 0,8 bis 1,5 hat. Der Effekt ist somit keineswegs überragend.
Aber vielleicht schaffen staatliche Mehrausgaben wenigstens mehr Stellen bei den Firmen? Auch dafür findet Ramey in ihrer Forschung keine Belege. Die Zunahme der Beschäftigung beschränkt sich auf den staatlichen Sektor.
Laut Ramey gibt es vereinzelt Studien, gemäss denen der Multiplikator in schweren Rezessionen etwas grösser ist, vielleicht bei 2. Doch nicht berücksichtigt bei all diesen Schätzungen ist, dass Mehrausgaben früher oder später Steuererhöhungen nach sich ziehen, die dann in die Gegenrichtung, also wie ein «negativer Multiplikator», wirken.
So schätzen Christiana Romer, die bis im September 2010 Obamas Wirtschaftsberaterin war, und David Romer, dass eine Erhöhung der Steuern um 1 $ zu einem Verlust an Wirtschaftsleistung von 3 $ führt. Dies dürfte damit zu tun haben, dass Steuererhöhungen Entrepreneurs [d.h. Unternehmer] abschrecken und Arbeitnehmer sich zum Beispiel früher pensionieren lassen.
Überzeugte Keynesianer müssen somit einräumen, dass Konjunkturprogramme selbst im besten Fall für die Gesellschaft netto ein Verlustgeschäft sind, wenn man die Finanzierungsseite berücksichtigt.»
Für das iconomix-Team
Manuel Wälti


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