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Das Elend der wirtschaftlichen Bildung

«Auch wenn ökonomische Themen mittlerweile beinahe alle grossen politischen Debatten bestimmen, wird an Schweizer Schulen noch immer weit mehr Latein gebüffelt, Biologie und Chemie, als dass die Heranwachsenden etwas über die grundlegenden wirtschaftlichen Zusammenhänge und Begriffe erfahren. Abgesehen von den Fachleuten, kann kaum einer ökonomischen Diskussionen folgen, nur wenige verstehen die Wirtschaftsberichterstattung.» So die Quintessenz eines Weltwoche-Artikels von  Markus Diem Meier aus dem Jahr 2004.

Diem Meier ist seit Beginn dieses Jahres stellvertretender Chefredaktor der Finanz und Wirtschaft und schreibt nebenbei für Never Mind the Markets, den Ökonomieblog des Tagesanzeigers. In seinem jüngsten Blogartikel «Das Elend der wirtschaftlichen Bildung» greift er das Thema wieder auf.  Sein Fazit ist dasselbe: Selten waren wirtschaftliche Kenntnisse so gefragt wie heute. In den Lehrplänen kommt das leider zu kurz.

Hier die drei gemäss Diem Meier nicht abschliessenden Punkte, die seiner Ansicht nach beim Wirtschaftsunterricht mehr Beachtung finden müssten (durch uns leicht gekürzt):

«1. Erklärungen konkreter, praktischer Vorgänge müssen Priorität haben vor abstrakten Modellen – ganz besonders dann, wenn für die praktische Relevanz der komplexeren Modelle keine Zeit vorgesehen ist. Es ist frustrierend, wenn man Studierende mit Formeln und Grafiken bombardieren muss, die diese sich für die vorgegebene Prüfung am Ende der Ausbildung einprägen müssen, während zum Beispiel Themen wie die ganz konkrete Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank nicht im Stoffplan enthalten sind. (…)»

«2. Sozialwissenschaften (wozu die Ökonomie zählt) sind keine exakten Wissenschaften. Hier wird versucht, die extrem komplexe Realität gesellschaftlicher Entwicklungen mit Modellen möglichst gut abzubilden. Diese Botschaft sollte meiner Ansicht nach am Anfang des Wirtschaftsunterrichts stehen: Die Studierenden müssen verstehen, dass die zu lernenden Modelle keine Naturgesetze darstellen, sondern historisch gewachsene Versuche sind, die Realität möglichst gut abzubilden und dass diese Modelle im Lauf der Geschichte stets auch weiter ergänzt, modifiziert und einige auch verworfen wurden – und dass diese Geschichte nie zu Ende ist. (…)»

«3. Die Schulen (über ihre Lehrpläne) und die Dozenten müssen die Studierenden dort abholen, wo sie sind: Die Leute lesen täglich über wirtschaftliche Entwicklungen. Unsere Zeit müsste die beste Zeit für den Unterricht dieses Fachs sein. Daher sollte er auf Erklärungen der Vorgänge ausgerichtet sein. Oder genauer – weil endgültige, hieb- und stichfeste Erklärungen nicht existieren: Er sollte auf das Verständnis dessen ausgerichtet sein, was als Erklärungen in den Medien und von Experten herumgeboten wird. Der Wirtschaftsunterricht sollte den Leuten brauchbare Instrumente an die Hand geben. Wenn man die Leute dort abholt, wo sie sind, dann sind sie in aller Regel begeistert vom Fach Volkswirtschaft

Dem schliessen wir uns an.

Für das iconomix-Team
Manuel Wälti

Thema: Ökonomische und finanzielle Grundbildunghttp://www.iconomix.ch/de/blog/list/40-oekonomische-und-finanzielle-grundbildung/, Menschen in der Wirtschafthttp://www.iconomix.ch/de/blog/list/50-menschen-in-der-wirtschaft/
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Kommentare (1)Kommentar abgeben
renzo Cad
12. April 2012, 23:04
Das Elend der etnischnen Bildung

Zitat: "Abgesehen von den Fachleuten, kann kaum einer ökonomischen Diskussionen folgen, nur wenige verstehen die Wirtschaftsberichterstattung."
Das wir Normalos der Wirtschaftsberichterstattung nicht folgen können, liegt an den sogenannten Fachleuten. Ich finde, es wird oft mit Fachwörter herumgeschmissen, damit wir bewusst in die Irre geführt werden. Es dreht sich schlussendlich doch alles um Profitmaximierung. Und wenn man sich bewusst wird, dass Lebensqualität und Ethnie nichts

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