Wie erklären sich die teils erheblichen Wohlstandsunterschiede zwischen Ländern? Warum herrscht in manchen Ländern seit langer Zeit wirtschaftlicher Wohlstand, während andere Länder in der Armut verharren? Warum gelingt manchen Ländern ein rascher wirtschaftlicher Aufstieg, anderen aber nicht?
Es sind die politischen Institutionen eines Landes, die über seinen wirtschaftlichen Wohlstand entscheiden. Dies die Kernaussage des Buchs «Why Nations fail: The Origins of Power, Prosperity and Poverty» der beiden Autoren Daron Acemoglu, Wirtschaftsprofessor am MIT, und James Robinson, Professor für Politikwissenschaften in Harvard.
Die Kernthese des Buches lautet: Es gibt zwei Formen von Institutionen oder Gesellschaften:
Die eine bezeichnen die Autoren als «extractive» im Sinne von ausbeuterisch. In diesen Gesellschaften untergräbt eine Oligarchie den politischen Wettbewerb sowie die gesellschaftliche und wirtschaftliche Innovation und hemmt die Wirtschaft.
Die andere ist «inclusive» im Sinne von die gesamte Gesellschaft umfassend. In solchen Gesellschaften wird die Macht von Eliten und Interessengruppen beschnitten und verfügen alle über Eigentumsrechte und die Möglichkeit, sich ihre Fähigkeiten und Talenten zu Nutze zu machen und wirtschaftliche Chancen wahrzunehmen.
Oder in den Worten von Armin Müller, Chefökonom der «Handelszeitung», der die Kernthese von Acemoglu und Robinson in einem Kommentar kürzlich schön auf den Punkt brachte:
«Ohne starke Institutionen hält nichts die Eliten vom Ausplündern des Landes ab. Armut ist die Folge. Nur wo Institutionen den Bürger davor schützen, dass ihm die Früchte seiner Arbeit, seiner Investitionen und seines Erfindungsreichtums weggenommen werden, entsteht das notwendige Vertrauen in die Zukunft. Das Land prosperiert.»
«Das erklärt den Erfolg von Botswana und den Misserfolg seiner Nachbarländer, den Reichtum Costa Ricas und die Armut Nicaraguas, die entgegengesetzte Entwicklung Süd- und Nordkoreas. Wenn starke Institutionen allen Bürgern die Möglichkeit geben, mitzubestimmen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, werden diese Bürger sich selbst und das Land voranbringen.»
Wir werden an dieser Stelle demnächst eine Besprechung dieses Buches veröffentlichen. Vorab schon mal ein paar Links zum Thema:
- Fazit (Wirtschaftsblog der F.A.Z.): Buchbesprechung
- Never mind the markets (Wirtschaftsblog des Tagesanzeigers): Die Systemfrage
- Youtube: Daron Acemoglu erklärt die Hauptideen des Buchs (Englisch)
- Podcast: Interview von Russell Roberts von EconTalk mit Daron Acemoglu (Englisch)
- IMF (Internationaler Währungsfonds): Buchbesprechung (Englisch)
- Economist: Buchbesprechung (Englisch)
- Guardian: Buchbesprechung von Paul Collier, Autor von «Die unterste Milliarde: Warum die ärmsten Länder scheitern und was man dagegen tun kann» (Englisch)
- Blog und Website von Why nations fail
Hinweise auf iconomix-Angebote zum Thema:
- iconomix-Fachtagung 2012 zum Thema «Wachstum, Entwicklung, Umwelt», am 1. September in Zürich
- iconomix-Baustein «Wachstum und Entwicklung»
Für das iconomix-Team
Manuel Wälti


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