Poker gilt für viele als Glücksspiel und ist deshalb auch in zahlreichen Ländern gesetzlich verboten. In der Schweiz hat das Bundesgericht am 20. Mai 2010 Poker als Glücks- und nicht als Geschicklichkeitsspiel eingestuft. Als Glücksspiel fällt Poker unter das Spielbankengesetz und ist deshalb konzessionspflichtig.
Die Ökonomen Steven D. Levitt und Thomas J. Miles von der Universität Chicago haben jetzt Forschungsergebnisse vorgelegt, die diese Einschätzung widerlegen. Poker ist demzufolge ein Geschicklichkeits- und kein Glücksspiel!
In Las Vegas finden jedes Jahr die sogenannten World Series of Poker statt. Im Jahre 2010 bestand diese World Series aus über 50 Pokerturnieren, mehr als 32‘000 Teilnehmern und insgesamt mehr als 185 Millionen US-Dollar an Preisgeldern. Der Höhepunkt dieser World Series ist das Finalturnier, auch Main Event genannt, bei dem allein der Sieger knapp 9 Millionen US-Dollar verdient.
Die einzelnen Turniere, aus denen sich die World Series zusammensetzt, sind wie folgt organisiert. Grundsätzlich kann jeder mitmachen, der die Entry Fee bezahlt. Diese Eintrittsgebühr liegt bei den Turnieren der World Series zwischen 1‘000 und 50‘000 US-Dollar. Im Gegenzug hierfür erhält der Spieler eine fest vorgegebene Anzahl von Chips und wird einem Pokertisch zugelost.
Jeder Spieler darf so lange spielen, bis er keine Chips mehr hat. Turniersieger ist derjenige Spieler, der am Ende alle Chips besitzt. Alle anderen Spieler werden nach ihrer Spielzeit rangiert. Wer als Erster ausscheidet ist Letzter, wer als Zweiter ausscheidet Vorletzter, usw.
Die meisten Turniere dauern zwei bis drei Tage. Der Main Event zieht die meisten Spieler an und dauert mit zwei Wochen am längsten.
Von den Eintrittsgebühren erhält der Ausrichter durchschnittlich 7,5 Prozent. Aus dem Rest werden die Preisgelder bezahlt. Die Preisgeldstruktur ist hochgradig konvex: Rund 90 Prozent der Spieler erhalten überhaupt kein Preisgeld. Bei einem typischen Turnier mit mehreren Tausend Teilnehmern bekommt beispielsweise der 200. Rang 2‘700 US-Dollar und der 100. Rang 3‘000 US-Dollar, während der Sieger über eine halbe Million mitnimmt.
Wenn Poker ein Glücksspiel wäre, müssten die Preisgelder zufällig verteilt sein. Dies ist jedoch nicht der Fall. Anhand von Spielerrankings und vorangegangener Ergebnisse identifizieren Levitt und Miles 720 der über 32‘000 Teilnehmer der World Series of Poker 2010 vor Beginn des Turniers als «hochgeschickt ». Diese 720 Spieler zahlten insgesamt über 35 Millionen US-Dollar an Eintrittsgebühren und gewannen über 46 Millionen US-Dollar an Preisgeldern. Dies entspricht einem Gewinn von fast 11 Millionen US-Dollar und einer «Kapitalrendite» (Return on Investment) von 30,5 Prozent. Demgegenüber verloren die anderen Spieler bei einer Kapitalrendite von minus 15,6 Prozent knapp 26 Millionen US-Dollar.
Diese Renditeunterschiede sind viel grösser, als man sie beispielsweise bei Kapitalmarktfonds findet. Offenbar spielt Geschick beim Poker sogar eine grössere Rolle als am Kapitalmarkt.


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