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Helmut M. Dietlhttp://www.iconomix.ch/de/blog/author/Helmut%20M.%20Dietl/, Freitag, 25. November 2011, 09:11

Die ökonomischen Hintergründe des Tarifstreits in der NBA

Eigentlich hätte die NBA Saison 2011/12 längst beginnen sollen. Anstatt in den Arenen Basketball zu spielen, duellieren sich die Spieler mit den Klubeigentümern. Diese Duelle wurden zunächst am Verhandlungstisch geführt. Nach dem Scheitern der Verhandlungen sollen sie jetzt in den Gerichtssaal verlagert werden. Worum geht es im Einzelnen?

Vereinfacht gesagt geht es darum, wie die rund 4 Mrd. US Dollar Jahreseinkommen zwischen Klubeigentümern und Spielern künftig aufgeteilt werden sollen. Diese Aufteilung wird üblicherweise im Zuge von Tarifverhandlungen zwischen den Klubeigentümern einerseits und der Spielergewerkschaft andererseits festgelegt. Der bis Juni dieses Jahres gültige Tarifvertrag garantierte den Spielern bislang 57% der Einnahmen. Den Rest bekamen die Klubbesitzer.

Im Rahmen der neuen Tarifverhandlungen fordern die Klubeigentümer, meist wohlhabende Privatpersonen, einen grösseren Anteil an den Einnahmen. Sie begründen ihre Forderungen damit, dass sie in den letzten Jahren hohe Verluste erwirtschafteten. Allein in den letzten beiden Jahren betrugen die Verluste 380 bzw. 300 Mio. Dollar.

Die Spielergewerkschaft bestreitet diese Zahlen und verweist darauf, dass die Klubeigentümer einen Teil ihrer Gewinne auf andere Unternehmen transferieren können. Wenn beispielsweise ein Klubeigentümer zugleich Inhaber eines Medienunternehmens oder der Basketballarena ist, kann er durch niedrige Lizenzgebühren für Medienrechte bzw. hohe Mietverträge für die Arena Klubgewinne in das Medienunternehmen bzw. die Betriebsgesellschaft der Arena verlagern.

Auch das Wirtschaftsmagazin Forbes schätzt, dass die Liga profitabel ist, und beziffert das Betriebsergebnis für die Saison 2009/10 auf 183 Mio. Dollar. Das wären rund 6 Mio. pro Klub und entspräche einer Umsatzrendite von knapp 5%. Allerdings lag die Umsatzrendite in der Vergangenheit schon weit über 10%. Für den Rückgang der Profitabilität sind jedoch nicht in erster Linie die Spielergehälter verantwortlich. Sie entwickelten sich aufgrund des Tarifvertrages proportional zu den Einnahmen. Überdurchschnittlich gestiegen sind hingegen die übrigen Ausgaben. Sie haben sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt.

Das Hauptproblem sind aber nicht die jüngsten Gewinnrückgange innerhalb der Liga, sondern die Profitabilitätsunterschiede zwischen den einzelnen Klubs. Laut Forbes entfallen über 80% der Gewinne auf nur drei Klubs (New York Knicks, Chicago Bulls und Los Angeles Lakers). Die meisten anderen der insgesamt 30 Klubs erwirtschaften Verluste.

Bislang verliefen die Tarifverhandlungen wie folgt. Nachdem sich die Tarifparteien im Sommer nicht einigen konnten, haben die Eigentümer die Spieler zunächst ausgesperrt. In der Folge haben die Eigentümer ihr ursprüngliches Angebot, den Spielern 37% der Einnahmen zu garantieren, sukzessive verbessert und Mitte November ein ultimatives Angebot vorgelegt. Dieses Angebot sah eine 50-50 Aufteilung der Einnahmen vor. Da die Spieler an ihrer letzten Forderung von 52.5% der Einnahmen festhielten, lehnten sie dieses ultimative Angebot ab und verklagten die Liga auf Kartellmissbrauch. Damit droht die gesamte Saison auszufallen.

Die 2.5%, die beide Seiten noch trennen, entsprechen rund 100 Mio. Dollar pro Jahr. Wenn hingegen die  gesamte Saison ausfällt, verlieren Spieler und Eigentümer jeweils 2 Mrd. Dollar. Letztendlich steht aber viel mehr auf dem Spiel.

Bei diesem Tarifstreit am sitzen die Klubeigentümer zunächst am längeren Hebel. Sie sind meist Milliardäre und besitzen neben ihren Klubs oft weitere lukrative Einnahmequellen.  Mark Cuban, dem Eigentümer der Dallas Mavericks, gehören beispielsweise über seine Anteile an dem Medienimperium 2929 Entertainment mehrere Film-, Kino- und Fernsehunternehmen. Für die Eigentümer der New Jersey Jets, dem russischen Multimilliardär Michail Prochorow, dem US-amerikanischen Bauträger Bruce Ratner und Rapper Jay-Z, ist der Klub ebenfalls nicht die Haupteinnahmequelle.

Aber auch die Spieler sind nicht gerade arm. Ihr Jahressalär lag in der letzten Saison zwischen 0.5 und 25 Mio. Dollar. Das Durchschnittssalär betrug 5 Mio. und lag damit deutlich höher als in allen anderen Teamsportarten. Hinzu kommen noch Werbeeinnahmen. Da ein Spieler jedoch durchschnittlich nur 4.8 Jahre in der NBA spielt, verliert er mit einem Jahreseinkommen ein Fünftel seines Gesamteinkommens. Demgegenüber sind 2.5% hin oder her Peanuts. Die meisten Spieler möchten deshalb einen Ausfall der gesamten Saison verhindern. Einige Spieler könnten in dieser Zeit zwar versuchen, für einen europäischen oder asiatischen Klub zu spielen. Dort sind die Verdienstmöglichkeiten für die meisten Spieler aber deutlich schlechter als in der NBA. Die Geduld der Spieler dürfte bei diesem Verhandlungspoker also bald erschöpft sein.

Falls die Spieler mit ihrer Kartellklage vor Gericht Recht bekämen, wäre das Geschäftsmodell aller nordamerikanischen Profiligen gefährdet. Hieran dürften weder die Eigentümermilliardäre noch die Spielermillionäre ein Interesse haben. Letztendlich profitieren beide Seiten von diesem Geschäftsmodell. Es ist also zu erwarten, dass beide Seiten bald wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren und eine Einigung finden werden.

Thema: Sport und Ökonomiehttp://www.iconomix.ch/de/blog/list/3-sport-und-oekonomie/
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