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Experimente im Wirtschaftsunterricht

Der rege Einsatz von iconomix-Lehrmaterialien (Modulen und Bausteinen) im Unterricht ist ein guter Indikator für die Zufriedenheit der Lehrpersonen mit dem Ökonomie-Lehrangebot der SNB. Das Lehrmaterial weckt aber nicht nur Interesse bei Lehrpersonen sondern auch bei Wissenschaftlern. Verschiedene Module fördern ausdrücklich das spielerische Lernen und bieten sich daher als Ausgangslage für einen Vergleich von Lehrmethoden an. 

Das Thurgauer Wirtschaftsinstitut an der Universität Konstanz präsentiert nun erste Resultate einer in Bälde erscheinenden Studie zur Effektivität von Klassenzimmer-Experimenten im Wirtschaftsunterricht. Konkret wurde das iconomix-Modul «Allmendegüter» mit dem Gruppenspiel «Fischteich» an Mittelschulen in der Deutschschweiz getestet. Dieses Spiel simuliert auf anschauliche Weise die Anreizproblematik im Umgang mit Allmendegütern. Im Unterschied zum Frontalunterricht lernen Schülerinnen und Schüler aber in erster Linie aus ihren eigenen Überlegungen, Entscheidungen und Erfahrungen.

Die Studie untersucht nun, inwieweit dieses partizipatorische Element den Lernerfolg zu steigern vermag. Um eine kausale Interpretation zu ermöglichen, wurde in Kooperation mit der SNB ein Feldexperiment durchgeführt. Insgesamt konnten 42 Klassen für eine Teilnahme gewonnen werden. Je etwa ein Drittel aller Klassen wurde zufällig einer Kontrollgruppe respektive zwei Experimentalgruppen zugeteilt. Die zwei Experimentalgruppen — «Standard» und «Experiment» — erhielten dasselbe Lernziel, unterschieden sich aber in der verwendeten Lehrmethode.

Klassen der «Standard»-Gruppe erhielten nicht-experimentelle Instruktionen zum Thema Allmendegüter. Dabei war es den Lehrpersonen grundsätzlich freigestellt, wie sie den Unterricht gestalten. Klassen dieser Gruppe weisen also auf die durchschnittliche Wirksamkeit von etablierten Lehrmethoden hin. Klassen der «Experiment»-Gruppe spielten das oben angesprochene Gruppenspiel «Fischteich» von iconomix. Beide Gruppen stützten sich bei der Nachbearbeitung auf die Arbeitsblätter zum iconomix-Modul «Allmendegüter».

Die Resultate sind durchwegs erfreulich. Ein durchschnittlicher Schüler erreicht annähernd 32% des theoretisch erreichbaren Maximalwertes.[1] Schülerinnen und Schüler der «Standard»-Gruppe weisen einen zusätzlichen Lerneffekt von ca. 15,5% auf. Das Klassenzimmer-Experiment schneidet im Vergleich zur Kontrollgruppe mit gut 22% sogar noch etwas besser ab. Dabei ist die Differenz von etwa 6% zwischen beiden Experimentalgruppen statistisch signifikant.

Im Vergleich zur Kontrollgruppe konnten demnach beide Lehrmethoden überzeugen. Dies ist auch aus den Antworten eines Fragebogens für Lehrpersonen ersichtlich. Lehrpersonen beider Experimentalgruppen gaben an, dass ihre Klassen ein überdurchschnittlich grosses Interesse am Thema gezeigt hätten. In Anbetracht dieser Resultate sowie der Relevanz des Gegenstandes erstaunt es daher umso mehr, dass das Thema Allmendegüter nur selten in den Lehrplänen auftaucht. Ebenso schätzen die Lehrpersonen den subjektiv wahrgenommenen Lernerfolg als überdurchschnittlich hoch ein. Dabei zieht sich als Konstante durch die Resultate, dass das Klassenzimmer-Experiment stets eine bessere Bewertung erhält.

Über eine breite Anwendung von Klassenzimmer-Experimenten entscheidet aber nicht zuletzt der Vorbereitungsaufwand. Auch hier schneidet das vorliegende iconomix-Modul gut ab, beläuft sich doch die Zeit zur Vorbereitung auf durchschnittlich 95 Minuten und liegt damit tiefer als die 109 Minuten, welche die Lehrpersonen der «Standard»-Gruppe aufgewendet haben. Zudem scheinen Lerneffekte bei den Lehrpersonen nicht unerheblich, wie die Rückmeldung eines Lehrers aufzeigt. Dieser konnte den Vorbereitungsaufwand bei der zweiten Anwendung des Moduls von ca. 2.5 Stunden auf 30-60 Minuten reduzieren.

Insgesamt also sprechen die vorliegenden Resultate deutlich für die Qualität des geprüften iconomix-Moduls und legen nahe, dass der Einsatz von Klassenzimmer-Experimenten auch im Wirtschaftsunterricht — sowohl für Lehrpersonen wie auch für Lernende — gewinnbringend ist. In einem nächsten Schritt gilt es zu prüfen, wie sich Lernerfolge von konventionellen Lehrmethoden und Experimenten im Unterricht in der längeren Frist behaupten. Gegenwärtig wird davon ausgegangen, dass ein erfahrungsbasierter Unterricht gerade in diesem Bereich Vorteile birgt. 

[1] Der Testwert wird durch die Anzahl richtiger Antworten minus der Anzahl falscher Antworten berechnet. Den Schülerinnen und Schülern war es erlaubt, eine Frage mit «Ich weiss es nicht» zu beantworten.

Thema: Ökonomische und finanzielle Grundbildunghttp://www.iconomix.ch/de/blog/list/40-oekonomische-und-finanzielle-grundbildung/
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