Angesichts der Hochzeit von Prinz Williams und Kate Middleton scheinen beachtliche Teile der Bevölkerung – nicht nur in Grossbritannien, sondern weltweit – regelrecht aus dem Häuschen zu geraten.
Die Zunft der Ökonominnen und Ökonomen bleibt da eher nüchtern und interessiert sich mehr für Fragen wie, ob dieses Grossereignis der britischen Wirtschaft etwas Schwung verleiht.
Zumindest kurzfristig scheint die königliche Hochzeit eine echte Konjunkturspritze für die britische Wirtschaft zu sein: Gemäss BBC sollen die Touristenzahlen (allerdings auch wegen der Sommerolympiade 2012) über zwei Jahre massiv steigen und Medienkonzerne können sich auf ausserordentliche Einschaltquoten freuen. Auch das Geschäft mit Hochzeitssouvenirs boomt, von der Tasse bis zum «knit your own royal wedding»-Buch (siehe Bild). Eine Studie von Price Waterhouse Coopers schätzt alleine die Mehreinnahmen der Geschäfte in London auf über 100 Mio. Pfund.

Wie der Spiegel schreibt, versucht selbst die Anti-Monarchiebewegung vom Hype um die Hochzeit zu profitieren, indem Tassen mit der Aufschrift «I am not a royal wedding mug» verkauft werden.
Den zusätzlichen Einnahmen durch die Hochzeit stehen hohe Kosten gegenüber: Die öffentliche Hand bezahlt Millionen für Zeremonie und Sicherheitsoperationen (siehe z.B. Tagesanzeiger.ch). Ausserdem steht die Privatwirtschaft für vier aufeinanderfolgende Tage still, weil neben dem zusätzlichen Feiertag am Freitag mit dem 1. Mai gleich der Bank Holiday anfällt. Der «Telegraph» beziffert alleine diese Kosten auf 5 Mio. Pfund.
Eine humorvolle Zusammenfassung der wirtschaftlichen Effekte der Hochzeit bietet das Video von James Rogers auf «the Street.»
Wie ist die Hochzeit des Jahres aus sozialpolitischer Perspektive zu werten? Die Journalistin Polly Toynbee nimmt in ihrem Kommentar in der Zeit eine kritische Haltung ein. Sie kritisiert die fehlende Chancengleichheit und soziale Mobilität im Inselstaat und stellt konsterniert fest: «Eine königliche Hochzeit ist die Negation aller Hoffnungen auf den sozialen Aufstieg.»
Für das iconomix-Team
Martina Zahno


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