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Simon Schmidhttp://www.iconomix.ch/de/blog/author/65/, Dienstag, 3. April 2012, 09:04

Wenn die Mittagssonne brennt

Milliardeninvestitionen in europäische Wind- und Solarparks haben in den letzten Jahren eine enorme Stromkapazität geschaffen. Die neuen Kraftwerke wirbeln auch die Handelsmuster an der internationalen Strombörse durcheinander, wie ein Beispiel zeigt:

An einem Tag kürzlich im März – die Sonne schien – lag der Strompreis am Mittag bei 4,1 Rappen pro Kilowattstunde. Zwischen acht und neun Uhr früh, als noch kaum Sonneneinstrahlung da war, kostete eine Kilowattstunde Strom im Grosshandel demgegenüber etwa 6,6 Rappen. Es ist eine Umkehr der alten Regel, wonach Elektrizität über Mittag jeweils am kostbarsten ist: Strahlt über den Solarparks die Sonne, so gibt es den Solarstrom praktisch zum Nulltarif. Aus dem Mittagshoch beim Strompreis ist so ein Mittagstief geworden.


 Niedrige Grenzkosten der Stromproduktion: Solarpark SolEs in Spanien.

Auf der Strombörse versuchen Energieproduzenten und Händler, Elektrizität möglichst günstig einzukaufen und möglichst teuer zu verkaufen. Zwischenzeitlich ist der Strom dort sogar gratis zu haben – beispielsweise an windigen Wochenenden, während denen die Industrie kaum Strom verbraucht. Der Schweizer Strommarkt ist mit dem Ausland stark vernetzt: Welche Preise hierzulande gelten, hängt wesentlich von den Bedingungen in Deutschland, Frankreich oder Italien ab. Auch die Konjunktur spielt beim Strompreis mit: In der Wirtschaftskrise wird weniger produziert, Elektrizität ist dann günstiger zu haben.

Ein Trend der letzten Jahre ist, dass Solar- und Windenergie zunehmend günstig verfügbar sind. In den Medien wurde deshalb auch schon von einer «Stromschwemme» gesprochen. Der Hintergrund: Allein in Deutschland wurden seit 2007 Kraftwerke gebaut, die eine zusätzliche Leistung von 70 Gigawatt einspeisen können. Rund 30 Prozent davon in Form von Windenergie. Bis 2020 soll in Europa der Anteil erneuerbarer Energien von rund 10 auf 20 Prozent ansteigen.

Diese erneuerbare Energien drücken den Strompreis – und zwar nicht nur zu Spitzenzeiten, sondern auch im Durchschnitt. Die Entwicklung hat auch eine politische Dimension: Deutschland subventionierte Investitionen in erneuerbare Energien zuletzt stark. Mit der Folge, dass der Grosshandelspreis im Extremfall gegen null tendiert. Die Grenzkosten der Stromproduktion sind dann extrem niedrig. Voraussetzung ist allerdings, dass die Sonne scheint und es windet.

Vom Wandel auf dem Strommarkt sind auch die Schweizer Kraftwerke betroffen. Als «Batterie» Europas pumpen die Speicherkraftwerke nun das Wasser nicht mehr nur in der Nacht nach oben. Sondern vor allem dann, wenn günstige Strompreise an der Börse es erlauben. Durch die Turbinen gelassen wird das Wasser dann, wenn in Europa viel Strom nachgefragt wird. In solchen Fällen kann es an der Börse auch zu Ausreisserpreisen nach oben kommen – so zum Beispiel während der Kältewelle im Februar. Sämtliche Kraftwerke liefen damals unter Volllast. Die Kilowattstunde Strom war in Frankreich zwischenzeitlich über zwei Franken teuer.

Es ist eine Art Rückgang zur Natur, den der Strommarkt gegenwärtig durchmacht. Erneuerbare Energien erzwingen zunehmend, die Bandenergie – also jenen Strom, der rund um die Uhr produziert wird – herunterzufahren. In Deutschland werden deshalb sogar Braunkohlekraftwerke an sonnigen oder windigen Tagen auf Teillast heruntergefahren. Bestehen bleiben die Anforderungen ans Netz: Saugt ein beschleunigender Zug Strom aus dem Netz, so muss ein Kraftwerk genau um diese Menge Strom hochgefahren werden. Nur so kann die Netzstabilität sichergestellt werden. 

Thema: Entwicklung, Wachstum, Umwelthttp://www.iconomix.ch/de/blog/list/10-entwicklung-wachstum-umwelt/, Markt und Handelhttp://www.iconomix.ch/de/blog/list/51-markt-und-handel/
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Kommentare (1)Kommentar abgeben
Gion Catschegn
12. April 2012, 20:04
Ist der Preis das Grundproblem

Nun stellt sich hier die Frage ob nur die Stromproduzenten von diesen Preis Schwankungen profitieren oder ob die Allgemeinheit die durch Steuergelder die "Grüne Energie" Finanziert nicht sich selber ein Ei legt. Indem der Strompreis immer billiger und das Grundproblem nicht angegangen wird, dass die Menschheit Stromsparsamer Leben muss.
Denn wie viele Menschen brauchen Licht obwohl es Tag hell ist? Und warum müssen x Geräte dauernd auf Stand By bleiben. (Internet Router gehört auch

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